Ex-Außenministerin bei Vortrag "Zukunftsmacht Frauen": Universalität der Menschenrechte muss durchgesetzt werden
Wien - Angesichts der Benachteiligung von Frauen in der muslimischen Welt hat die frühere Außenministerin Ursula Plassnik dazu aufgerufen, die islamischen Führer stärker in die Pflicht zu nehmen. "Was ist Tradition und was ist Religion?", fragte Plassnik am Mittwoch bei einem Vortrag in Wien zum Thema "Zukunftsmacht Frauen".
Die Politik müsse ihren Druck verstärken. So werde die weibliche Genitalverstümmelung weltweit in 30 Ländern praktiziert. Und auch Österreich sei mit dem Thema konfrontiert. Es gebe eine eigene Ärztin am SMZ-Ost, die sich mit solchen Fällen beschäftige. "Es sind schärfere Mittel notwendig, um diese Grausamkeiten abzuschaffen", forderte Plassnik. Gerade deshalb auch müsse die Rolle der Frauen im interreligiösen Dialog gestärkt werden.
Frauenanliegen stärker in Außenpolitik einbinden
Außerdem forderte die ÖVP-Abgeordnete und Sonderbeauftragte des Außenministeriums für internationale Frauenfragen, Frauen besonders in geo- und sicherheitspolitischen Fragen stärker einzubinden. Nicht nur die Innenpolitik, insbesondere auch die Außenpolitik müsse sich verstärkt um Frauenanliegen kümmern.
"50 Prozent der Bevölkerung erziehen 100 Prozent - über Frauen läuft die Entwicklung der Rollenbilder, sie entscheiden, ob ihre Söhne Krieger oder Mediziner werden", wies Plassnik auf die Schlüsselrolle von Frauen im Kampf gegen Extremismus hin. Doch nach wie vor seien Frauen in internationalen Verhandlungen nicht - oder zumindest nicht sichtbar - eingebunden. Nur auf vier Prozent aller UNO-Friedensabkommen befänden sich die Unterschriften von Frauen.
Gegenwehr islamischer Staaten
Als besonders "hartes Thema, das die Außenpolitik noch stark beschäftigen wird" identifizierte Plassnik die Durchsetzung der universellen Geltung der Menschenrechte. Dagegen würden sich islamische Staaten extrem wehren, stellte die Ex-Außenministerin fest. Unter dem Deckmantel von Religion, Geografie, Tradition oder Kultur würden Frauen ungerecht behandelt. So seien etwa nach iranischem Recht Mädchen mit neun Jahren strafmündig, Buben erst mit 15. Auch die Zeugenaussage einer Frau sein laut Gesetz nur halb so viel wert wie die eines Mannes. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, so die Ex-Ministerin. (APA)