Salzburg

150.000 Stunden Telefonseelsorge

11. März 2010 13:05

Einsamkeit, Beziehungsprobleme und Gewalt sind die häufigsten Anliegen der AnruferInnen

Salzburg - Die vertrauliche Gesprächsmöglichkeit bei der Telefonseelsorge ist eine Chance, um über das Thema Missbrauch zu reden, so der Leiter der Telefonseelsorge Salzburg Gerhard Darmann. Diese Einladung an mögliche Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch sprach am Donnerstag Darmann bei einem Pressegespräch im Bildungszentrum St. Virgil aus. Anlass war ein Treffen von VertreterInnen der Telefonseelsorgen aus allen Bundesländern, die einen internationalen Kongress im Juli in Wien vorbereiten.

Eine Häufung von Anrufen von Opfern sexuellen Missbrauchs merken die rund 700 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge in den Diözesen derzeit nicht. Im Zentrum stehen meist andere Anliegen und Probleme. Häufig wären es Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, die in ihrer Kindheit missbraucht worden seien und erst Jahrzehnte danach über das Thema sprechen könnten, berichtete Matejka. Aufgabe der Telefonseelsorge sei es, die Menschen zu stärken und zu ermutigen, sich jemandem anzuvertrauen oder sich an eine professionelle Hilfseinrichtung zu wenden.

Gewalt in Beziehungen

Das Thema sexueller Missbrauch ist nur ein sehr kleiner Teil von Anliegen, mit denen sich die AnruferInnen an die kostenlose und vertrauliche Telefonhotline, die von der katholischen und evangelischen Kirche getragen wird, wenden. Viel häufiger seien Einsamkeit und Isolation, Beziehungsprobleme, psychische Erkrankungen oder Gewalterlebnisse die Themen der Gespräche.

In Vorbereitung des internationalen Kongresses, der sich mit Gewalt und Alternativen zur Gewalt befassen wird, hat die Telefonseelsorge Österreich eine Untersuchung durchgeführt. Von den AnruferInnen, bei denen Gewalt eine Rolle spielte, waren 27 Prozent Männer und 71 Prozent Frauen. Zwei Prozent waren nicht zuordenbar. Etwas mehr als 70 Prozent der AnruferInnen sahen sich in der Opferrolle, rund 20 Prozent in der Täterrolle, 15 Prozent waren BeobachterInnen von Gewalt. Am stärksten wird Gewalt in Beziehungen wahrgenommen, knapp drei Viertel machten Gewalterfahrungen zwischen PartnerInnen aus, dahinter lagen jene zwischen Erwachsenen und Kindern mit 69 Prozent. Rund 13 Prozent der AnruferInnen äußerten Selbstmordabsichten - der Anteil von Männern war dabei dreimal so hoch wie jener von Frauen. Selbstvorwürfe orteten die MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge in der Untersuchung vor allem bei Frauen. Sie würden sich oft die Mitschuld an Gewalt geben, berichtete Gerhard Baldauf, Leiter der Telefonseelsorge Steiermark.

Insgesamt führen die MitarbeiterInnen in den Telefonseelsorgen rund 150.000 Stunden Gespräche pro Jahr. Die Nachfrage nach diesem Angebot steige seit Jahren an, sagte Darmann. (APA)

 

gunda
18.03.2010 20:39
gut

dass es sie gibt!

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