In drei Dörfern in Zentralnigeria wurden am Wochenende mindestens 109 Menschen umgebracht - Demonstrantinnen fordern Abzug der Soldaten
Jos - Nach dem Massaker an Christen in Nigeria haben tausende in Schwarz gekleidete Frauen am Donnerstag ihre Trauer zum Ausdruck gebracht und den Abzug der in der Region stationierten Soldaten gefordert.
"Wir trauern um die Kinder, die am Sonntag getötet wurden", sagte eine 32-jährige Krankenschwester, die sich in den Protestzug im Zentrum der Stadt Jos im Bundesstaat Plateau einreihte. Die Frauen schwenkten Äste von Mangobäumen zum Zeichen des Friedens, hielten Bibel-Ausgaben und Holzkreuze in den Händen und zogen zum Sitz der Regionalregierung.
Bei dem Massaker in drei Dörfern nahe Jos in Zentralnigeria waren am Wochenende mindestens 109 Menschen umgebracht worden, darunter 40 Kinder. Die Polizei korrigierte ursprüngliche Angaben der Behörden, nach denen mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen seien, als "gefälscht". Vertreter der örtlichen Zivilgesellschaft hatten allerdings ebenfalls von 200 bis 400 Todesopfern gesprochen.
Immer wieder Zusammenstöße
"Wir wollen keine Soldaten mehr", riefen die Demonstrantinnen. Nach dem brutalen Vorfall in der Nacht zu Sonntag waren hunderte Soldaten in der Region im Einsatz, um für Stabilität zu sorgen. Die Armee war aber auch scharf dafür kritisiert worden, den Massenmord nicht verhindert zu haben. Das Massaker an den Mitgliedern der vornehmlich christlichen Berom-Volksgruppe war von Angehörigen des muslimischen Nomadenvolks der Fulani verübt worden. Im Zusammenhang damit waren laut Polizei 49 Fulani-Nomaden festgenommen worden, die an dem Massaker beteiligt gewesen sein sollen. Die Tat soll als Vergeltung für vorherige Überfälle durch die Berom-Volksgruppe geplant gewesen sein.
Die Region um Jos liegt an der Nahtstelle zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem christlich-animistisch geprägten Süden Nigerias und wird immer wieder von Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen erschüttert. (APA/AFP)