Führungskräfte

Dax-Konzern Telekom führt Frauenquote ein

15. März 2010 11:20

Bis 2015 sollen 30 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt sein - Konzernchef Obermann: "Gebot der gesellschaftlichen Fairness"

Frankfurt - Die Deutsche Telekom führt als erster Dax-Konzern eine Frauenquote für das Management ein. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein, wie der Bonner Konzern am Montag mitteilte. Die Regelung gelte weltweit. Die Frauenquote sei kein "Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei", sondern eine Antwort auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, begründete Telekom-Chef Rene Obermann. So seien derzeit 60 Prozent der AbsolventInnen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen an deutschen Hochschulen Frauen. Doch nur wenige davon machten Karriere, ergänzte Personalvorstand Thomas Sattelberger. Die Quote solle den Weg für weibliche Talente ebnen.

"Gebot der gesellschaftlichen Fairness"

Mehr Frauen in Führungspositionen sei ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für den Erfolg der Telekom, erklärte  Obermann weiter. "Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser."

Das Unternehmen kündigte an, es werde sein Programm zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ausbauen. Angeboten würden Elternzeitmodelle, Teilzeitmodelle für Führungskräfte, flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote sowie "praktische Unterstützungsleistungen im Alltag". Die Frauenquote solle zunächst für die Managementebenen unterhalb des Vorstands gelten. Das Vorhaben des Unternehmens dürfte allerdings auch in das Spitzengremium ausstrahlen. "Ich bin mir aber sicher, dass das im Aufsichtsrat Diskussionen auslöst," so Obermann.

Scheitern eingestanden

Mit der Selbstverpflichtung gesteht die Telefongesellschaft auch das Scheitern der bisherigen Förderung ein. "Unsere jahrelangen Maßnahmen zur Frauenförderung waren redlich und gut gemeint, der durchschlagende Erfolg blieb wie in allen großen Unternehmen leider aus", erklärte Sattelberg. Trotz der Unterstützung stagnierte der Anteil der Frauen in der Unternehmensleitung in den vergangenen Jahren.

Die Frauenquote gelte weltweit. Derzeit seien nur 18 Prozent der Telekom-Führungskräfte weiblich, sagte Sattelberger, in Deutschland sei der Anteil mit zwölf Prozent sogar noch geringer. Im gesamten Konzern mit seinen 260.000 MitarbeiterInnen ist der Frauenanteil wesentlich höher. Rund ein Drittel der Beschäftigen sind Frauen.

Der Frauenanteil in deutschen Unternehmen ist vor allem in den Chefetagen verschwindend gering. Derzeit gibt es 2,5 Prozent weibliche Vorstände und knapp zehn Prozent weibliche Aufsichtsräte, wovon der große Teil über die Gewerkschaften entsandt wird.

Politik erfreut

Die deutsche Familienministerin Kristina Schröder begrüßte die Initiative. Unternehmen könnten es sich nicht mehr leisten, in den Führungsetagen auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten, erklärte sie. Sie freue sich, dass die Telekom mit gutem, freiwilligem Beispiel vorangehe. Eine gesetzliche Regelung könne nur "Ultima ratio" sein. In der "Financial Times Deutschland" vom Montag forderte Schröder von den Firmen eine genaue Aufschlüsselung, "welchen Frauenanteil es auf welchen Ebenen gibt und wie der sich entwickelt". Dazu wolle sie Transparenz und Berichtspflichten verbessern.

In Österreich blieben die Reaktionen nicht aus. Als "Vorbild für österreichische Unternehmen in Sachen Frauenförderung", begrüßte SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm die Initiative von Telekom.  (Reuters/APA/red)

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www.maennerpartei.at
18.03.2010 11:12
"Unsere jahrelangen Maßnahmen zur Frauenförderung waren redlich und gut gemeint, der durchschlagende Erfolg blieb wie in allen großen Unternehmen leider aus", erklärte Sattelberg.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 11:32
grundsätzlich eine super initiative...

...allein, die begründung ist schwer zu glauben:
Konzernchef Obermann: "Gebot der gesellschaftlichen Fairness"
...da wird vorrangig schon noch anders gerechnet worden sein... und dann sagen wir halt "gesellschaftliche fairness" dazu.... vermarktungsschiene

miranda7
17.03.2010 11:04
Gute Initiative!

Ich denke, mehr brauche ich gar nicht zu sagen, der Titel meines Postings reicht schon, um mir etwa 7 rote Stricherl einzuheimsen. Wird allerdings etwas dauern, weil ja auch mehrere Rotstricherl-Nicks dabei zum Einsatz kommen. :-))

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 11:37
;o)

vor den 70ern war physische gewalt legitimes mittel, um frauen, kinder, etc. mundtot zu machen, heute sind's halt die rotstricherl... einfach ignorieren. soweit sind wir heute schon, dass zumindest das möglich geworden ist ;o)

Der Geist der Ahnung
 
17.03.2010 13:10
Physische Gewalt (noch dazu gegen Schwächere) ~ Rotstricherl?

Hirnfreier Vergleich.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 13:58
einlesen in themen hilft des öfteren

am besten beginnend bei physische, psychische, symbolische, strukturelle... gewalt, analytisch gezogene abgrenzungen und gegenseitige bedingungen...
es gibt einen haufen brauchbarer arbeiten dazu...

Der Geist der Ahnung
 
17.03.2010 14:39

Rot zugestrichelt zu werden (was miranda7 entgegen ihrer Befürchtung eh nicht passiert ist – dzt 1x rot) mit körperlicher Gewalt gegen Schwächere zu vergleichen, ist und bleibt mE jenseitig, auch wenn andere Gewaltdefinitionen mitgedacht werden.

Und: Wenn das Hirnschnapsen über 'symbolische', 'strukturelle' etc Gewalt dann so entsetzliche Gewalttätigkeiten wie fehlende Binnen-Is, Diätartikel in irgendwelchen Frauenblatteln oder die leicht schräge Kopfhaltung einer Frau auf einem Werbeplakat (Unterwürfigkeit!) ans Tageslicht bringt, dann spricht dies allenfalls dafür, diese Gewaltdefinitionen zu überdenken.

miranda7
18.03.2010 10:46

Glauben Sie ernsthaft, ich fürchte mich vor roten Stricherln? :-)
Es war zu erwarten und wiederum auch nicht, nachdem es offen angesprochen wurde.

Es geht in erster Linie um eine Grundhaltung in Hinblick auf gegenseitigen Respekt und Empathiefähigkeit. Wenn Sie etwa den Ausdruck "Hirnschnapsen" verwenden, zeigt das, wie wenig Respekt Sie zB dem Wunsch nach einer aus meiner Sicht ausgewogenen Sprachverwendung entgegenbringen. Sie machen sich lustig darüber, das zeigt Ihre Grundhaltung zum Thema Gleichberechtigung.

Wie weit etwa verbale Gewalt als Gewalt bezeichnet werden kann, ist eine Definitionsfrage. Im Strafrecht sind etwa verbale Drohungen durchaus Thema.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 15:13

die rotstricherl sind vorrangig deshalb ausgeblieben, weil das eine bestätigung der aussage von miranda7 bedeutet hätte, also ein ihr "recht geben", was ja von manchen hier verhindert werden soll, und da sind wir u.a. wieder im bereich des symbolischen...
die art und weise, wie sie zwar in der hier verlangten kürze, aber dennoch, über gewalt sprechen, zeigt, dass sie sich nicht intensiver mit dem thema beschäftigt haben bzw. insofern sich nicht damit auseinandergesetzt haben, als ihre beispiele nuancen der ergebnisse von hierarchisierenden strukturen darstellen, ich habe den eindruck, dass ihnen das nicht auffällt, sonst wäre ihre argumentation eine tatsächlich argumentierende. so ist es nur ein: ich stell mich gegen etwas, ohne begründung.

Der Geist der Ahnung
 
17.03.2010 16:23
Zweite Antwort, damit es klarer wird, was ich mit meiner ersten meinte (hoffe dass diese noch erscheint):

Ich habe schon von feministischen Sprachwissenschaftlerinnen gelesen, die nicht gegendertes Deutsch als – wörtlich – 'sprachliche Vergewaltigung' der Frauen bezeichnen. Andererseits wurde auf dieser Seite Niki Lauda dafür kritisiert, dass er Männer nicht für Hausarbeit 'vergewaltigt' sehen möchte. Wer den Begriff im ersten Fall für angemessen hält, macht sich mE höchst angreifbar, wenn er ihn andererseits im zweiten Fall kritisiert.

Ich möchte ihn in beiden Fällen nicht angewandt wissen.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 18:00

wenn sie den kontext ausblenden, dann entkommen sie einer hier vorhandenen argumentationslogik nicht.
sprache wurde historisch gesehen wie aktuell weiterargumentiert als machtinstrument angesehen, das gewalt letztendlich legitimiert, wenn sie gewalt nicht einsetzen wollen, dann nehmen sie zb ausbeutung, unterdrückung, etc.
was die vergewaltigungsaussage laudas betrifft, so liegt die kritik darin, dass mit vergewaltigung herkömmlich ein gewaltakt beschrieben wird, der in diesem fall nicht passt, das thema vergewaltigung verharmlost.

Der Geist der Ahnung
 
17.03.2010 16:03
OK, wenn Pipifax wie die obigen Beispiele 'Nuancen der Ergebnisse von hierarchisierenden Strukturen'

und somit nach Ihrer Definition Symptome einer 'strukturellen' 'Gewalt' oÄ sind, dann sind so gut wie alle Menschen 'Gewaltopfer' (außer vielleicht Putin und die saudischen Könige). Spezifischen gesellschaftl Erwartungshaltungen ist jeder Mensch ausgesetzt (Frauen zB hinsichtl der Arbeit an ihrem Aussehen, Männer zB durch den – lt Studien auch weiblichen – Druck auf sie, beruflich bloß keine Versager zu sein). Wenn wir jedes Fuzzerl von gesellschaftl Norm oder Erwartungshaltung, das auf den Einzelnen wirkt, als gewalttätigen Zwang bzw 'Gewalt' begreifen, wird der Begriff der Gewalt zur Nullnummer. FGM an Mädchen oder die Versklavung von Buben als Kindersoldaten sind Gewalt, die Ohrfeige für die Ehefrau auch, die neue Krautsuppendiät nicht!

Berta von Hinnen heller von Sinnen
17.03.2010 17:56

die thematisierung des inflationär werdens des begriffs gewalt ist nichts neues, das heißt aber nicht, dass er nicht weiter verwendet werden kann und wird um gesellschaftliche schieflagen in ihrer dramatik, die sie für viele bedeuten, nicht nachzeichnen könnten...
was sie hier als gewaltbeispiele anführen, sind kombinationen aus physischer, symbolischer und struktureller gewalt, oder als solche bewusst so benannt worden...
die jeweiligen unterscheidungen bzw. ihr zusammenspiel wird dafür genutzt, um die eingangs erwähnten gesellschaftlichen schieflagen inklusive ihrer effekte zu thematisieren

evolution hunter
 
15.03.2010 23:07

Diese Form der "Förderung" ist so dermaßen heuchlerisch. Welche Frauen werden etwa durch Aufsichtsratsquoten oder generell Quoten für die höhere Führungsebene gefördert? Eben jene, die ohnehin privilegiert sind und Karriere gemacht haben, denn "frau" muss schon in entsprechender Position tätig sein, um hier überhaupt in Frage zu kommen. Als Putzfrau wird ja wohl niemand direkt in den Vorstand gewählt. Die weit überwiegende Mehrheit beider Geschlechter kommt Zeit ihres Arbeitslebens niemals auch nur in die Nähe solcher Posten. Wem ist damit also geholfen? Den vielen Frauen im Niedriglohnsektor wohl kaum, auch nicht den vielen Alleinerziehenden, die bewundernswerte Arbeit vollbringen. Kinderlose Egoistinnen aber werden unterstützt. Danke SPÖ!

miranda7
19.03.2010 12:08
"Kinderlose Egoistinnen aber werden unterstützt."

Hauptsache keine Frauen in die Führungsebene, gell? Da spielt man am besten die Frauen gegeneinander aus, indem man so tut, als würde man den Alleinerzieherinnen, Putzfrauen etc. etwas wegnehmen, wenn man Frauen, die für Führungsaufgaben kompetent sind, fördert. Das eine schließt das andere nicht aus. Frauen, die noch kinderlos sind oder aber überhaupt kinderlos bleiben (wollen), als Egoistinnen abzustempeln, ist der nächste Versuch, die einen gegen die anderen auszuspielen. Alles schon gehört und gelesen, Sie brauchen sich nicht weiter zu bemühen.

Es ist erbärmlich.

Queen of Sheba
 
15.03.2010 22:27
"Antwort auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten" - Frauen sind billiger !

auchnixzusagen
15.03.2010 18:46

Ein kluger Schritt, der sich in ein paar Jahren auszahlen wird. Wer die Studien zum Arbeitsmarkt der Zukunft gelesen hat, weiß, dass er nicht mehr auf Frauen verzichten kann. Und bei dieser Quote geht es wohl darum, noch immer bestehende männliche Führungsstrukturen aufzubrechen.

Schrumpfschlauch
15.03.2010 19:18
Wieso klug? Funktioniert ja alles perfekt.

Die teuren Quotentanten mitzuschleppen wird die Wirtschaft einiges kosten. Dann kommen die Steuererhöhungen.

miranda7
19.03.2010 12:10
:-)

..."funktioniert ja alles perfekt."

no comment

Jack Flash
15.03.2010 18:46
die rache der Männer ....

an den Frauen für die Emanzipation nennt sich Frauenquote ....

Herb Kindas
15.03.2010 17:43
Geschlechterquote?


Die ist doch zutiefst 6istisch...ist der Mann grüner Parteigänger?

heiko_s
15.03.2010 18:59
Scheinheilig

der spitzt wahrscheinlich auf weibliche KundINNEN

PS: Wann kommt das Bundesheer endlich drauf, dass wenn man den Frauenanteil erhöht sich die "Feuerkraft" erhöht.

. g.bac
15.03.2010 17:02
wichtiger als eine "frauen"-quote wäre eine

genderquote um ggf anschliessend nicht diskutieren zu müssen, das wenn frauen (massiv) in der mehrheit sind, es zwar eine mindest-frauen-quote aber keine höchstquote geben muss.

abgesehen davon würde das schmuddelimage abgelegt, dass frauen es ohnehin zu nix bringen und es nur dank der quoten zu was brächten.

genderneutral und schon gibts keine neiddebatte weil sich jeder gleich darauf berufen kann.

Nephthys
15.03.2010 17:38
Entschuldigung...

...es geht hier um eine Quote von 30 (!!!) Prozent. Wenn alle Männer solche Neidhammeln wären (was sie nicht sind), dass man nicht einmal weniger als ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzen darf, dann will ich mich dazu nicht mehr äußern. Wie würden Sie sich denn eine solche "Obergrenze" oder "Frauen-Höchst-Quote" vorstellen? 35 Prozent? 40 Prozent?

. g.bac
15.03.2010 23:34
was hat eine geschlechtsneutrale quote mit einem neidhammel zu tun?


oder ist gleiches recht für alle für sie schon eine form der diskriminierung?

genderquote, wenn ein geschlecht mehr als 60-70% hat muss automatisch das andere gefördert werden. völlig wertfrei völlig neutral.

aber wenn das für die frau von heute schon ein gemeiner rückschlag ist, dann frag ich mich, wer da der neidhammel ist.

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