Soziologie

Die Strategien der Männer

23. März 2010, 18:23
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    foto: p. spiola

    Ulrike Prattes bekam einen Possanner-Förderpreis.

Die Anthropologin Ulrike Prattes betreibt feministische Männlichkeitsforschung

Augenverdrehen und Naserümpfen - diese Reaktionen sind Ulrike Prattes immer wieder aufgefallen, wenn in ihrem Freundeskreis das Wort "Feminismus" fiel. "Auch bei Männern, denen man das nicht zutrauen würde", fügt die 28-jährige Sozialwissenschafterin hinzu.

Darum, und weil sie sich schon länger für das eher wenig beackerte Feld der Männlichkeitsforschung interessierte, wollte sie genauer wissen, was junge Männer über die Frauenbewegung denken. Ihre Diplomarbeit am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie mit dem Titel "Junge Männer und Feminismus. Ein sozialanthropologischer Blick auf Männlichkeitskonstruktionen im Kontext Österreichs" wurde kürzlich mit dem Gabriele-Possanner-Förderpreis des Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet, der Leistungen auf dem Gebiet der Geschlechterdemokratie würdigt.

Das Preisgeld von 3000 Euro konnte Ulrike Prattes jedenfalls gut gebrauchen. Weil wissenschaftliche Stellen hierzulande "sehr dünn gesät sind", muss sie sich derzeit mit einem Teilzeit-Job als Verkäuferin in einem Schokoladengeschäft durchschlagen. Daneben sei der Preis natürlich auch eine willkommene Anerkennung für die Diplomarbeit, der sie sich zwei Jahre lang widmete.

Darin führte sie feministische Anthropologie mit "Masculinity Studies" zusammen und untersuchte "die Bedeutung der Positionierung zum Feminismus für die Konstruktion von Männlichkeiten". Dazu führte sie drei Gruppendiskussionen mit männlichen Akademikern im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 durch, um aus den Meinungen und der Dynamik der Gespräche ihre Schlüsse zu ziehen.

"In der ersten Gruppe, die nur aus Männern bestand, war das Gesprächsklima sehr kompetitiv, es wurde viel gestritten und unterbrochen", schildert Prattes. "In der dritten, gemischtgeschlechtlichen Gruppe war die Atmosphäre erstaunlich entspannt, sodass die Diskussion inhaltlich viel weiter ging." Während die reine Männergruppe bis zum Schluss uneins über die Unterdrückung von Frauen gewesen sei, habe die gemischte darüber geredet, was einen profeministischen Mann ausmache. In der zweiten Gruppe, in der Frauen nur für Technik und Protokoll anwesend waren, habe sich gezeigt, dass den Männern viel daran lag, ein aufgeklärtes Selbstbild hervor zu streichen.

Aus den Gesprächen arbeitete Prattes schließlich Strategien heraus: Von machtkonservierender Verleugnung von Geschlechter-ungerechtigkeit bis hin zu elaborierten Strategien, die feministische Argumentationen verwenden, ohne jedoch an der Geschlechterhierarchie rütteln zu wollen. "Diese Strategien gelten aber auch für Frauen", betont Prattes. "Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist feministisches Engagement absolut in der Minderheit", bedauert sie. "Und es ist meistens nicht hoch angesehen."

Zu den erfreulichen Ergebnissen gehört für Prattes, dass es sie gibt, die profeministischen Männer - und zwar "nicht nur, weil sie solidarisch mit Frauen sind, sondern weil sie sich nicht wohlfühlen in einer Männergesellschaft". Jetzt hofft Ulrike Prattes, die in einem kleinen Ort in der Steiermark geboren ist, bald eine wissenschaftliche Stelle zu finden, um ihren Nebenjob als Schoko-Verkäuferin aufgeben und an ihrer Dissertation arbeiten zu können - gern auch im Ausland. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe 24.03.2010)

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Posting 1 bis 25 von 117
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Araschmarrn
00
24.3.2010, 16:41

Ich entnehme der Studie in erster Linie, dass viele Leute offenbar dazu neigen, ihre persönliche Meinung ihrem Gesprächsumfeld anzupassen. Heißt das jetzt, ob ein Mann/eine Frau feministisch engagiert ist, hängt davon ab, mit wem er/sie gerade redet?

asta nielsen
00
25.3.2010, 09:34
Heißt das jetzt, ob ein Mann/eine Frau feministisch engagiert ist, hängt davon ab, mit wem er/sie gerade redet?

Ja, das heisst es. Ist ein uralter Hut, es gibt zig Studien und Untersuchungen dazu. Hat auch nichts mit Feminismus zu tun, das ist bei jedem Thema, das behandelt wird der Fall. Reine Frauengruppen sprechen anders als reine Männergruppen, in gemischten Gruppen äussern sich Frauen und Männer anders, als wenn sie unter sich sind. Ist bereits bei Kindergruppen so. Extrem wird es dann in der Pubertät, wenn es mit dem Balzverhalten losgeht.

knurrhoernchen
00
26.3.2010, 12:42
Ganz extrem wird es

wenn alte Hängerpartien vor ihren Gruft-Kumpels angeben, was für tolle Hechte sie nicht sind.
Da entwickelt sich eine ganz eigene Sprache, die unter Männern unheimlich gut ankommt und das Wir-sind-Wahnsinns-Eierbären-Gefühl innerhalb der Oidmauna-Gruppen stärkt. Gleichzeitig verjagt die Sprache jede Frau, damit nichts bewiesen werden muss :)

Araschmarrn
02
25.3.2010, 11:02

So hätte ich das auch verstanden. Was also will uns diese Studie jetzt genau mitteilen? Über feministische Einstellungen sagt sie ja genau nichts aus.

Mustek
613
24.3.2010, 15:35

Studiert was, dass niemand braucht, findet daher keinen Job, arbeitet in einem Schokogeschäft und in 5 Jahren regt sie sich über die Gehaltsunterschiede auf.....

knurrhoernchen
11
26.3.2010, 12:54
Ein Kumpel von mir ist Tierarzt

und arbeitet jetzt in einem Möbelhaus. Seinen Job als Tierarzt hat er aufgegeben, weil er lieber einen geregelten Alltag hat, als das Geld.

Jedesmal wenn ich zu meinem Zahnarzt gehe, denke ich mir: "Du armer Mensch hast nur dein Aushilfspiepserl zum Murmeln und die restlichen Menschen hassen dich!"

Dann läuft mir wieder mein gstudierter Technikerkumpel über den Weg, der seine Verantwortung 7x24 Stunden auf seinen Schultern trägt und dem es bei jedem Biertscherl sein Magerl verrenkt.

Mädels studiert einfach wofür ihr euch interessiert!
Ich denke, dass der Job im Umgang mit KundInnen für eine Anthropologin schon einigen Studienwert haben könnte.
Das ist wie im Zoo: Beobachten die Menschen die Affen oder die Affen die Menschen?

Naschgul
01
26.3.2010, 13:25

Gut gebrüllt. Klar sollte man sich gut überlegen, welches Fach man wählt und bei überlaufenen Fächern sollte man sich auch im Klaren darüber sein, dass es schwierig werden könnte, nach dem Abschluss einen Job zu finden. Aber es bringt doch auch nichts, etwas zu studieren, das zwar gefragt ist, einen selbst aber null interessiert und wofür man auch keinerlei Begabung hat. Das ist Zeitverschwendung.

Weil ich es mir wert bin - 39.90
04
25.3.2010, 12:10
Und über die Diskriminierung dicker Frauen.

Shiraneko
03
24.3.2010, 18:30
Perfekt auf den Punkt gebracht.

Ich hätte es nicht besser sagen können.

Centaurea Anima
00
24.3.2010, 17:14

Was wäre deiner Meinung nach brauchbarer?

derEismann
04
25.3.2010, 07:53

Wahrscheinlich so ziemlich alles. Aber es würde ja schon reichen, wenn sie etwas studieren würde, wo es am Arbeitsmarkt einen Mangel gibt.

Naschgul
10
26.3.2010, 13:26

Und warum sollte man was studieren, was zwar gefragt ist, einen selbst aber nicht interessiert und wofür man womöglich nicht mal Talent hat? Ist doch Zeitverschwendung, jemanden durch ein Technikstudium zu schleifen, der/die keine Begabung dafür hat. Außerdem werden so doch auch Leute, die sich für ein Studium interessieren, von Nicht-Begabten um einen Studienplatz gebracht. Das kann's doch auch nicht sein.

derEismann
00

Ich hatte auch die Wahl und habe mich für den schwereren Weg entschieden (also mich hätte Psychologie schon sehr interessiert).

Dann hab ich mich mit einen hohen Anteil an Nebenjobs durch mein Technikstudium gearbeitet und hab halt 2-3 Jahre länger studiert als auf der GeWi.

Naja, ich hätte es mir halt auch leicht machen können, wollte aber mein Schicksal selber in die Hand nehmen. Das fehlt meiner Meinung nach viel zu oft in Österreich.

AlBundyFan
 
01
26.3.2010, 14:53
du hast in allem recht

aber dann darf man sich halt auch hinterher auch nicht beschweren, wenn man weniger verdient als jemand, der ein am arbeitsmarkt gefragtes studium absolviert hat.

aber das gehalt dieser dame geht dann ja einfach als teil in die statistik ein, der dazu führt, daß die schlagzeile "frauen verdienen 25% weniger als männer" hier in diestandard.at immer noch steht.

pauljoe
10
25.3.2010, 11:49

richtig. leider gibts am arbeitsmarkt weniger platz für sozial- oder kulturanthropologen. sind nämlich interessante fächer.

girls play dirty
00
25.3.2010, 12:35
Spricht ja nix dagegen, wenn man das interessant findet.


Aber arbeiten geht man in erster Linie, um Geld zu verdienen. Hobbys kann man in der Freizeit nachgehen.

Naschgul
01
26.3.2010, 13:30

An sich ja. Aber wenn jemand mit Ach und Krach ein Studium schafft, dass ihn nicht interessiert und dann noch einen Job annimmt, der ihn nicht interessiert - wie gut kann so ein Mensch in diesem Job schon sein bzw. werden? Wenn man etwas ungern tut, macht man es auch nicht unbedingt gut, dann kommt's zu Jobfrust und "Hätte ich doch"-Szenarien etc. Auch nicht ideal.

girls play dirty
11
26.3.2010, 19:35
Gute Idee. Was halten Sie davon.


Ab heute studieren wir alle Philosophie, setzen uns zusammen und philosophieren darüber, wer produktiv arbeiten wird oder wer den Dreck wegräumt. ;-)

Und jeder verdient dabei 3000/Monat. Das wär doch was.

pauljoe
00
25.3.2010, 13:07

leidenschaft (also: hobby) und arbeit (also: verdienen) muss kein widerspruch sein.

optimal ist ja eine zum beruf gewordene leidenschaft, oder, ein hobby, das genug einbringt, wenn sie so wollen

girls play dirty
00
25.3.2010, 13:25
Es müssen die Arbeiten gemacht werden, die notwendig sind.


Sonst werden wir wohl zu wenig HobbykloputzerInnen und zu viele PooltesterInnen.

Wenn manche ihr Hobby zum Beruf machen können, schön für sie.

Eine Garantie dass jede/r das optimale für sich selbst bekommt/erreichen kann, gibts nicht.

Damit sollte man leben können.

pauljoe
00
25.3.2010, 13:37

schön für uns alle. wie gesagt, ich glaube dass eine ökonomie mit minimalem widerspruch der beiden diskutierten aspekte, aber relativ dazu maximalem nutzen für die gesellschaft möglich ist.

wohin kämen wir letztlich, wenn jedes 'no we can't' ein unüberwindbares hindernis darstellt?
eine mögliche antwort: dahin, wo wir jetzt sind.

girls play dirty
00
25.3.2010, 14:17
Und glauben ist etwas, dass man eher in der Kirche macht.

girls play dirty
00
25.3.2010, 14:15
Ob das für die Klofrau oder den Kanalräumer so schön ist

kann ich nicht sagen. Ich bin es niemanden neidig, wenn ihm sein Beruf Spass macht.

Wenn ich mit meiner Arbeit dann aber noch ein Heer an Sozial- oder Kulturanthropologen mit versorgen muss, weil die von ihrem Hobby nicht leben können, finde ich das weniger schön.

Epistemologische Relativitaetstheorie
11
24.3.2010, 16:25
sic

Kapitalismus Luege
45
24.3.2010, 14:12
Ich will keine Schokolade, gebt mir lieber einen Mann


über den ich in der Diss
weiterschreiben kann!

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