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Elfriede Hammerl: Alles falsch gemacht, Kolumnen, Deuticke Verlag, EUR 18,40
Frauen in der Arbeitswelt, Frauen als Mütter, als Konkurrentinnen (siehe Kolumne "Knackig vergeht"), als Liebende oder als "Quotenfrauen". Elfriede Hammerl beschäftigt sich in ihren Kolumnen mit Themen und Lebenssituationen, die weder an der politisch aktiven Feministin, noch an der treuen Woman-Leserin vorbeigehen. "Nach wie vor verdienen Frauen weniger, kommen schwerer in Führungspositionen, kümmern sich im Alleingang um Kinder und Alte, machen die unbezahlte (Haus-)Arbeit und haben einen wenig gesicherten Lebensabend", das sind die Kernthemen, wie sie Hammerl selbst in einer Kolumne umreißt. Klassiker sozusagen, von denen unabhängig, ob durch das eigene Leben, massenmediale Vermittlung oder intensive Auseinandersetzung mit feministischen Themen samt Theorie alle Frauen betroffen sein können. Zumindest früher oder später, mehr oder weniger.
Diese beiden Einschränkungen ziehen sich allerdings durch sehr viele Kolumnen aus "Alles falsch gemacht". Immer wieder verweist Hammerl auf die (vorübergehende) Blindheit hinsichtlich frauenpolitischer Notwendigkeiten von jungen Frauen oder "Töchtern einigermaßen wohlhabender Eltern". An Solidarität mangelt es also keineswegs nur von männlicher Seite. Und nicht genug, dass sich so viele naserümpfend von möglichen Befreiungsschlägen in Sachen Geschlechterrollen abwenden, Hammerl weiß auch von ausgewachsenen Wahrnehmungsstörungen zu berichten. So stoße man sich ständig an der Forderung nach gleichberechtigter Repräsentanz von Frauen in wichtigen politischen und wirtschaftlichen Positionen und schimpfe sie "übertrieben" und "Zwang", anscheinend in dem Bewusstsein, dass jegliche Maßnahmen gegen Diskriminierung von Frauen in Zeiten wie diesen überflüssig sei. Und dort, wo es nicht nur Einbildung ist, dass Frauen zu Genüge vertreten sind, wie im Erziehungsbereich, werden als Folgen der Frauen-Überzahl für unsere Söhne "Identitätskrisen, Depressionen, Suizidgefahr" prognostiziert, schreibt Hammerl. Na vielen Dank, liebe Mütter, Omas, Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen.
"Bitter" und "böse"?
Als "bitterböser Lesegenuss" wird die Kolumnensammlung auf der Rückseite des Buches von dem Frauenmagazin "Brigitte" beworben. Analysen und Kommentare von Feministinnen als "bitter" oder "böse" zu betiteln hat Tradition. So wird der Schreiberin übertriebene Emotionalität unterstellt und der Inhalt ist folglich nicht rational. "Bitterböser Lesegenuss" ist also ein denkbar unpassendes Zitat, um ein Buch mit dezidert feministischem Inhalt schmackhaft zu machen. Auch der "Lesegenuss" will angesichts der beschriebenen Probleme nicht so recht passen. Vielmehr führen die Kolumnen eine zermürbende, zaghafte Entwicklung vor Augen, die sich nur mit größten Einschränkungen als solche bezeichnen lassen kann. Ein Schritt nach vorn, fünf zurück und dann kommt die nächste Generation und der Tanz beginnt von vorne. Die Lektüre macht also nicht unbedingt gute Stimmung - soll sie wahrscheinlich auch nicht. Vielmehr rückt sie unangenehme Tatsachen als solche ins Bild und liefert Argumente gegen versteckte Biologismen oder den Protest gegen die sogenannte "Gleichmacherei".
Konsequent
Elfriede Hammerls Kolumnen changieren zwischen einem kämpferischen, resignierten und einem analytischen Tonfall und beschäftigten sich vorwiegend mit der Lebensrealität von heterosexuellen Frauen, für die beruflicher Erfolg wichtig ist, die heiraten und die Kinder haben (wollen). Für alle anderen gibt es aber auch noch Beobachtungen zu modetechnischen Zwängen oder geschlechtsspezifischen Attribuierungen, universelle Schwierigkeiten für Frauen sozusagen.
"Alles falsch gemacht" führt außerdem vor Augen, wie wenig feministische Stimmen es in Österreich gibt, die abseits von Spezialdiskursen die Entwicklungen in Sachen Gleichberechtigung, Feminismus und nicht zuletzt auch Misogynie konsequent beobachten. Während Letzteres vom Boulevard selbst fleißig transportiert wird und Qualitätszeitschriften sich mit Verweis auf die ohnehin Anti-Sexistische Haltung von explizit feministischen Inhalten distanzieren, gibt es hier eine Lücke, die Elfriede Hammerl hoffentlich noch lange füllen hilft. (dieStandard.at, 31.3.2010)
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Die Zukunft sieht leider anders aus.
In orf.at kann man heute lesen:
"Abschied vom alten Rollenmodell
Bisher kamen republikanische Politikerinnen eher aus wohlhabenden Familien, waren zumeist kinderlos und schon über 60, hoch gebildet, in Steuerfragen konservativ, dafür gesellschaftspolitisch vergleichsweise liberal.
Die neue Generation der "Mini-Palins" sieht ganz anders aus: Die Frauen stammen aus der Mittelschicht, sind deutlich jünger, telegen und gutaussehend, aber streng religiös und ultrakonservativ vor allem in ihrer Einstellung zu Abtreibung und Homosexuellenehe."
Woran das wohl liegen mag?
Ob Frau Hammerl wohl einmal auch dazu etwas einfallen wird?
seitdem profil bei der newsgroup dabei ist, bin ich profil als leserin abhanden gekommen, krieg ich doch eines in die hände, schau ich gleich, ob hammerl in dem exemplar einen beitrag geschrieben hat ;o)
analytisch feines geschreibe, dennoch wäre wünschenswert, und auch fein, dass das angesprochen wurde, sie schreibt ausschließlich für heteras, und für westliche frauen...
aber alles in allem: oftmals lesegenuß!
hehe, da könnte sie aber dann nur für sich selbst schustern, wenn die repräsentation von andren gar nicht ginge, wie problematisch die auch immer ist, und damit hätten wir individualisierung in reinkultur, die ja auch ein hetera-weiß-feminismus nicht betreibt ;o)
*lach* So einfach ist es leider nicht. Zumindest mir geht es so: Wenn ich offiziell Artikel für "die Öffentlichkeit" schreibe, dann schlüpfe ich in die Haut des Themas. Ich zieh sie mir über. Dann klappt es auch, die Texte werden angenommen.
Wenn ich ihre Texte lese, dann empfinde ich, dass sie im Thema drin sitzt, auch wenn sie nicht persönlich betroffen ist, eigentlich die Beobachterin ist. Es ist ein Spagat im Schreiben, der für viele die es tun, genau der Kick ist, der …
Mich haben Lesben gelehrt, dass es ein anderer Blickwinkel im Leben ist, Lesbe zu sein. Als Hete in diese Themenhaut zu schlüpfen um darüber zu schreiben - ich kann es nicht. Möglicherweise kann es die Hammerl, aber ihr werden die Heten-Themen nicht ausgehen!
;o) "die haut des themas" wird ja auch vom kontext bestimmt, also eine haut des themas existiert zu einem bestimmten zeitpunkt und was der inhalt ist wird auch diskursiv schon mal ausgehandelt, bevor eine dazu kommt, ein thema zu schreiben. was aber auch heißt, dass, was für ein thema relevant ist, wie der inhalt aussieht, einem permanenten wandeln unterworfen ist.
ich glaub schon, dass wir lernen können auch über andre so zu schreiben, sodaß wir deren blickwinkel angemessen vertreten können, auch wenn noch viel zu lernen ist, aber zb die kritik von schwarzen am weißen feminismus im us kontext hat auch dort schon ordentlich verändert und das geht nur, wenn auch weiße frauen berücksichtigen, was schwarze schreiben, vereinfacht ausgedrückt
In einem langen Text, ab Essay, durchaus ja. Da hat man Zeit sich damit auseinander zu setzen.
Für Kolumnenbetrieb zum Termin ... stelle ich mir schwierig vor. Kolumnen sind ein schnelles Medium.
Wenn du daran interessiert bist, dann kontaktiere sie doch einfach! Einen Versuch ist es wert :)
wie lemminge laufen ihnen ihre fans nach und kein profil vergeht ohne eine lobeshymne von leserbrief an sie! bemerkenswert wie sie ihre leserschaft mobilisieren. ich glaube sie treffen (verkörpern) das frauenbild vieler und treffen in anderen bereichen noch den nerv der pseudointellektuellen... dazu kann man nur gratulieren!
dass sie 99% der sachverhalte nicht verstehen und sie logisch falsch argumentieren steht auf einem anderen blatt...
...nicht so wichtig....BRAVO!
Aus Ihrem Posting schließe ich, dass Sie denken, 100 % der Sachverhalte zu verstehen und daher in der Lage zu sein, zu beurteilen, dass Frau Hammerl angeblich 99% davon nicht versteht. Sie scheinen ja als Intellektueller (im Gegensatz zu den von Ihnen als "Pseudointellektuelle" Bezeichneten) in Ihrem Selbstbild die Fähigkeit des "logisch richtigen Argumentierens" stark verankert zu haben. Lassen Sie uns Ihre Argumentationen kosten, scheint ja - wenn Ihr Selbstbild zutrifft - eine echte Bereicherung zu sein. ;-)
objektivität ist ein wahrheitsdiskurs, so etwas wie objektivität gibt es nicht, einfach nachlesen: zb die philosophie arbeitet sich an diesem thema seit jahrhunderten ab...
dann unqualifiziert einfach irgendwelche wörter hinzuschmeißen, von denen nicht gewusst wird, was sie eigentlich in größerem rahmen bedeuten ist einfach nochmal: unqualifiziert...
Sowas wie Objetivität gibt es nicht. Wenn sie dann ihre Meinung, aus reiner Frauensichtweise, von sich gibt und jemand was anderes behauptet weiß sie von ausgewachsenen Wahrnehmungsstörungen zu berichten. ;-)
So kann man natürlich auch philosophieren. ;-)
aus welchem grund sollten sie annehmen, dass der objektivitäts diskurs, den ich angesprochen habe, ein feministischer ist, wenn da philosophisch steht und da steht, dass er über jahrhunderte geht?
wohl nur fadenscheinige polemik im unwissen...
"so etwas wie objektivität gibt es nicht"
Hier philosophieren Frauen, wie die Welt zu sein hätte und wenn Männer anderer Meinung sind, oder was anderes philosophieren, nennt frau das Wahrnehmungsstörungen.
Nach meiner Philosophie haben aber viele philosophierende Frauen anscheinend "Wahrnehmungsstörungen".
Ich habe ausserdem nur von "Frauensichtweise" und nicht "feministischer" geschrieben.
Wenn Frauen sich anmassen über oder von Männern objektiv zu diskutieren oder zu philosophieren, kommt ja genauso nur fadenscheinige Polemik im Unwissen... heraus. ;-)
Es ging auch gar nicht um ihre Meinung, Sie meinten unter anderem, sie verstehe 99% der Sachverhalte nicht und würde logisch falsch argumentieren. Könnten Sie ein Beispiel dafür nennen? Ich habe keine einzige Argumentation von Frau Hammerl in Erinnerung, die objektiv als logisch falsch zu betrachten wäre, vielleicht aber auch analysieren Sie ihre Kolumnen genauer als ich?
Ich bin seit Jahrzehnten ein Fan ihrer Kolumnen und bin heilfroh, dass es zumindest eine unermüdlich auf das - eigentlich, leider aber doch nicht - Offensichtliche hinweisende Autorin gibt, die uns immer wieder aufzeigt, wie's ausschaut.
Sich als Feministin zu bezeichnen ist in Ö inzwischen fast schon ein Schimpfwort, und ich bin stolz, mich als berufstätige Frau, Ehefrau, Mutter, Tochter und Freundin nach wie vor als solche zu bezeichnen.
Danke & weiter so, Frau Hammerl!
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