Politische Debatte

Europa ist uneins über die Burka

01. April 2010 18:53

Gehört der Ganzkörperschleier vollständig aus dem Straßenbild verbannt - oder nur aus öffentlichen Gebäuden? Frankreich steht vor wegweisendem Entscheid

Das Reizwort "Burka" geht in Europa seit Monaten um. Länder wie Österreich sehen noch keinen Handlungsbedarf. In Dänemark hält die konservative Regierung die Behörden, Schulleitungen und Firmen aber mit Nachdruck an, gegen den Ganzkörperschleier vorzugehen. Auf ein Gesetz verzichtet sie nur, weil JuristInnen ein vollständiges Verbot als verfassungswidrig einstufen.

Die Niederlande wollen den "Niqab"- wie die korrekte Bezeichnung lautet, während die Burka das afghanische Stoffgitter meint - aus Schulen und dem öffentlichen Dienst verweisen. In Italien dürfte der Wahlsieg der Lega Nord, die schon 2009 ein Burka-Verbot verlangt hatte, eine neue Gesetzesdebatte auslösen.

Belgien könnte bald noch weiter gehen. Diese Woche verabschiedete ein Parlamentsausschuss einen Vorschlag für ein vollständiges Schleierverbot selbst auf Straßen, in Parks oder Sportanlagen. Als Sanktionen winken Strafzahlungen. Die Abgeordnetenkammer muss erst noch abstimmen.

Sie wartet auf Frankreich, das als erstes großes EU-Land in den kommenden Wochen über ein Burka-Gesetz befinden wird. Der Entscheid dürfte eine ähnliche Signalwirkung haben wie 2004, als Frankreich bereits das islamische Kopftuch, das nur die Haare bedeckt, aus den öffentlichen Schulen verbannte.

Wie damals kritisieren Muslimverbände, ein Niqab-Verbot würde ihre Religionsgemeinschaft als Ganzes stigmatisieren. Islamisten drohen mit "Konsequenzen". LaizistInnen und Frauenrechtlerinnen drängen hingegen auf ein Verbot. Die große Frage ist, wie weit es gehen soll. Der französische Staatsrat hat diese Woche davor gewarnt, den Schleier gänzlich von der Straße zu verbannen: Dies verstoße womöglich gegen das Verfassungsgebot der individuellen (auch Bekleidungs-)Freiheit und würde wohl geklagt, prophezeit der Conseil d'Etat.

Teilverbot angedacht

Während Präsident Nicolas Sarkozy diesem Argument beipflichtet und nur ein Teilverbot wünscht, wollen zahlreiche ParlamentarierInnen auf der Rechten wie Linken ein komplettes Niqab-Verbot. Der Fraktionschef der Sarkozy-Partei UMP, Jean-François Copé, argumentiert, ein Teilverbot in Ämtern, Banken und ähnlichen Orten enthalte eine teilweise Zulassung an anderen Orten. Das widerspreche der Tradition einer Nation, die auf Menschen- und Frauenrechte Wert lege.

EinwanderungsexpertInnen meinen, im Unterschied zu 2004 seien nur ein paar hundert Frauen betroffen; deshalb hätte man besser ganz auf die Burka-Debatte verzichtet. Dafür ist es jetzt aber in Frankreich zu spät. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.4. 2010)

Kommentar posten
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Kuehlschrank .
 
05.04.2010 21:59

Abgesehen davon, dass man in einer keimfreien Umgebung wie dieser mit 750 Zeichen nicht weit kommt, scheint dieses Forum besonders strikt moderiert zu werden.

Damit hätte ich grundsätzlich kein Problem, allerdings ist es mühsam, dass die Postings teilweise Stunden benötigen, um freigeschalten zu werden. Mein Vorschlag - und hoffentlich erscheint dieses Posting etwas rascher - wäre ein Treffen bei dem man in Echtzeit diskutieren kann, anstatt auf freie Kapazitäten des Moderators hoffen zu müssen.

Sofern ein Treffen in Wien möglich ist, würde ich mich über eine Gelegenheit freuen von an kog, chien de pique und jeder und jedem anderen zu hören wie verbohrt ich bin.

Einen schönen Abend und einen guten Start in die neue Woche.

kapitän nemo
03.04.2010 12:48
die kleidung ist nicht das eigentliche problem, und auch eine frage der persönlichen freiheit

lassen wir einfach keine religiös verbohrten menschen mehr bei uns einwandern, und schützen wir die kinder, die in diesem land geboren werden vor religiöser indoktrinierung.
das heisst: keine taufe, keine beschneidung und auch sonst kein religöses bekenntnis für kinder die noch nicht selbst entscheiden können. kein konfessioneller, sondern allgemeiner überkonfessioneller unterricht über religion, ethik und philosophie. Erst mit der volljährigkeit kann sich dann jemand freiwillig für eine religion entscheiden (vermutlich gäbe s dann wesentlich weniger christen und muslime)
dann würde nach eingier zeit vermutlich kaum noch eine frau ein kopftuch oder gar einen schleier bei uns anlegen wollen

ecard
02.04.2010 15:23

Nachtrag:
falls es kein generellen Vermummungsverbot gegeben sollte, dann beschließt man eben eines.

Aber eben kein Burkaverbot, das wäre diskreminierden, sondern eben ein Vermummungsverbot, dass für alle Personen in diesem Land gilt. Und schon hat man auch keine Diskussion mehr.

zwergleviathan
15.04.2010 17:01
Es gibt bereits ein Vermummungsverbot

dies gilt für alle Teilnehmer von Demonstrationen

und das ist gut so sonst könnten sie auf einer Skipiste keine Sturmhaube tragen ohne verhaftet zu werden

aus diesem Grund fehlt mir der SINN in ihrem Vorschlag, die Konsequenz wäre nur ein Gesetz welches in kürzester Zeit aufgrund seiner Verfassungswidrigkeit wieder aufgehoben würde

und damit wird genau jenes Geld verballert von dem wir uns wünschen daß es für SINNVOLLE REGIERUNGSARBEIT draufgehen möge statt für Klopapiergesetze

ecard
02.04.2010 15:05

für mich ist die Sache ganz einfach:

Kopftuch ... vom Gesetzt her erlaubt
Burka ... verboten, da es gegen das Vermummungsverbot verstößt, also nur beim Faschingsumzug und zuhause zulässig

Religiöse Tradition darf nicht über dem Gesetz stehen.

Falls es christliche Traditionen geben sollte die über dem Gesetzt stehen auch abschaffen.

Markus H.
 
02.04.2010 21:49

"Burka ... verboten, da es gegen das Vermummungsverbot verstößt, also nur beim Faschingsumzug und zuhause zulässig"

Das derzeitige Vermummungsverbot gilt aber nur bei Demonstrationen.


Bei einen Generellen Verbot, was sie wohl meinen, wären auch Sturmhauben oder ein hochgezogener Schal + Haube verboten. Vollvisierhelme von Motorradfahrern könnten auch darunter fallen. Wollen sie das?

an kog
03.04.2010 09:40

"Vollvisierhelme von Motorradfahrern könnten auch darunter fallen."

Schönes Beispiel. Volvisierhelme werden zumeist sofort abgelegt, wenn man nicht mehr das Gesetz der Helmpflicht erfüllen muss und vom Motorrad steigt. Wie würden Sie sich eigentlich fühlen, wenn jemand mit einem geschlossenen Vollvisierhelm die Bank betritt in der sie gerade stehen?

Helme (und ab einer gewissen stärke der Maschine machen nur Vollvisierkelme Sinn) sind ein verpflichender Schutz des Kopfes und weder ein Kleidungsstück, das man im Büro tragen möchte , noch ein Ding das zu weinerlichen Reaktionen führt, wenn jemand sagt "wenn Sie nicht gerade Motorrad fahren, möchten wir hier keine geschlossenen Vollvisierhelme sehen".

Markus H.
 
03.04.2010 20:50

Die Absurdität mit denn Volvisierhelmen wäre ja beim Vermummungsverbot ja dann folgende:

Wenn Man mit dem Motorrad auf der Straße entlang fährt, so wäre man verpflichtet einen zu tragen.

Wenn man auf der Straße entlang geht, so wäre es verboten den Helm zu tragen. Auch werden ähnlich vermummende Helme auch teilweise beim Skifahren getragen, die würden dann auch draunter fallen ...

Und auch wenn mit Vollvisierhelm herumlaufen etwas absurd klingen mag. Mit Sturmhaube im Winter laufen wäre das selbe. Und ein derartiges formelles Verbot (auch wenn es nicht exikutiert würde und ich mich nicht dran halten würde) würde mir persönlich gewaltig am Keks gehen. Die Sturmhauben sind einfach irre praktisch beim winterlichen Radfahren!

an kog
03.04.2010 21:11

Darum sollte man auch endlich zugeben, dass man den tragbaren Frauenkäfig verbieten will, weil es hierzulande einfach niemand sehen will, dass Frauen in Säcke gehüllt werden.

Das wäre ehrlich und würde eine ehrliche Diskussion zulassen. Aber nachdem einige meinen "Frauen in Säcke hüllen" habe etwas mit Religionsfreiheit zu tun, verschiebt sich die Debatte.

Lächerlich wird es wenn nützliche Dinge "mitverboten" werden um das Verbot der sinnlosen und Frauen unterdrückenden Gesichtsverhüllung zu rechtfertigen.

Kuehlschrank .
 
03.04.2010 21:40

Und es sieht auch niemand, es sei denn man sucht mit der Lupe. Haben Sie noch ein paar Pseudo-Probleme, die Sie glauben mittels Regelungswut lösen zu müssen?

Ich stimme hingegen zu, dass es lächerlich wäre, wenn zum Beispiel Sturzhelme mitverboten werden würden. Schließlich sind Sie offenbar bereits oft genug ungeschützt gegen einen Baum gelaufen.

an kog
03.04.2010 22:07
Ah. Und schon wird die Diskussion ehrlicher, wie von mir vermutet und vorhergesagt.


Probleme dürfen auch angesprochen werden, wenn man sie "noch" mit der Lupe suchen muss.
Vielleicht ist ja gerade ein klarer Standpunkt im Vorhinein von Nutzen. Denn dann kann man wenigstens dem zu erwartenden Argument aus dem Weg gehen, dass man zuerst alle verschleierten im guten Glauben hier verschleiert herumlaufen zu dürfen hergelassen habe und dass man es darum nicht plötzlich verbieten dürfe...
Ich vermute zu so einer Argumentation könnten Sie sich sicherlich durchringen, wenn man das "Pseudo-Problem" dereinst nicht mehr mit der Lupe suchen müsste.

Das mit "gegen einen Baum gelaufen" werte ich freilich als Argumentationsnotstand und Hilflosigkeit Ihrerseits und nicht als Beleidigung.

Kuehlschrank .
 
05.04.2010 15:41

"Ich vermute zu so einer Argumentation könnten Sie sich sicherlich durchringen, wenn man das "Pseudo-Problem" dereinst nicht mehr mit der Lupe suchen müsste."

Wirklich schade dass wir das niemals herausfinden werden, da man Ihrer Meinung nach das Pseudo-Problem auch in Zukunft mit der Lupe suchen muss. Oder meinten Sie es bloß zu gut mit dem Konjunktiv?

an kog
05.04.2010 16:16

Zur Sache selbst haben Sie weiterhin nichts zu sagen.

Das wundert mich jetzt irgendwie nicht wirklich...

Kuehlschrank .
 
05.04.2010 16:52
Heißt das, es könnte Sie später konkret wundern?

Wenn die Sache in der Frage besteht, ob ein Burka-Verbot der Förderung der Grundrechte zuträglich oder abträglich ist, dann besteht meine Meinung darin, dass es der Religionsfreiheit zuwiderläuft und der Gleichberechtigung der Frau nicht hilft.

Aber vielleicht geht es um etwas ganz anderes. 750 Zeichen + Überschrift bedingen zwar eine angenehme Kürze, lassen jedoch Raum für Mißverständnisse.

Kuehlschrank .
 
05.04.2010 15:23
an kog - Deutsch

an kog: Vielleicht ist ja gerade ein klarer Standpunkt im Vorhinein von Nutzen. Denn dann kann man wenigstens dem zu erwartenden Argument aus dem Weg gehen, dass man zuerst alle verschleierten im guten Glauben hier verschleiert herumlaufen zu dürfen hergelassen habe und dass man es darum nicht plötzlich verbieten dürfe...

Deutsch: Wenn man nur laut und überzeugt genug auf seinem Standpunkt beharrt, dann braucht es keinen Grund um loszuschlagen, sondern man kann gleich mit der Hexenjagd beginnen.

papa_ratzi
02.04.2010 10:19
Islamisten drohen mit "Konsequenzen". LaizistInnen und Frauenrechtlerinnen drängen hingegen auf ein Verbot.

..sollte das nicht IslamistInnen und FrauenrechtlerInnen heißen, oder solpert da jemand über seine p.c.?

sicklikejosef
 
02.04.2010 09:24
Bekleidungsvorschriften sind doch, was an islamischer Orthodoxie so stört

Wie machen dann neue Bekleidungsvorschriften bzw. Verbote Sinn?
Der Staat darf keine Vorschriften machen, wie sich seine Bürger anzuziehen haben. Kopftuchtragende Frauen werden von ganz allein diskriminiert, da braucht es kein Kopftuchverbot und die wenigen Ganzkörperschleier, die man auf der Straße sieht, werden uns auch nicht tangieren. Ein offizielles Verbot macht aus einem Unterdrückungsinstrumentr wie der Burka ein Symbol von Widerstand gegen Diskriminierung. Das kann doch nicht der Sinn der Sache sein.

Chien de Pique
02.04.2010 13:50
Der Staat darf selbstverständlich solche Vorschriften machen und macht es auch, regelmäßig.

Beispielsweise schreibt er seinen Beamten vielfach vor, was diese zu tragen haben (Polizisten zB), steckt Wehrpflichtige in Uniformen und bestimmt sogar deren Haartracht, kann Schuluniformen einführen, verbietet wiederum Privaten, amtliche Uniformen zu tragen, verbietet in der Regel den völligen Verzicht auf Kleidung, verbietet in einigen Staaten Kleidung mit NS-Symbolen und NS-Uniformen, kann Vermummungsverbote beschließen, situationsbezogen oder generell, kann per Sicherheits- und Hygieneauflagen bestimmte Kleidungsstücke vorschreiben/verbieten, kann Träger gefälschter Markenkleidung zur Verantwortung ziehen usw. usf.
Diese absolute Kleidungsfreiheit, mit der Sie argumentieren, ist eine phantastische Fiktion. Beim letzten Satz gebe ich Ih

spiralvoice
01.04.2010 22:38

Ich bin für ein europaweites Burkaverbot.

proto
02.04.2010 12:39

das symptom verbieten aber die ursache besteht

Kaputt Nick
 
02.04.2010 09:18
Ich für ein universelles Burkagebot!

b_tom
02.04.2010 13:09

Dann trifft Rudi Klein auch vom Zeichenstil her die Realität etwas mehr ;-)

http://derstandard.at/125431168... te=1&sap=2

667 one step ahead of the devil
01.04.2010 21:34

Wir müssen Selbstbewußt sein in Europa, unsere Kultur muß die Leitkultur bleiben. Nicht rassistisch!

Kuehlschrank .
 
03.04.2010 11:34

Unsere Kultur besteht im Nicht-Burka-Tragen? Oder doch im Recht auf freie Religionsausübung?

miranda7
02.04.2010 13:24
Warum?

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