Kein Pardon für Freier in Großbritannien

08. April 2010 18:44

Sex mit einer Prostituierten, die zu ihrer Tätigkeit gezwungen wird, ist im Vereinigten Königreich nach einem neuen Gesetz strafbar

Im Gewerbe selbst ist von einer Kriminalisierung der Zunft die Rede.

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Im Kampf gegen den Menschenhandel und die Kriminalität rund ums horizontale Gewerbe hat die britische Regierung die Gesetze verschärft. Seit Anfang des Monats steht bezahlter Sex mit "ausgebeuteten Personen" unter Strafe. Neben einer saftigen Geldbuße droht den Freiern ein Eintrag ins Strafregister. Unwissenheit über die persönlichen Umstände der Prostituierten soll nicht als Entschuldigung akzeptiert werden. Wer wissentlich Sex von einer "ausgebeuteten Person" kauft, riskiert in Zukunft eine Anklage wegen Vergewaltigung. Erste Festnahmen gab es bereits.

Die neue Gesetzeslage geht auf die Initiative der früheren Innenministerin Jacqui Smith sowie der Labour-Vizechefin Harriet Harman zurück. Sie sehen Prostituierte generell als Opfer, denen besser geholfen werden muss. "Wir können die Ausbeutung nicht bekämpfen, wenn wir nicht der Nachfrage Einhalt gebieten", argumentiert Smith. "Männer sollten es sich zweimal überlegen, ehe sie für Sex bezahlen." Wie bisher bleibt Prostitution selbst straffrei, Zuhälterei, der Betrieb eines Bordells und das Straßenstrich-Stehen hingegen wird bestraft und soll nun härter verfolgt werden.

Von der Opposition kommt vorsichtige Zustimmung. Allein in der Metropole London, so die Schätzung des konservativen Vize-Bürgermeisters Kit Malthouse, existieren 900 Bordelle. Regierungsangaben zufolge arbeiten 80 Prozent der rund 80.000 Prostituierten auf der Insel entweder für einen Zuhälter oder für organisierte MenschenhändlerInnen. Die Zahl an Ausländerinnen, die zur Prostitution gezwungen werden, steige. Rund 25.000 der "modernen Sklavinnen" gibt es laut Regierung in Großbritannien.
Soziologin Julia O'Connell Davidson hält das für eine "groteske" Überschätzung. Zwar seien Ausbeutung und Gewalt im Sexgewerbe zweifellos an der Tagesordnung, "aber nur bei einer Minderheit der Fälle geht es um erzwungene Prostitution."

Die englische Prostituiertengemeinschaft ECP hat sich vergeblich gegen die Pläne "religiöser und feministischer Fundamentalisten" gewehrt. ECP-Sprecherin Nikki Adams beklagt die Kriminalisierung ihrer Zunft: Schon bisher würden immer wieder "zwei Frauen, die völlig diskret und zu ihrer eigenen Sicherheit zusammenarbeiten, wegen Förderung der Prostitution angeklagt". Dabei arbeite "die Mehrheit" der Angehörigen des Gewerbes auf eigene Rechnung. Die Angaben der Regierung, wonach 80 Prozent der Prostituierten äußerem Zwang unterlägen, hält Adams für "frei erfunden". Die neuen Gesetze trieben Prostituierte in die Illegalität. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4. 2010)

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Sina7
26.04.2010 13:20
Ich habe meine Menschenwürde!!!

@b-tom: Genau meine Meinung..ich fühle mich dadurch, dass mir meine Menschenwürde abgesprochen wird äusserst beleidigt (ich bin ja eine dieser "benutzten Frauen") Der Kern der Menschenwürde ist die Respektierung der Handlungsfähigkeit. Wenn jemand Sex für Geld als entwürdigend empfindet so ist das ihre Sache, aber mir hat niemand vorzuschreiben wie ich mich dabei fühlen soll. "Menschenwürde" darf nicht missbraucht werden um Menschen vorzuschreiben, was sie mit ihrem Körper machen dürfen und was nicht.

Sina7
26.04.2010 13:14

Das Prostitutionsgesetz in Grossbritannien an sich finde ich gar nicht so schlecht. Das Problem ist nur wie “ausgebeutet” definiert wird und wie das Gesetz in der Realität zur Diskriminierung von Sexarbeiterinnen missbraucht wird. Frauen, welche zu ihrem Schutz gemeinsam arbeiten gelten als “ausgebeutet”, weil mehr als eine Frau in einem Appartment als Bordell gilt. Die Miteterin/Eigentümerin des Appartments gilt dann als Zuhälterin. Neulich wurde eine Sexarbeiterin verhaftet weil sie mit anderen zusammenarbeitet. Ein Polizeisquad brach bei ihr ein und beschlagnahmte ihr Geld und persönliche Gegenstände. Sollen die Befürworter dieses Gesetzes mal erklären, wie das irgendjemandem, ob tatsächlich ausgebeutet oder nicht, helfen soll.

stj911.org physics911.net
26.04.2010 11:44
"Unwissenheit über die persönlichen Umstände der Prostituierten soll nicht als Entschuldigung akzeptiert werden. Wer wissentlich Sex von einer "ausgebeuteten Person" kauft, riskiert in Zukunft eine Anklage wegen Vergewaltigung."

Was mir unverständlich ist: Warum wird nicht der Zuhälter, sondern der Freier belangt (noch dazu wegen Vergewaltigung)? Der Freier kann doch im Normalfall (außer es handelt sich um einen offensichtlichen Fall) weder wissen noch hat irgendeine Möglichkeit das herauszufinden. Der Zuhälter hingegen ist in vollem Wissen darüber und noch dazu ist ja auch er derjenige, der die Dame ausbeutet. Folgerichtig sollte dann auch der Zuhälter belangt werden, ggf. auch wegen Vergewaltigung.

Amy4
11.04.2010 14:54
frauenbenutzer sind in der pflicht frauen ihre menschenwürde zurückzugeben.

ohne die nachfrage, ohne die männl. kundschaft, sprich frauenbenutzer, gäbe es diesen gut florierenden wirtschaftszweig nicht - gäbe es keine zwangs/prostitution, keinen frauen-mädchen-handel, keine pornographie. die sexindustrie ist eine gesellschaftl. erscheinung d. patriarchats mit kapital. charakter - immobilienbesitzer, tourismus, gastronomie, menschenhändler, kriminelle sind die profiteure dieses menschenverachtenden industriezweiges. mit der phallus-ausstattung gestattet/e mann sich aus weibl. menschen sexmaschinen zu machen. dank d. männl. freier und befürworter wird dieser frauenveracht. industriezweig weiter ausgebaut, am leben erhalten, weibl.menschen als ware benutzt und bewusst ihre menschenwürde missbraucht.

b_tom
12.04.2010 13:34

Was Menschen unter Würde verstehen, und wodurch diese einem Menschen genommen werden kann, wird offensichtlich unterschiedlich wahrgenommen.

Ich behaupte, durch die Stigmatisierung, Illegalisierung, Verdrängung der Prostitution in dunkle Hinterhöfe und ins gesellschaftliche Out wird Prostituierten weit mehr Würde genommen, als durch den durschnittlichen Freier!

Die Nachfrage können sie gerne versuchen zu verbieten - sie wird dadurch nicht verschwinden!

Solange Männer Frauen begehren, werden Männer bereit sein Dinge zu tun um an Sex zu kommen - ob das nun durch investieren von Zeit, Gütern oder Bargeld erreicht wird, macht keinen Unterschied.

Und es wird Frauen geben, die die investierte Zeit, Güter oder Bargeld annehmen werden.

Moritz Untreu
11.04.2010 13:38
"... religiöser und feministischer Fundamentalisten"

Die Hurenvertreterinnen haben es echt auf den Punkt gebracht.

Religiöse und feministische Fundamentalistinnen sind hinterhältige, intolerante Faschisten, die zu feige sind ihre Fratze zu zeigen.

Wenn mir Kinderschänder moralische Werte vermitteln wollen und gegen jede sexuelle Freiheit wie Prostitution, Schutzalter, Homosexualität, Pornographie etc. wettern, dann muss man mal Gegenmaßnahmen fordern. Ich bin z.B. für ein Religionsverbot unter 18. Wer für Religionen wirbt, der geht in den Knast.

"Wer das Schwert nimmt, der soll durch
das Schwert umkommen."
(Matthäus 26, 52)

werauchimmer1
 
09.04.2010 17:19
Wichtig

ist es, dem ständigen Selbstbetrug der Freier ein Ende zu machen.
Es ist unerträglich, dass heute Menschen mitten unter uns als Sklaven sexuell ausgebeutet werden. Es ist egal wie hoch der Prozentsatz ist (es gibt sicher viele, die freiwillig arbeiten), es sind zu viele. Besser durch so ein Gesetz geht die Nachfrage insgesamt zurück und dadurch gibt es weniger echte Opfer als es geht so weiter wie bisher.

Neuer Nick neues Glück
09.04.2010 19:02

Warum sollte die Nachfrage zurückgehen, nur weil das Angebot zurückgeht?

werauchimmer1
 
12.04.2010 01:40

ich denke schon, dass sich viele freier von einer solchen strafandrohung abschrecken lassen überhaupt auf die suche zu gehen...

sixela
09.04.2010 12:46
Man braucht ja wirklich nur

...1:1 übernehmen, was die Gerwerkschaft der Betroffenen selbst sagt, um dieses Gesetz für falsch, ungerecht, verbohrt, bigott, verlogen und gegen die Interessen der Frauen (und natürlich auch ihrer männlichen Gäste, das soll und braucht ja gar nicht bestritten zu werden) gerichtet, zu bezeichnen.

Schlimm, meine hohe Meinung von Grossbritannien bekommt einen ordentlichen Dämpfer:-(

StVO1
09.04.2010 21:16
Schlimmer

war wohl der Eiertanz den GB mit useren mit Waffen handelnden Bauern aufgeführt hat.

AlBundyFan
 
09.04.2010 11:00
na endlich mal ein land

in dem die rettung der zwangsprostituiierten im vordergrund steht und nicht wie üblich die zwangsprostituierten die einzigen sind, die bestraft werden....

meine hochachtung vor dem gesetz und hoffentlich gibts ziemlich viele anklagen.....die leute sollen es sich gut überlegen, ob die prostituierte vor ihnen aus zwang oder aus freien stücken ihrer arbeit nachgeht.
die menschen sollten dafür sensibilisiert werden - das ist schon gut so.

StVO1
09.04.2010 21:17
Bitte wie unterscheidet man

ob die Schönen der Nacht gezwungen oder freiwillig ihrem Job nachgehen?

AlBundyFan
 
10.04.2010 10:00
wenn man nicht fähig ist das festzustellen

dann hat man auf sex gegen geld zu verzichten.
ganz einfach.

genau aus diesem grund verzichte ich selbst zb. darauf - auch ohne gesetz

StVO1
10.04.2010 18:29
Sie wählen die Möglichkeit, die auch ich wähle

Trotzdem ist eine solche Regelung ein Schwachsinn.

b_tom
09.04.2010 13:12

Die Frauen aus der Zwangsprostitution befreien hat absolute Priorität!

Ich denke aber nicht, dass dieses Gesetz dafür eine Hilfe ist.

Ein Gesetz kann u.A. 2 Dinge bewirken:
1. Durch Androhung der Strafe werden Menschen davon abgehalten die Tat zu begehen
2. Durch Androhung der Strafe werden Menschen dazu verleitet, die Tat zu verschleiern/verheimlichen bzw. die Umstände so zu gestalten, dass die Tat nicht bemerkt wird.

Ich befürchte, dass durch dieses Gesetzt Punkt 2 weit mehr erreicht wird, als Punkt 1. Dies wiederum läßt erwarten, dass sich die Situation für (Zwangs-)Prostituierte eher verschlechtert.

Fritz14
09.04.2010 08:47
"Religiöse und feministische Fundamentalisten"

Besser kann man/frau es nicht zusammenfassen.

Neuer Nick neues Glück
08.04.2010 19:30

Mal ganz naiv gefragt: Woran erkennt ein Freier zweifelsfrei, ob eine Prostituierte dazu gezwungen wird?

Gefräßige Gebärmutter
09.04.2010 16:43
Gegenfrage:

Wenn du daran zweifelst, dass sie es freiwillig macht, warum willst du dann noch Sex mit ihr?

Neuer Nick neues Glück
09.04.2010 19:03

Antwort: Ich käme in 100 Jahren nicht auf die Idee, für Sex zu bezahlen. Zerstört das jetzt dein engstirniges Weltbild?

1000 Kopfläuse können nicht irren
09.04.2010 14:15
Er muss ein paar Tage mit ihr verbringen...

... erst dann darf er Freier werden!
*g*

sixela
09.04.2010 12:50

Es ist sicher nicht leicht, weil nicht alle Gezwungenen verängstigt etc. wirken. Aber entgegen der weit verbreiteten Meinung wird es nur sehr wenige Kunden geben, denen es egal wäre. Und: Schätzungsweise 99% der Frauen - das geht auch aus den Aussagen dieser englischen Gewerkschaft hervor - arbeiten freiwillig.

Das Gesetz zielt viel mehr darauf ab, das "älteste Gewerbe der Welt". Und das ist.... siehe mein Posting weiter oben.

Sand
09.04.2010 10:45
Woran erkennt ein Raucher zweifelsfrei, ob auf der Strasse verkaufte Zigaretten als Schmuggelware

Unschuldsvermutung gilt nur für allerhöchste Beamte

girls play dirty
09.04.2010 10:30
Muss man nicht erkennen.


Man braucht sich nur diese Sätz überlegen.

"Unwissenheit über die persönlichen Umstände der Prostituierten soll nicht als Entschuldigung akzeptiert werden"

"Sie sehen Prostituierte generell als Opfer"

"Männer sollten es sich zweimal überlegen, ehe sie für Sex bezahlen."

lemming0815
09.04.2010 10:00

sie gibt es im polizeiverhör zu

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