70 Prozent der Erkrankungen zu verhindern: "Königsweg" wäre Impfung in Kombination mit Abstrich
Wien - Für die österreichischen GynäkologInnen in der täglichen Praxis bleibt die HPV-Impfung zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) ein Thema. "Die HPV-Impfung wird das Problem des Zervix-Karzinoms mittel- bis langfristig lösen", erklärte Michael Enekheli, Chef des Berufsverbandes der Österreichischen Gynäkologen und Gynäkologinnen, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Thema Frauengesundheit in Wien.
70 Prozent der Erkrankungen zu verhindern
500 bis 550 Frauen erkranken jedes Jahr in Österreich an invasivem Gebärmutterhalskrebs, laut Statistik Austria sterben daran jährlich 150 bis 180 Patientinnen. Auf Österreich umgelegte Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen von jährlich 600 Erkrankungen mit gar rund 300 Todesopfern aus. De facto alle diese Karzinome werden durch eine chronische Infektion mit dem Human Papilloma Virus (HPV) ausgelöst. Die beiden vorhandenen HPV-Impfstoffe könnten laut den klinischen Studien etwa 70 Prozent der Erkrankungen verhindern.
Kombination Impfung und Abstrich
Laut Enkheli hat Österreich mit dem derzeit erfolgenden "opportunistischen Screening" (Pap-Abstrich-Untersuchung, Anm.) ein Plateau bei der Bekämpfung der Sterblichkeit beim Zervix-Karzinom erreicht: "Wir haben im Jahr in Österreich rund 1,8 Millionen Krebsabstrich-Untersuchungen. Für Wien wissen wir, dass etwa 70 Prozent der Frauen zu der Untersuchung in einem angemessenen Zeitraum kommen." Empfohlen wird die jährliche Untersuchung.
Während die Tests eine Früherkennung von Vorstufen bzw. Karzinomen erlaubt, wäre die HPV-Impfung eine echte Krebsverhütung. Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin des Zentrums für Public Health (MedUni-Wien) hat mit einer Co-Autorin ein neues Dossier zu HPV erstellt. Die Expertin: "Der 'Königsweg' wäre die primäre Impfung in Kombination mit dem Pap-Abstrich."
Kassen sollten Kosten ersetzen
Laut von Ursula Kunze zitierten Berechnungen müsste man 729 Mädchen gegen HPV impfen, um einen Todesfall durch ein Zervix-Karzinom zu verhindern. 324 Mädchen müssten immunisiert werden, um Krebsvorstufen zu verhüten. Empfohlen ist die Impfung vor allem für Mädchen vor den ersten Sexualkontakten. Doch mit rund 600 Euro an Gesamtkosten ist die Impfung kostenaufwendig. Aber, wirft Ursula Kunze ein: "Wir haben im Jahr in Österreich rund 60.000 unklare und zum Teil wiederholungsbedürftige Pap-Abstriche und 5.000 bis 6.000 Konisationen (gynäkologische Eingriffe zur Beseitigung von Zervix-Karzinom-Vorstufen, Anm.)."
"Österreich ist unter den EU-15-Staaten das einzige Land mit einer (HPV-)Impfempfehlung, aber keinem Kostenersatz", betont die Expertin abschließend. Bei 60 Millionen verabreichten Dosen der HPV-Vakzine hätten sich bisher keine Nebenwirkungen gezeigt. Wenn es eine wirksame und sichere Impfung gebe, sollte sie auch eingesetzt werden. (APA)