"Brutalität und Ausmaß der Vergewaltigungen ein Skandal"

15. April 2010, 12:01

Aktuelle Studie über schreckliche Lage von Frauen im Ost-Kongo: 60 Prozent der Befragten mehrfach vergewaltigt, Täter meist Soldaten oder Miliz-Angehörige

Vergewaltigungen stehen im vom Bürgerkrieg geschundenen Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter auf der Tagesordnung. Allein in der Provinz Süd-Kivu wurden 2009 mehr als 5.000 Frauen vergewaltigt. Noch nicht einmal das eigene Haus bietet Schutz vor brutalen sexuellen Übergriffen: Mehr als die Hälfte der Vergewaltigungen in der DR Kongo fanden nachts und daheim statt, in der vermeintlichen Sicherheit des Hauses der Betroffenen - häufig sogar in Gegenwart der Familien. Das geht aus einer neuen Studie der Hilfsorganisation Oxfam und der Harvard Humanitarian Initiative hervor.

Oxfam: Blauhelme müssen bleiben

"Die Brutalität und das Ausmaß der Vergewaltigungen im Ost-Kongo sind ein Skandal, zumal gleichzeitig über den Abzug der UN-Friedensmission aus der DR Kongo diskutiert wird", sagt Markus Nitschke, Berater zu Humanitären Krisen bei Oxfam Deutschland. "Die Anwesenheit der Blauhelm-Soldaten ist so lange erforderlich, bis die kongolesische Regierung selbst imstande ist, ihre Bürgerinnen und Bürger zu schützen."

Vergewaltigungen durch Zivilpersonen um das 17-fache angestiegen

Aus der von der Harvard Humanitarian Initiative durchgeführten Umfrage geht hervor, dass 60 Prozent der Frauen sogar mehrfach vergewaltigt wurden. 12 Prozent wurden Opfer sexueller Sklaverei, einige wurden jahrelang gefangen gehalten. Die Täter sind überwiegend Soldaten oder Angehörige von Milizen. Die Studie zeigt, dass während militärischer Aktivitäten die Zahl von Vergewaltigungen steil ansteigt. Im Untersuchungszeitraum haben jedoch auch die Vergewaltigungen durch Zivilpersonen um das 17-fache zugenommen.

Persönliche Dramen

Eine Betroffene berichtet: "Meine Familie und ich schliefen, als die Soldaten kamen. Sie banden meinem Mann die Hände hinter dem Rücken zusammen, und dann vergewaltigten sie mich einer nach dem andern. Später nahmen sie meinen Mann und mich mit in den Wald. Als sich mein Mann widersetzte, erschossen sie ihn. Ich war drei Wochen mit ihnen im Wald bis ich eines Nachts entkommen konnte. Als ich wieder nach Hause kam, erfuhr ich, dass mein kleines Kind tot war."

Medizinische Hilfe von Nöten

Für die Untersuchung wurden über einen Zeitraum von insgesamt vier Jahren Frauen 4.311 befragt, die im Panzi-Krankenhaus im Süd-Kivu behandelt wurden. Panzi ist das einzige Krankenhaus seiner Art im Süd-Kivu, einer Region mit rund fünf Millionen EinwohnerInnen. Viele Frauen aus entlegenen Gebieten können die Reise dorthin nicht machen und sterben oft an den schweren Verletzungen infolge von Vergewaltigungen. Oxfam fordert eine Ausweitung des medizinischen Angebots für die betroffenen Frauen. (APA)

Senftube
02
16.4.2010, 09:35
Reportage

Eve Ensler war im Kongo und hat den Arzt Denis Mukwege in seiner Klinik besucht.

Wer zu Mittag nichts mehr essen möchte, lese ihre Reportage:

http://www.glamour.com/magazine/... rentPage=1

Die deutsche Version gibts übrigens in der Winterausgabe der Emma - leider nicht online.

Adam Markus
00
16.4.2010, 02:36

Das Problem des Kongo ist seine Größe und sein Reichtum. Das Land ist viel zu groß um es mit UN Soldaten sichern zu können, noch dazu wenn die meisten selber aus 3 Welt Ländern kommen und schlecht ausgerüstet sind.

Davon abgesehen kämpfen dort Privatarmeen von Konzernen um die weltvollen Rohstoffe gegen einen Staat der als solcher nicht existiert. Der Kongo ist ein Spielplatz der verschiedensten Interessen, egal ob Mineralien, Tropenholz, Öl, Wilderei, Waffenhandel, Sklavenhandel, Prostitution etc..

Darunter leidet schon seit Jahrzehnten die Bevölkerung im brutalsten und opferreichsten Bürgerkrieg der Geschichte.

Den Industriestaaten (und damit uns allen) ist das herzlich egal, solange es Handys und Diamantringe gibt.

ulli52
 
00
15.4.2010, 21:39
wäre das nicht ein fall für ein uno mandat?

Simskoarl
 
00
15.4.2010, 23:13

Im Kongo läuft schon eine UNO-Mission - mit sehr mässigem Erfolg.

http://de.wikipedia.org/wiki/Miss... e_du_Congo

Lichtfreak
00
15.4.2010, 17:08
Das ist den Weltenführern egal!

Alpendollar
02
15.4.2010, 16:59
Warum sollen da die Amis einmarschieren?

Da gibt es doch gleich wieder ein globales Geheule was der schei.. Ami da schon wieder macht. Nein, nein die EU könnte doch auch was machen nur bringt da keiner was zusammen und wenn was anläuft schreit jeder bitte nicht unsere Soldaten. Warum also die Soldaten der Amis? Damit wieder auf die Amis geschimpft wird? Na sicher net.

Gschisti Bohawiczek
00
15.4.2010, 16:14
marschieren dort jetzt auch die Amis und Co ein, wie in Afghanistan ?

b_tom
05
15.4.2010, 13:24

Man kann garnicht so viel essen, wie man k0tzen möchte...

Flash Gordon
16
15.4.2010, 12:58

Eine Schande für die UNO und den Rest der Welt der zuschaut.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.