Kommentar zu Quoten

Leistung ist nicht alles

Beate Hausbichler, 20. April 2010, 07:00
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    foto: matthias cremer

    Außer bei den Grünen sind Frauen nicht mal annähernd zu 50 Prozent im Parlament vertreten. Liegt es an mangelnder Leistung von Frauen?

"Leistung statt Regelung" lautet häufig das Argument von Quoten-GegnerInnen - Das ist allerdings nicht nur betreffend Frauen überholt

Letzte Woche wurde einmal mehr die "Entdeckung" gemacht, dass Frauen auch in der Politik nicht in gleichem Maße vertreten sind wie Männer (SPÖ: Roter Frauenaufstand wegen verfehlter Quoten). Nur bei den Grünen, die beim Thema Gleichberechtigung nach Ansicht vieler völlig übertreiben, nehmen im Nationalrat zur Hälfte Frauen Platz. Bei allen anderen Parteien sind Frauen nicht mal annähernd zu 50 Prozent vertreten, dennoch werden verpflichtende Maßnahmen mit hysterischem Gestus niedergemacht. Erstaunlich, angesichts dessen, dass die Übermacht von Männern von jedem/jeder mit freiem Auge beobachtet werden kann: Egal ob frau in die Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft oder in die Politik schaut, Männer haben die gut bezahlten Machtpositionen inne. Auf Grund ihrer Leistung? Glaubt man diesem am häufigsten genannten Argument gegen verpflichtende Maßnahmen müsste die Antwort lauten: Ja.

Legitimationsarbeit

Irgendwie ist es ja verständlich, dass die, die es "ganz von allein geschafft haben" weiterhin Legitimationsarbeit leisten (müssen). Somit haben sie das hohe Gehalt natürlich in erster Linie den eigenen großartigen Leistungen zu verdanken, die sonst keine/keiner erbringen kann. Dass das nicht ganz stimmt, können manchmal sogar die BestverdienerInnen selbst zugeben. So meinte Brigitte Ederer in einem Interview einmal, dass ihren Job auch einige Tausend andere gut erledigen könnten, so die Managerin, die eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Die Regel nämlich ist, dass viele andere - weitgehend bekannte - Faktoren kräftig mithelfen, die mit Leistung nichts zu tun haben: Soziale oder ökonomische Umstände und eben auch der Faktor Geschlecht - all das spielt völlig unabhängig von "Können" eine Rolle. Dass eine gutausgebildete Frau auf Quotenregelungen nicht angewiesen sei und sich eher dafür blamiert, wenn sie in die Räder von verpflichtenden Maßnahmen gerät, verkennt die Homogenität der sogenannten Eliten. So sinkt etwa die Chance auf einen Hochschulabschluss, wenn die eigenen Eltern keine Matura haben und aus welcher Gegend der Welt dieselben stammen ist leider ebenso wenig belanglos wie Ermutigungen durch Identifikationsfiguren im privaten und öffentlichen Raum.

Gleichförmigkeit

Über verpflichtende Maßnahmen, damit Frauen gleichermaßen vertreten sind und damit sie endlich auch gleich viel verdienen, wird noch viel gestritten werden. "Leistung" als die Bedingung anzugeben, warum Frauen in so vielen Bereichen noch immer fehlen, transportiert aber nicht nur die sexistische Position, dass es Männer wohl einfach besser können, sondern auch, dass es Menschen mit familiären Wurzeln innerhalb der EU und/oder aus einer bildungsnahen Schicht kommend, einfach besser können. 

Solange jene gut ausgebildeten Menschen, die die gut bezahlten Jobs machen, eine derart gleichförmige Gruppe bilden, braucht niemand Panik bekommen, dass aufgrund von "zu viel an Regelungen" ein vermeintliches Leistungs-Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Mann wird noch lange genug "unter sich" bleiben. (dieStandard, 20.4.2010)

 

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10 Postings
evolution hunter
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Gerade auf Ebene Vorstand, bzw. Aufsichtsrat spielen Familie, bwz. Karenz keine Rolle mehr. Fast alle sind dort 45+. Da kriegt eine Frau normalerweise keine Kinder mehr. Sie hat also keinen Nachteil gegenüber einem Mann.

ernst-rosmer
 
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vielleicht ist DAS ja genau der nachteil, der durch solche maßnahmen "ausgeglichen" werden muss?

evolution hunter
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Wenn's zur Zeit nicht leistungsorientiert ist (Seilschaften, etc.), dann ist es allerhöchste Zeit, eben genau das anzustreben. Was ist daran in Gottes Namen SO SCHWER ZU KAPIEREN? Wie einfältig muss frau sein, dass das nicht in den Schädel geht? Quoten lösen eine Ungerechtigkeit durch eine andere ab. Sie kompensieren eine (vermeintliche) Diskriminierung durch eine Gegendiskriminierung. Das ist um nichts bsser als Männerseilschaften. Diese werden kritisiert, um anschließend imitiert zu werden. Geht's noch dümmer?

sari1
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vielleicht denken sie mal darüber nach, dass die quotenregelung einen anfang darstellen könnte, der es frauen ermöglicht in diese positionen zu kommen? ist das einmal geschafft, sollte sich das problem der homogenen reproduktion der führungsetagen von alleine geben...

Hubert Ungeist
 
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Und was genau hat jetzt die Tatsache

das wenn Eltern Matura haben die Kinder auch eher Matura haben und studieren mit Frauenbenachteiligung zu tun?

Es gibt eben Bildungsaffine Menschen und welche die da halt nicht sind.

Knochenmann
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25.4.2010, 09:13

Männer haben also die gutbezahlen Jobs in der Politik inne weil sie mehr Leistung bringen?

Also, hier bei uns in Kärnten ist das ganz sicher nicht so.

Martin Schwarzbauer
 
01
21.4.2010, 18:54
Hier wird gekonnt die Argumentation verdreht

"Egal ob frau in die Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft oder in die Politik schaut, Männer haben die gut bezahlten Machtpositionen inne. Auf Grund ihrer Leistung?" Jein. Vor allem einmal deshalb, weil sie sich bewerben. Von den Bewerbern sind dann z.B. in der Politik 80% Männer, bei Management-Posten sieht es vermutlich nicht anders aus.

Aus den Bewerbern rekrutieren sich dann die tatsächlichen Inhaber der Positionen - und das hoffentlich leistungsorientiert. Wenn man von durchschnittlich gleicher Leistung bei männlichen und weiblichen Bewerbern ausgeht, sollten die Frauenanteile in den jeweiligen Positionen dem Bewerberinnenanteil entsprechen.
Tatsächlich sind Frauen so gesehen oft überrepräsentiert - weil sie mehr leisten? Vielleicht.

ernst-rosmer
 
20
22.4.2010, 10:58

die besetzung höherer ämter erfolgt nach einer diffusen mischung aus prinzipien. OFFIZIELL wird sie IMMER mit leistung begründet, faktisch spielen OFT leistungsfremde gründe wie herkunft, politische zugehörigkeit, beziehungen und zunehmend auch geschlecht eine dem leistungsprinzip deutlich widersprechende rolle. aus legitimationsgründen freilich wird BISHER immer wieder auch jemand nach oben durchgelassen, der oder die es durch leistung tatsächlich verdient hat. die argumentation HIER ist gefährlich, weil sie die ohnehin schon verbreitete behinderung von leistung und besetzung aufgrund anderer prinzipien zu unterstützen droht. FRAGE: wie reflektieren quotenforderungen die frage sozialer durchlässigkeit der gesellschaft qua leistung?

zwergleviathan
00
14.6.2010, 13:28
diese Mechanismen gehen allerdings nicht von Männern als solchen aus

sondern von PolitikerInnenseilschaften, in denen neben den bösen old-boys auch die dazugehörenden old-girls sitzen

das hat NICHTS mit dem Geschlecht zu tun sondern mit Hackordnungen in den Parteien, mit Gefälligkeiten unter Politikern

erschwerend kommt hinzu, daß Quoten durchaus fair sein mögen, sofern sie realistische Mengenverhältnisse hervorbringen

sofern die Quote der Beteiligung von Frauen am gesamten Unternehmen/der gesamten Partei entspricht ist das vollkommen in Ordnung

die weibliche Mitgliederquote wird jedoch nicht verraten, wohl weil sie kaum 50% betragen wird und daher die verordnete Quote eine reine Diskriminierung darstellt

aber gut, wo kein Kläger, da kein Richter

verinus
00
30.4.2010, 09:49

find ich auch tragisch.

dass dann aber noch das geschlecht per gesetz dazukommt setzt dem ganzen mm nach die krone auf.

das überhaupt zu fordern ist eine frechheit

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