Nicht einmal das eigene Haus bietet Schutz

20. April 2010, 11:12
  • Nicht einmal das eigene Haus biete Schutz vor brutalen sexuellen
Übergriffen. Mehr als die Hälfte der Vergewaltigungen in der DR Kongo
fanden nachts und daheim statt.
    foto: apa/museum für völkerkunde

    Nicht einmal das eigene Haus biete Schutz vor brutalen sexuellen Übergriffen. Mehr als die Hälfte der Vergewaltigungen in der DR Kongo fanden nachts und daheim statt.

Konflikt- und Menschenrechtsverletzungs-Bericht belegt: Sexuelle Ausbeutung wird als Waffe in allen bewaffneten Konflikten eingesetzt

Barcelona - Im Bericht "Alerta 2010! Report über Konflikte, Menschenrechte und Friedensstiftung", der jährlich von der School for a Culture of Peace an der Universitat Autonoma de Barcelona veröffentlicht wird, sind ForscherInnen zum Schluss gekommen, dass in den meisten bewaffneten Konflikten im Vorjahr sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt wurde. In der jährlich publizierten Studie wird über aktuelle Entwicklungen in Krisengebieten, aber auch über Verletzungen von Menschenrechten in allen unabhängigen Staaten berichtet.

"Human Rights Index"

Erstmals wurde auch ein "Human Rights Index" erstellt. In dieser Liste führen die Staaten Myanmar, Sudan, Pakistan, Nigeria, Thailand, Russland, Somalia und Indien. "Ein besonderer Schwerpunkt des Reports ist in diesem Jahr der zehnte Jahrestag der UN-Sicherheitsratsresolution 1325 zu 'Frauen, Frieden und Sicherheit', dem ein eigenes Kapitel gewidmet wurde", so Ana Villellas, Sprecherin der School for a Culture of Peace. 

Sexuelle Gewalt omnipräsent bei bewaffneten Konflikten

Kritik übt der Bericht auch an jenen Friedensprozessen, die das Problem der sexuellen Ausbeutung vielfach unbeachtet ließen. "Dabei sind gerade diese Belange die schlimmsten Bedrohungen für den Frieden und die Sicherheit." Genannt werden hier etwa die Übergriffe von Soldaten aus Kolumbien, Myanmar und den USA.

"Trotz vieler Hürden spielen Frauen eine Schlüsselrolle in sehr vielen zivilen Friedensinitiativen in der Demokratischen Republik Kongo, Kolumbien, Türkei, Indien, Pakistan und Afghanistan", so Vincenc Fisas, Direktor der School for a Culture of Peace. Frauen falle eine wichtige Rolle zu, wie man nachhaltig mit den Folgen von Kriegen umgeht, denn darin liege die Chance um endgültige Lösungen für Konflikte zu finden.

Menschenrechtsindex mit 22 Indikatoren

Erstmals haben die ForscherInnen einen weltweiten Menschenrechtsindex in den Bericht eingebaut. "Anhand von 22 Indikatoren wird untersucht, wie es mit Todesstrafe, Verurteilungen ohne Gerichtsverfahren, Folter, Verfolgung von Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in jedem Land bestellt ist", erklärt Villellas.

Analysiert wurden zudem 31 Konflikte - davon 14 in Asien und zehn in Afrika. Nur zwei dieser Konflikte konnten im Laufe des Jahres beendet werden. Neu hinzugekommen ist ein drohender Krieg im Süd-Sudan. In den neun Staaten Afghanistan, Kolumbien, Irak, DR Kongo, Pakistan, Somalia, Sri Lanka, Sudan und Uganda waren die Auseinandersetzungen aufgrund des ausgeprägten Gehalts von Gewalt herausragend. Beendet wurde der Konflikt in Sri Lanka und im indischen Staat Nagaland.

DR Kongo: Chronik der sexuellen Gewalt

Gewalt gegen Frauen und sexuelle Ausbeutung als Waffe war in allen bewaffneten Konflikten, die untersucht wurden, vorhanden. In Ländern wie in der Demokratischen Republik Kongo stehen Vergewaltigungen auf der Tagesordnung. Einem Bericht der NGO oxfam.de und der Harvard Humanitarian Initiative hhi.harvard.edu zufolge, wurden allein im Süd-Kivu 2009 mehr als 5.000 Personen vergewaltigt.

Nicht einmal das eigene Haus biete Schutz vor brutalen sexuellen Übergriffen. Mehr als die Hälfte der Vergewaltigungen in der DR Kongo fanden nachts und daheim statt, in der vermeintlichen Sicherheit des Hauses der Betroffenen - häufig sogar in Gegenwart der Familien. Dies geht aus der am 15. April frei gegebenen Studie "Now, the world is without me", hervor. (pte)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.