"Suche französische Pferdefreundin mit unehelichem Kind"

Isabella Lechner, 29. April 2010, 07:00
  • Neben den über 7.000 derzeit abrufbaren Biographien und
Kurzlebensläufen sind insgesamt mehr als 30.000 Frauenleben aller
Epochen und Länder offline in der FemBio-Datenbank dokumentiert.
    foto: pixelio.de/clara diercks

    Neben den über 7.000 derzeit abrufbaren Biographien und Kurzlebensläufen sind insgesamt mehr als 30.000 Frauenleben aller Epochen und Länder offline in der FemBio-Datenbank dokumentiert.

  • Neben 250 ausführlich recherchierten Biographien finden sich auf der
Website auch viele Kurzlebensläufe, jeweils ergänzt durch praktische
Links zu weiterführenden Seiten. Ungewohnt und originell sind die Suchkriterien, nach denen man die Datenbank durchforsten kann, als zusätzliches Service gibt es eine englische Version der Seite.
    screenshot: www.fembio.org

    Neben 250 ausführlich recherchierten Biographien finden sich auf der Website auch viele Kurzlebensläufe, jeweils ergänzt durch praktische Links zu weiterführenden Seiten. Ungewohnt und originell sind die Suchkriterien, nach denen man die Datenbank durchforsten kann, als zusätzliches Service gibt es eine englische Version der Seite.

FemBio, die weltweit größte Datenbank mit Biographien bedeutender Frauen, verrät Fakten, die in anderen Quellen oft unerwähnt bleiben

Linda McCartney liebte Katzen, Emily Bronte war Vegetarierin und Bette Davis galt als "Rabenmutter". Wer wenig bekannte Details über das Leben bedeutender Frauen sucht, wird auf www.fembio.org rasch fündig: Die weltweit größte Datenbank mit Frauenbiographien umfasst Informationen zu derzeit 7414 Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart - darunter 36 die im Kindbett starben, 12 die denselben Mann mehrmals heirateten, 284 Emigrantinnen, 79 Mütter berühmter Frauen, und, und, und. "Ein gewöhnliches Lexikon informiert nicht darüber, wie diese Frauen wirklich gelebt haben", sagt FemBio-Gründerin und Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch. Wenn etwa große Frauen von Männern behindert, benachteiligt oder gar ermordet wurden, so erfahren Sie das in anderen Quellen meist nicht. In einer FemBiographie werden aber solche Fakten genauso wichtig genommen wie alle anderen."

Die 2001 mit dem Institut für Frauenbiographieforschung in Hannover gegründete, kostenlose Datenbank verzeichnet derzeit 3000 BesucherInnen pro Tag und ist ein Folgeprodukt des Suhrkamp-Taschenkalenders "Berühmte Frauen", mit dem Luise Pusch seit 1988 mehr als 10.000 Frauen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat. Neben den über 7.000 derzeit abrufbaren Biographien und Lebensläufen sind insgesamt mehr als 30.000 Frauenleben aller Epochen und Länder offline in der Datenbank dokumentiert, basierend auf der umfassenden Datensammlung der Gründerin. "Ich möchte Frauen damit eine Infrastruktur liefern, um bedeutende Frauen bekannt und im Alltag präsent zu machen", schildert Pusch ihre Beweggründe im Gespräch mit dieStandard.at. "Es soll ein Grundstein sein, damit andere vorwärtskommen, wie in einem unerschlossenen Land, in dem man die Straßen erst bauen muss."

"Es gibt ja keine bedeutenden Frauen"

Mit ihren Recherchen begann Pusch 1982, als sich Frauen darüber beklagten, dass "immer nur die Männer gefeiert werden". Es war das Jubiläumsjahr von Goethe und James Joyce - von weiblichen Jubilarinnen sprach niemand. "'Wir würden gerne an bedeutende Frauen erinnern, aber es gibt ja keine'", bekam die Sprachwissenschafterin zu hören. So begann sie zu suchen, Biografien zu lesen und sämtliche Bände von Meyers Lexikon zu durchforsten: Neben 100.000 Männern fand sie dort 2.000 Frauen, aber selbst die wurden nirgendwo öffentlich präsentiert. Als sie sechs Jahre später FreundInnen von ihrem Kalenderprojekt erzählte, glaubten diese noch immer: "Es ist unmöglich, für jeden Tag eine berühmte Frauen zu finden, es gibt doch nur drei: Marie Curie, Maria Callas und Queen Elizabeth."

Neben 250 ausführlich recherchierten Biographien finden sich auf der Website auch viele Kurzlebensläufe, jeweils ergänzt durch praktische Links zu weiterführenden Seiten. Auf der Startseite präsentiert FemBio jeweils die "Frau(en) der Woche", daneben finden sich Buchbesprechungen, Musik-, Film- und TV-Tipps. Besonders gefragt, so Pusch, ist die Funktion "Gedenktage", die tagesaktuell Geburts- und Todestage bedeutender Frauen auflistet. "Vor allem Medien und Verlage nutzen dieses Service als Vorausabfrage für kommende Jubiläen, es werden aber auch Geburtstage von Freunden und Verwandten eingegeben, um ein Buch, eine Platte oder CD einer Frau zu verschenken, die am gleichen Tag geboren wurde."

"Suche Pferdeliebhaberin"

Ungewohnt und originell sind die Suchkriterien, nach denen man die Datenbank durchforsten kann: Neben den üblichen Optionen wie Name, Geburts- oder Todestag, Nationalität, usw. kann man zusätzlich etwa nach Aussehen ("ungewöhnlich klein, groß, ...") oder Krankheiten ("Kinderlähmung", "alkoholkrank", ...) suchen, nach Geschwisterreihe ("Einzelkind", "jüngstes Kind", ...) oder so persönlichen Details wie Tiere ("Hundefreundin", "Pferdefreundin", ...), Finanzen ("Kindheit in Armut", "Armut im Alter", ...) oder Selbstmord in der Familie ("Vater, Tochter, ... beging Selbstmord"). "In den 25 Jahren, die ich bereits Biografien lese, habe ich anekdotisch 250 verschiedene Parameter zu den Frauen in der Datenbank notiert; einige davon sind in die Suchkriterien eingeflossen", erklärt Pusch. "Das ist zum Beispiel für Personen, die ein spezielles Buchprojekt, etwa zu Vegetarierinnen, planen, besonders nützlich."

SponsorInnen gesucht

Anfragen erhält Luise Pusch laufend aus aller Welt. Als zusätzliches Service gibt es deshalb auch eine englische Version der Seite. Für die Vervollständigung werden allerdings noch SponsorInnengelder gesucht. Die sind generell sehr willkommen, finanziert sich das als gemeinnütziger Verein organisierte Institut doch neben den Beiträgen der 30 Mitglieder vor allem durch Fördermittel und Anzeigen. Stiftungen und Frauenbeauftragte sponsern zum Beispiel "Biographie-Specials" zu berühmten Frauen aus ihrer Stadt, deren Inhalte sie etwa als Basis für feministische Stadtführungen nutzen.

Unter der Rubrik "Specials" kann man die gesammelten Werke von Celle bis Zürich abrufen, ergänzt durch Schwerpunkte wie "Europäische Jüdinnen", "Pionierinnen der Frauenbewegung" oder "Berühmte Frauen berühmter Männer". Aber auch Einzelbiographien können gegen Sponsoring in Auftrag gegeben werden bzw. kann frau auch neben einer bereits existierenden Biographie auf die eigene Homepage verlinken oder sich namentlich erwähnen lassen.

Zu hundert Prozent von Frauenhand

Die größte Konkurrenz von FemBio im Internet ist Wikipedia, sagt Pusch: "Was uns aber massiv unterscheidet ist, dass unsere Biographien zu hundert Prozent von Frauen gemacht, sehr gut recherchiert und geschrieben sind und einen starken feministischen Anspruch haben."

Die tausenden Beiträge hat Luise Pusch mit Unterstützung einer Mitarbeiterin zum Großteil selbst in die Datenbank eingespeist, technisch steht ihr seit vier Jahren eine "Web-Frau" zur Seite. Daneben hat der Verein eine Fülle von Autorinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen zur Hand. Pusch selbst arbeitet, wie sie selbst sagt, unter "massiver Selbstausbeutung", was sie für die positive Entwicklung ihres "Babys" jedoch in Kauf nimmt. Zu sehen, wie ihr Projekt immer größer und bekannter wird, bereitet ihr große Freude: "Es wächst mir zwar manchmal über den Kopf - aber es wächst!" (isa/dieStandard.at, 29.4.2010)

Link:

www.fembio.org

Zur Person:

Luise F. Pusch, geb. 1944 in Gütersloh, ist Professorin für Sprachwissenschaft und Verfasserin zahlreicher Bücher, darunter "Die Frau ist nicht der Rede wert" (1999), "Das Deutsche als Männersprache" und "Alle Menschen werden Schwestern". Mitherausgeberin u.a. von "WahnsinnsFrauen" Bd. 1-3, "Berühmte Frauen: 300 Porträts", 2 Bde (1999 und 2001), "Berühmte Frauenpaare" (2005); Herausgeberin des Kalenders "Berühmte Frauen" (1987 ff). Vorsitzende von FemBio Frauenbiographieforschung e.V.

Link:
www.luisepusch.de

na toll

was zeigt FemBio geerade als wahnsinnig berühmte tolle Karrierefrauen der Woche:

1. Katharina v. Siena (+1380): irgendwann wegen ihrer mystischen Versenkungen, Visionen und Ekstasen und inbrünstigen Gläubigkeit heilig gesprochen. Wow.

2. Clara Haber (+1915): Chemikerin, die nach ihrer Promotion ein Jahr lang arbeitete, dann nur mehr Professorengattin war, den - zugegebenermaßen diabolischen - beruflichen Erfolg ihres Mannes (Nobelpreis) nicht verkraftete, sich deshalb erschoß und ihren 13-jährigen Sohn damit zum Halbwaisen machte. Traurig.

3. Frieda Belinfante (+1995): Cellistin. Bedeutendste Tätigkeit: dirigierte das Orange County Philharmonic Orchestra - das niemand kennt.

4. Christiane Marianne v. Ziegler (+1760)
Poetin. Unbekannt.

Na, ich finde das schon beeindruckend. Ich persoenlich habe noch nie ein philharmonisches Orchester dirigiert, im Fach Chemie promoviert, ein nennenswertes Gedicht geschrieben oder mystische Visionen gehabt.

Oden

habe soeben Oden der Poetin gelesen. Mein Gott, ist das unverdauliches Zeugs!

3. Ode:
"Als Seine Königliche Majestet von Großbritannien bey Ihrer Zurückreise von Holland nach England am 1. Jan 1737 einen schweren Sturm ausstehen müssen; aus demselben aber glücklich gerettet worden."
"Beglückter Fürst, der so regiert
Daß er durch Huld die Herzen rührt,
Und sie durch gnädig seyn verpflichtet!
Du ziehst sie mit ins Schiff hinein,
Und jedes will das erste seyn
Das seinen Wunsch zum Himmel richtet."

Die Schotten, die dieser George II. bei Culloden abschlachten ließ, hätten gejubelt, wär er 1737 abgesoffen!

http://books.google.de/books?id=... egler&cd=1

was Sie nicht wissen füllt Bibliotheken...

Orange County Philharmonic Orchestra

ich bin Musikliebhaber (Jazz, Klassik) und hatte bis jetzt noch NIE was vom oder über das Orange County Philharmonic Orchestra gehört.

Aber jetzt hab ich danach gegoogelt (genauer Wortlaut). An erster Stelle kommt? Richtig, der FemBio-Eintrag über Frieda Belinfante. Der Nomame Frieda Belinfanta hat also nicht das weltberühmte Orange County Philharmonic Orchestra dirigiert, sondern das Orange County Philharmonic Orchestra ist nur durch FemBio bekannt, also noch unbekannter als Frieda Belinfante und FemBio.

Ist auch irgendwie kein WUnder: http://de.wikipedia.org/wiki/Oran... fornien%29

Das Orange County selbst ist dem zu Folge bei uns vor allem bekannt durch den FIlm "Nix wie raus aus Orange County"
*LOL*

als musikliebhaber sollte man zumindest

den orange county blues von johnny cash kennen..

für nichts wird soviel reklame gemacht wie für männer. unentwegt erinnern sie an sich selbst: auf geldscheinen, briefmarken, gedenkmünzen, mit bronzebüsten und strassenschildern, in lexika und zitatensammlungen (LFP)

die herrlichkeiten `grosser` leistungen v. männern wurde/wird uns ständig vor augen geführt (mit stolz sogar all die zerstörerischen fähigkeiten v. eroberungs- u. kriegslüsternheit) das unsichtbarmachen d. leistungen v. frauen in literatur, gesellschaft, kunst, wissenschaft, politik u.v.m. haben wir allein d. männl. geschichtsschreibung zu verdanken. namen u. leistungen von frauen wurden häufig vergessen, ignoriert oder ausgelöscht. dagegen erwartet/e mann v. frauen , männern zuzuarbeiten u. dabei mögl. i. hintergrund zu bleiben, unsichtbar, kontrolliert. von wegen "es gibt ja keine bedeutenden frauen" - FEMBIO zeigt all die lebenswege, leistungen v. frauen, die v.d. herrkömml. patriarchalen geschichtsschreibung ignoriert wurden.
danke!

2 Fragen

Was ist LFP?

Warum ist das das Einzige, was Sie groß schreiben - außer FEMBIO (FemBio)?

genau das ist das Problem solcher Projekte.

Hier wird hauptsächlich Ideologie vermittelt und weniger objektive Information.

Auf Wikipedia stehen die meisten Biographien auch. Nur mit mehr Quellenangaben und weniger Verklärungen.

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