Großbritannien

Geplanter Fernsehspot für Kliniken empört BritInnen

20. Mai 2010 13:53

Pro Life-Vorwurf der Trivialisierung des menschlichen Lebens stößt auf Rechtfertigung der Werbung duch Frauenorganisationen als "wichtigen Fortschritt"

London - Die Ankündigung, erstmals mit Fernsehspots für Abtreibungskliniken zu werben, hat in Großbritannien eine kontroverse Debatte ausgelöst. Die Werbung biete ungewollt schwangeren Frauen Rat und wertvolle Informationen, erklärte das Unternehmen "Marie Stopes International (MSI)", das landesweit acht Kliniken betreibt, am Donnerstag in London.

Notfall-Hotline eingeblendet

Der Spot soll von Montag an bis Ende Juni im Fernsehsender Channel 4 ausgestrahlt werden. In dem Clip ist eine junge Frau zu sehen, der mit Bezug auf ihre Periode die Frage gestellt wird "Bist Du spät dran?". Daraufhin wird die Notfall-Hotline der Organisation eingeblendet.

Abtreibung dürfe kein "Massenphänomen" werden

Mehrere GegnerInnen kritisierten die Werbekampagne und kündigten an, rechtliche Schritte zu prüfen. "Es ist grotesk, Abtreibungs-Anbietern zu erlauben, im Fernsehen Werbung zu machen - als ob sie nichts anderes wären als Autofirmen oder Waschmittel-Hersteller", sagte eine Sprecherin der Organisation "LIFE". "Indem sie den Leuten weismachen, Abtreibung sei einfach eine weitere Verbraucherwahl, trivialisieren sie das menschliche Leben." Abtreibung müsse begrenzt bleiben auf besonders schwere Fälle und dürfe nicht zum Massenphänomen werden.

350.000 Notfall-Anrufe

Allein im vergangenen Jahr gingen bei der rund um die Uhr besetzten Hotline auch ohne Werbung 350.000 Anrufe ein, wie Unternehmenschefin Dana Hovig erklärte. Es gebe "tausende Frauen, die sich Informationen über Gesundheit und Sexualität wünschen und sie brauchen".

"Wichtiger Fortschritt"

Die Organisation Abortion Rights, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt, begrüßte den Werbespot hingegen. Dies sei "ein wichtiger Fortschritt" für die Unterstützung von Frauen, erklärte Kampagnen-Koordinatorin Darinka Aleksic.

2008 wurden in England und Wales mehr als 195.000 Abtreibungen vorgenommen, gut 90 Prozent davon wurden vom Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) bezahlt. Großbritannien hat europaweit mit die höchsten Raten an Schwangerschaften bei Minderjährigen sowie an Abtreibungen bei Teenagern. (APA/Ag.)

Kommentar posten
15 Postings
Sambapati
21.05.2010 06:22
Aufklärung zum Thema

Mich ärgert an allen Diskussionen um dieses Thema eines: Ab wann entsteht ein Bewusstsein??? Es sind versch. Thesen im Umlauf. Etwa, dass ein Embryo "flüchtet", wenn der Fremdkörper eindringt. Für mich eine furchtbare Vorstellung. Ich finde, es sollte mehr untersucht werden, ab wann eine Art Bewusstsein entsteht und DAS den Frauen verbindlich mitgeteilt wird und sie zieht es in ihre Entscheidung mit ein. Ich bin weder christlich, noch für jedwede Bevormundungen. Mir tun jedoch Embryonen genauso leid, wie andere Wesen, die sich nicht so gut formulieren können.

Mahnende Stimme
23.05.2010 10:40

Also Aufklärung zum Thema ist das keines.
Und Thesen sollten sie eher mit wissenschaftlichen Studien untermauern.

Sambapati
23.05.2010 12:18
Aufklärung

diesbezüglich wäre wünschenswert, sagte ich.
Genauso wenig behaupte ich etwas, sondern kritisierte die Ermangelung diesbezüglicher Untersuchungen (womöglich gibt es sie auch - ich kenne sie jedenfalls nicht). Und ich denke, dies sollte Bestandteil der Aufklärung sein. Haben Sie mich jetzt verstanden?

Dein schönster Traum
20.05.2010 21:36
Alles, womit man...

...dem Lebensschützerpack vors Schienbein treten kann, ist zu begrüßen.

Mac Smith
23.05.2010 13:49
Unbedingt

Man sollte noch mehr Werbung für die Abtreibungsindustrie machen, statt früher anzusetzen und zu versuchen, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern bzw. die Betroffenen über Alternativen zur Abtreibung aufzuzeigen.

Sybil
20.05.2010 17:57
Verbraucherwahl

tun alle grad so, als wäre eine abtreibung für frauen vom wurstigkeitsgrad her sowas wie zähneputzen.
aus jux und tollerei macht das wohl kaum jemand.

zwergleviathan
20.05.2010 15:06
würde man die Werbung verbieten

wären ebensoviele Frauen dagegen dies zu tun da jede Frau das Recht hat über Ihren Körper selbst zu bestimmen
andererseits ist die Anzahl der Gegnerinnen ebenso groß wenn dieses Recht propagiert wird

die Bewerbung halte ich persönlich nicht für problematisch, denn physische und psychische Gewalt sind hier wie auch in GB fester Teil des Hauptabendprogramms

hier eine besondere Beeinträchtigung für Anti-AbtreibungsaktivistInnen zu sehen oder eine Vorbildwirkung für das "Massenphänomen Abtreibungen" zu sehen ist mir nicht möglich

über die ursächliche Problematik (Mord an Ungeborenen) und Alternativen zur Abtreibung (Adoption?) wird allerdings zu wenig (öffentlich) diskutiert finde ich

the long stroke
20.05.2010 23:28
ich kann mir schon vorstellen, wieso adoption

von nur wenigen angesprochen wird.

sieht man sich an, was für eine belastung die adoption für alle beteiligten sein kann, könnte das ein schlag vor den bug für die pro-adoption-werbenden sein. vielen kinder wird es einigermaßen gut gehen, vielen anderen dagegen nicht.

adoption ist nicht die reise ins schlaraffenland, auch wenn es öfters so propagiert wird oder wahrscheinlich eher die negativen seiten unterschlagen werden.

wenn schon der staat es nicht schafft, in heimen für sicherheit und wärme zu sorgen, wie will er es bei adoptierten eltern?

andererseits bin ich froh nicht zuviel über adoption zu hören, weil es immer noch privatsache ist und adoptierte nicht gegen ihren willen in debatten gezogen werden sollten.

zwergleviathan
21.05.2010 01:00
das geht am thema vorbei

denn das Kind zur Adoption freizugeben anstatt es zu ermorden ist ja wohl moralisch die weniger verwerfliche Alternative

ich bin mir sicher auch tote Embryonen wollen nicht gegen Ihren Willen in Debatten gezogen werden. Trotzdem wird über Abtreibungen geredet.

Was soll der schaden der Mutter sein die ihr Kind statt es zu töten zur Adoption freigibt?

daß sie sich die Schwangerschaft nicht ersparen will?

und daß medizinisch indizierte Abbrüche erlaubt sein MÜSSEN steht ja ohnehin ausser Frage; warum also jene Fälle unterstützen in denen keine medizinische (physisch oder psychisch) Indikation vorliegt?

also jene die Abtreiben weil sie der Verhütung nicht mächtig waren? wieso sollte man jenen eine Geburt ersparen? weil sie sichs leisten?

the long stroke
21.05.2010 15:11
wären dieselben, die gegen eine abtreibung sind,

pro verhütungsspots im tv? würden diese gruppierungen die verhütungsspots auch finanziell unterstützen?

jemanden wegen fremdgehens ins gefängnis zu stecken ist auch moralisch weniger verwerflich als denjenigen hinzurichten. trotzdem muss man weder das eine noch das andere machen.

bisher las ich aber häufiger von protesten gegen informationen zur verhütung. naja, nun wurde der platz, welcher der verhütungsinformationen dienen sollte, eben für extremeres frei.

Naschgul
21.05.2010 14:06

Ich stelle mir das schrecklich vor, neun Monate lang ungewollt schwanger zu sein, dann unter Schmerzen zu gebären und das Kind anschließend wegzugeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in psychischer Hinsicht völlig unbeschadet übersteht.

Epistula non erubescit
20.05.2010 15:01

Ich bin eindeutig dafür. Warum sollte diese Hilfseinrichtung nicht werben?
Immerhin muß ich heute in den Tageszeitungen lesen, wie normal Prostitution ist.... und wie arm die Freier....
in England ist das wohl nicht anders. Eher noch doppelmoraliger als im schönen Österreich

Neuer Nick neues Glück
20.05.2010 20:55

Diese Hilfseinrichtung ist keine Hilfseinrichtung sondern eine auf Gewinn ausgelegte Dienstleistungsfirma.

zwergleviathan
20.05.2010 18:06
wenn sie Prostitution "normal" finden

dann will ich nicht mit ihnen tauschen; aber müssen sie automatisch Geschlechterhass verbreiten indem sie die Freier zynisch als arm bezeichnen?

wenn ich eine weibliche Person derart taxieren würde müsste ich mir den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit gefallen lassen; also unterlassen sie es auch bitte hier geschlechtsspezifisch besondere Eigenschaften zu postulieren

Prostituierten wirft man auch keine Faulheit vor weil sie am Rücken liegen;

und ganz ehrlich: es gibt da draussen einige Typen die wohl auch weil sie mangels top-ausstattung körperlicher und finanzieller Natur für Frauen nicht "interessant" sind die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen; würden sies besser finden wenn sich die woanders befriedigung verschaffen?

Bethany
20.05.2010 17:18

leben und leben lassen ...
Dazu gehört in dieser "ach so tollen" Gesellschaft nun mal auch, daß man sein Produkt an den Mann oder die Frau bringen will - die Kliniken passen sich auch nur diesem Umstand an. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.