Frauenbericht 2010

Feminismus als Eintagsfliege

Beate Hausbichler, 1. Juni 2010, 07:00
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    foto: diestandard.at/birgit tombor

    Ein paar Tage Akzeptanz für feministische Themen wird wohl auch in Zukunft nicht reichen.

Präsentation des Frauenberichtes: Ein weiterer Tag im Jahr, an dem es feministische Forderungen geben darf - und einen Tag später?

Seit vergangenen Freitag haben wir alle Zahlen fein säuberlich zusammen: Frauen bekommen bis zu 18 Prozent weniger Gehalt, einfach weil sie Frauen sind. Sie sind nur in bestimmten Berufen und nur in bestimmen Bereichen des öffentlichen Lebens vertreten, leisten die meiste Haus- und Pflegearbeit und sind stärker von Armut betroffen. Zwar liegt ein Bericht in dieser kompakten und umfassenden Form - herausgegeben vom Bundesministerium für Frauen und Öffentlicher Dienst - das erste Mal seit 15 Jahren vor, echte Neuigkeiten sehen aber anders aus. Feministische Medien berichten über diese Situation ständig.

Feminismus-Berechtigung für einen Tag

Und obwohl wir natürlich solides Datenmaterial als Grundlage für die Arbeit an einer gleichberechtigten Gesellschaft benötigen, der schale Geschmack einer eintägigen Legitimation für feministische Forderungen lässt sich dennoch nicht beseitigen. Ähnliches kennen Feministinnen vom Frauentag: Die "Lage der Frau" wird mehr oder weniger betroffen zur Kenntnis genommen, eine frauenpolitische Agenda als selbstverständlich erachtet, einzig energischer könnte sie noch verfolgt werden, und überhaupt alles ein Wahnsinn, dass es so etwas im Jahr 2010 noch gibt! Selbst Medien oder PolitikerInnen, die sonst entweder durch Desinteresse glänzen oder mit Häme gegen feministische Forderungen polemisieren, klinken sich zu diesen vereinzelten Anlässen ein. Interesse wird bekundet, Bedauern geäußert, Besserung gelobt.

Mit den Maßnahmen, die für Änderungen notwendig sind, will man aber meist nichts mehr zu tun haben. Geht es um konkrete Forderungen, bleibt von der Empörung nicht mehr viel übrig, das ist dann gleich alles "zu radikal", "schießt über das Ziel hinaus" und überhaupt "erreicht man mit Zwang gar nix". 

An den restlichen Tagen im Jahr bekommen zudem die wenigsten den Zusammenhang zwischen dem alltäglichen Sexismus, den herabwürdigenden Darstellungen von Frauen in Bild und Sprache, den - "nicht böse" gemeinten - Attributierungen der Geschlechter, so und so zu sein und deshalb dies und jenes zu wollen, gebacken. 

Vorerst kein Grund auszuflippen

Neben der offenen Frage nach den politischen Konsequenzen also ein weiterer Grund, warum Feministinnen angesichts eines Berichtes über die "Lage der Frau" vor Dankbarkeit vorerst nicht ausflippen. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 1.6.2010)

Kommentar posten
17 Postings
StandardLeser2
00
19.7.2010, 22:09
für mich ist die 18%-Rechnung nicht plausibel

Dass Männer aggressiver sind und kampfeslustiger, und dies auch beim Gehalt. Das kann ich mir vorstellen.

Aber wie diese 18% berechnet wurden, da fehlt mir jede Vorstellung wie das hat gehen sollen.

mara16
31
Dabei machen die Sozialpartner an der Basis fleißig mit

Aus sicherer Quelle ist bekannt, daß die AK-Rechtsberatung (Mann) einer Frau die Auskunft gab, daß es rechtens sei, daß ein Betrieb einem Mann mehr bezahlen darf als ihr!
Konkret ging es im eine neugeschaffene laufende Zulage, die der Betrieb einem Mann im Sekretariat zuerkennen wollte. Weil er so zuverlässig sei, und Protokolle so super schreiben würde... Der Frau, die eine qualifiziertere Tätigkeit länger innehatte, wurde weder intern noch von der AK Verständnis für mindestens gleiche Bezahlung entgegengebracht. "Wenn Zulagen nicht im KV und nicht in der BV enthalten ist, dann kann der Arbeitgeber unterschiedlich bezahlen, sie haben das zu akzeptieren. Mehr zahlen darf der AG immer, nur weniger nicht". Die AN-Vertretung-männerdominiert!

Der Unkurze
01
21.6.2010, 13:53

offen und ehrlich, wenn jemand gute arbeit leistet, warum sollte man ihm nicht mehr bezahlen?
nur weil sie eine etwas höhere tätigkeit länger inne hat, heißt es nicht, dass sie diese ebensogut erfüllt.
und was für eine zulage war es denn? extrageld für ein gewisses überstundenmaß welches sie nicht erbracht hatte?

mit so geschichten, ob sie nun wahr sind oder nicht, kann man nichts belegen ;)

zwergleviathan
22
joa, die Tante vom Onkel des Bruders einer Freundin hat einen Bekannten der kennt wen der mal gehört hat daß das Unfug ist

aber sie können sicher eine Firma, einen Berater und ein laufendes Gerichtsverfahren nennen in dem die Firma wegen Diskriminierung geklagt wird, oder?

oder irgendetwas anderes greifbares, das nicht darauf basiert daß sie es einfach erzählt haben...

sonst muss ich leider feststellen daß ich der Kaiser von China bin

und viele andere hier wohl auch

Daniil Charms
00

ich hätte gern gewusst, mit welchen mitteln die (doch erheblichen) ausbildungsunterschiede bereinigt werden? in "männerbranchen" werden "männergehälter" gezahlt.

Jesse Custer
14

gar nicht. sobald man anerkennt, dass es nicht nur am ausbildungsgrad, sondern auch am ausbildungszweig liegen könnte (germanistik vs. maschinenbau und friseurin vs. kfz-mechaniker), wären ja plötzlich jene 18% fast vollständig erklärt. sapperlot. dann müssten wir uns doch den tatsächlichen sozialisierten ursachen zuwenden:

-) warum wählen frauen in so hohem maße studien und lehren, die geringe einstiegsgehälter und geringe aufstiegschancen haben? warum spricht niemand aus, dass 2 jahre karenz zu viel ist? warum ist es so selbstverständlich, dass frauen zu hause bleiben? warum sind kinderkrippen so verpönt? warum sind technische studien im vergleich zu z.b. frankreich ein derartiges no-go?
kurzum: das patriachart schimpfen ist einfacher.

Der Unkurze
00
21.6.2010, 13:55

zumindest hierzu habe ich eine theorie:
" warum wählen frauen in so hohem maße studien und lehren, die geringe einstiegsgehälter und geringe aufstiegschancen haben?"

wäre es möglich, das frauen hier einfach etwas wählen, von dem sie glauben dass sie sich eher selbst verwirkliche können? immerhin ist bei ihnen gehalt nicht vorrangig, ernähren muss eh der mann.. (ist zumindest noch in vielen köpfen vorhanden)

dieWolfsmutter
33
Was heißt da überhaupt "Dankbarkeit"?

Auf was hinauf denn? Die Herrschaften Regierenden sind nicht in der Position uns Almosen zu "gewähren" für die wir dankbar zu sein hätten, die stehen in unserem Auftrag!

Setzt endlich das Frauenvolksbegehren um!
Jetzt!

Wieviel Demokratie ist es bitte?
44
Die Einkommensunterschiede sind tatsächlich gewaltig!

Der 26jährige Mark Elliot Zuckerberg, Gründer der berüchtigten Data-Mining-Website "Facebook", besitzt derzeit ein Vermögen von 4,0 Milliarden Dollar und stetig steigend (Wert der Firma, 16 Milliarden Dollar)

Im krassen Gegensatz dazu, ist die 50jährige Sarah Margaret Ferguson - Spitzname "Fergie" -, nach eigener Aussage gegenüber der 56jährigen Multimilliardärin Oprah Gail Winfrey (Talkshow-Moderatorin und Unternehmerin), mittlerweile in der Gosse, ständig besoffen und zu 100% pleite.

Wir sehen da also einen 100%igen Einkommensunterschied von 4 Milliarden Dollar zwischen Zuckerberg (26) und Zero-Dollar-Too-Much-Alcohol-Fergie (50).

Das ist eine Katastrophe!

Was können Frauen tun, um zu verhindern, daß sie enden wie Fergie?

StandardLeser2
00
19.7.2010, 22:10
ich weiß es nicht, ich weiß es nicht

Aber interessiere tät's mich schon!

zwergleviathan
00
16.6.2010, 13:49
tja, wenn man wie sie keinen Beruf erlernt

ist ihr Einkommensunterschied zu einem ausgebildeten Techniker keine Diskriminierung sondern Ausdruck für die Differenz der Qualifikationen

bitte zitieren sie doch selbst, welchen Werdegang sie hinter sich haben, auf ihrer HP stehts ja auch zu lesen...

wenn sie mit DEM CV meinen daß sie besser bezahlt werden müssten als zum KV sind sie nicht nur weltfremd, sondern extrem neidig

zwergleviathan
00
16.6.2010, 14:27
mist, post ist falsch gelandet...

der gehört eigentlich eins höher... sry

Toeris
21

Sonst noch was?

verinus
03

wieso er hat doch recht- auch wenn ers stark überzeichnet dargestellt hat- auf genau diesem niveau wird der gender-pay-gap argumentiert.

korrekte fakten gibts dazu nicht!

Schrumpfschlauch
44
Schweden hat auch 18% Differenz


Kann mir wer die Parallelen erklären?

zwergleviathan
01
HH sagte doch schon

daß ihr die 18% nicht rational erklärbar sind (deswegen müssen diese die Diskriminierung sein)

ich vermute eine Verschwörung der gutverdienenden Statist(iker)innen old-girls die ihre eigene Ahnungslosigkeit angesichts der Zahlen vertuschen wollen und einen Grund brauchen um ihre Jobs mittels Quote zu erhalten

schlechtwetterhahn
00
Dir fehlen 18% auf ...?

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