Grüne fordern Einklagbarkeit von Honoraren

01. Juni 2010 12:23

"Sexarbeiterinnen brauchen Rechte": Prekäre Situation der Prostituierten werde ausgenützt und begünstige Gewalttaten

Wien - Anlässlich des "Internationalen Hurentages" am 2. Juni sieht Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, Handlungsbedarf: "Derzeit können Sexarbeiterinnen nicht einmal den vereinbarten Lohn einklagen, weil ihre Tätigkeit als sittenwidrig gilt." Fehlende Rechte würden  Sexarbeiterinnen in die Abhängigkeit treiben und zudem Gewalttaten begünstigen. "Auch Sexarbeiterinnen sollten Arbeitsverträge abschließen dürfen."

Fehlender Gewaltschutz

Die derzeitige Situation sei unhaltbar, so Schwentner weiter, denn die rechtlich prekäre Situation von Sexarbeiterinnen werde ausgenützt. "In der Prostitution tätige Frauen sind unzureichend vor Gewalttaten geschützt, wie eine aktuelle Mordserie zeigt." In Österreich wurden seit 2005 vier Fälle von Frauenmorden bekannt, die die Polizei mittlerweile in Zusammenhang stellt. Zwei der Opfer waren Sexarbeiterinnen, die Identitäten der beiden anderen sind noch nicht geklärt.

"Lippenbekenntnisse"

Schwentner appelliert daher an SPÖ und ÖVP, ihre Zusagen zur Verbesserung der rechtlichen Situation von Sexarbeiterinnen auch umzusetzen: "Sowohl Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek als auch Staatssekretärin Christine Marek haben sich öffentlich zu einer Stärkung der Rechte von Sexarbeiterinnen bekannt. Doch diesen Lippenbekenntnissen sind bis heute leider noch keine Taten gefolgt."

Wiener Pilotprojekt "verschiebt Probleme" nur

Auch Stadträtin und Frauensprecherin der Grünen Wien Monika Vana schloss sich den Forderungen ihrer Parteikollegin an: "Sexarbeit muss endlich von der Sittenwidrigkeit befreit werden. Nur so ist es möglich, dass rechtlich gültige Verträge abgeschlossen werden können."

Kritik übte Vana an Stadträtin Frauenberger. Diese hat vorige Woche einen 7-Punkte Plan zur Straßenprostitution vorgelegt. "Als Pilotprojekt getarnt, soll Sexarbeit sukzessive aus traditionellen Straßenprostitutionsgebieten wie dem 2. und dem 15. Bezirk verdrängt werden", konstatiert Vana. Und: "Der Plan ist wenig durchdacht und verschiebt Probleme."

Bezüglich Frauenbergers Ankündigung, das Wiener Prostitutionsgesetz zu novellieren, ist Vana skeptisch, dass es in die richtige Richtung gehen könnte. Vana: "Ich höre von der SP-Regierung nichts, was SexarbeiterInnen mehr Rechte bringen würde."

Antrag angekündigt

Die Grünen hoffen deshalb auf eine Unterstützung der beiden Regierungsparteien. "Wir werden daher erneut einen Antrag im Parlament einbringen, der eine Stärkung der Rechte von Sexarbeiterinnen vorsieht", kündigt Schwentner an.

Notwendige Schritte aus Grüner Sicht wären die freie ÄrztInnen-Wahl bei der Gesunden-untersuchung, die Abschaffung der polizeilichen Meldepflicht und die Lockerung der teilweise absurden Verbotszonen und zeitlichen Beschränkungen für Sexarbeit. (red)

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14 Postings
MarioV
15.07.2010 10:57

Allerdings befriedigt Prostitution von jeher 2 verschiedene Typen von Freiern.
Die einen, die es sich direkt holen und dafür zahlen.
Und die anderen, die sich mittels moralischer Empörung begeilen, die zahlen bislang nix.
Ungerecht?

zwergleviathan
07.06.2010 12:25
da Prostitution eine reine Ausbeutung von Frauen ist

gehört diese umgehend verboten und das Verbot mit aller Härte durchgesetzt

weder Freier noch Prostituierte begehen "Kavaliersdelikte" und sollten dahingehend beide hart bestraft werden

jegliche Legitimation spricht der Tatsache Hohn, daß Frauen im Rotlichmilieu entweder als billiges Stück Fleisch missbraucht werden oder als teuer geschminkte Nobelhur3n hübsche Verdienste erwirtschaften die nie versteuert werden

mit den sexuellen Grundbedürfnissen beider Geschlechter darf eigentlich kein Geld verdient werden

btw: die 17jährigen Partyhäschen aus ATVs "Saturday Night Fever" (tausche belangloses Gespräch gegen teuren Cocktail) müsste man als azubi-Nutt3n wohl auch einsperren....

und viele andere weibl. Teenies wohl ebenso...

Nope
20.06.2010 21:42

eine allgemeine Verschleierungspflicht für Frauen würde helfen, meinen Sie nicht?

Ein_Mann
14.06.2010 16:13
Wo sind Sie denn bitte ausgekommen?!

more more
07.06.2010 12:02
Erhalten dann Witwen die Rechnungen für nie konsumierte Leistungen ihrer Ehemänner und zahlen aus Scham trotzdem?

[...]Derzeit können Sexarbeiterinnen nicht einmal den vereinbarten Lohn einklagen, weil ihre Tätigkeit als sittenwidrig gilt[...]
Und das ist gut so.
1)Ist das kein praktisches Problem: vorher zahlen
2)Ist es gefährlich, wenn diesem Milieu juristische Waffen in die Hand gegeben werden.
Man sieht, was es schon alleine im Bereich Pornografie für Mißbräuche gibt.
Da werden (vorrangig alte bzw. verheiratete) Leute, die angeblich etwas bestellt haben, mit Klagen bedroht, damit sie um des lieben Friedens willen zahlen.
Bewusst wird damit gespielt das die Leute Angst vor den Reaktionen ihres sozialen Umfeldes haben.

Klar, dass die Prostitutionsbranche ebenfalls in dieses lukrative Geschäft einsteigen möchte.
Aber das muss verhindert werd

Joe Frost
02.06.2010 11:40
Grünes Stagnieren - Minderheiten und moralisierend

Dieses Engagement zeigt mE sehr schön, warum die Grünen bei den Wahlen der letzten Monate "stagnieren":
Man hat den Eindruck, dass gr. Parteipolitik im Wesentlichen im Befriedigen von Minderheitenanliegen besteht (dieses hier, Rechte von sexuellen, ethnischen und sonstigen Minderheiten, betroffene Anrainer von Bauprojekten, lärmgeplagte Anrainer von Schanigärten uvam). Darüberhinaus ist in jenen Fällen, wo es um Anliegen von wirklich allgemeinem Interesse geht, zumindest die Rhethorik sehr moralisierend und vermeidet oft ein Einlassen auf die Sachebene.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die jeweiligen Einzelanliegen wie dieses hier, nicht auch ihre Berechtigung haben, als Gesamtparteilinie ist es aber etwas zu wenig.

a grünes stricherl
 
02.06.2010 18:59
tschuldigens aber

genau das ist eine der kernkompetenzen der grünen

sich für schwache und minderheiten einzusetzen.

daran gibts absolut nichts auszusetzen.

an den grünen gibts sicher einiges zu kritisieren, aber DAS sicher nicht.

dieWolfsmutter
02.06.2010 13:43
Die Grünen

kommen Basisdemokratie noch am nächsten. Die lösen zwar keine Revolutionen aus (die "großen" Parteien genausowenig) aber gehen mit vielen kleinen Schritten längere Wege, behaupt ich mal.

Ein_Mann
14.06.2010 16:22

Bis vor kurzem hätte ich Ihnen zugestimmt. Nach der Frauenübernahme der Grünen sehe ich leider keine Basisdemokratischen Tendenzen mehr, wenn Dinge wie bei der EU-Wahl passieren, wo Voggenhuber nicht einmal antreten durfte, weil man Angst hatte, er könnte über Vorzugsstimmen (demokratisch gewählt, klingelts?) gewinnen. Und das ist unabhängig davon, dass der Herr sehr viel auf sich selbst halten dürfte.

Oder wie Dönmez, der meinte: "Die Frauen in unserer Partei sind auf jeden Fall alle hoch engagiert und qualifiziert. Brüste zu haben reicht bei den Grünen nicht als Qualifikation." (pro Frauen!) - worauf sich Stoisits entblödete: Dönmez sei "einiges entgangen. Er ist nicht auf der Höhe der Zeit." (Mitdenken: glattes Nicht genügend!)

G e o r g
02.06.2010 13:23

Tja, bei so vielen Minderheiten muss ja jeder irgendwo dabei sein. ;-)

Aber im Ernst: Nur weil die Grünen oft die einzigen sind, die solche Themen ansprechen, heißt das nicht, dass sie zu anderen Themen nichts sagen. Und meist ist die Unterscheidung in Minderheiten- und Mehrheitsthemen sowieso Unsinn.

Der Unkurze
03.06.2010 12:56

naja als typisch österreichischer mann gehört man keiner minderheit an obwohl jeder andere dies anscheinend tut gg

aber ich finds gut das die grünen das ansprechen, so oft ich auch denke dass sie sich in unnütze dinge verlaufen, aber hier gehört endlich gerechtigkeit geschaffen und das tabu aufgehoben

Roter Baron
02.06.2010 10:22
köstlich

kunde (das testosteron quillt ihm bereits durch die kopfhaare und bei den augen raus): und können wir ?

sexarbeiterin: zuerst wär das noch der vertrag zu unterfertigen hier, hier und hier, dann müsste ich noch kurz den meldezettel sehen, und einen ausweis bitte und achja, eine stuhlprobe brauchma auch noch....


roter baron

Samthand Schuh
02.06.2010 01:11
Freiheit für Sklavinnen

Mit der Grundhaltung unser Gesellschaft wird es noch lange dauern, bis Sex-Anbieterinnen anderen normal Beschäftigungten rechtlich gleich gestellt werden. Leider haben zu viele einen zu großen Nutzen daran, wenn so bleibt, wie es ist. An der billigen, einschlägigen Verwendung dieser Frauen, werden weiterhin Männer gefallen finden und jede Besserung blockiern. Näheres pointiert auf http://adamsgarten.wordpress.com

ernst-rosmer
 
02.06.2010 00:20

"Einklagbarkeit von Honoraren" - ist generell richtig. Gilt auch für vom Staat beauftragte Firmen und zwar innerhalb von Zeiträumen, die den Auftragnehmer NICHT in Schwierigkeiten bringen.

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