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Rebecka Milestad erforscht "Farming Systems".
Österreich hat es Rebecka Milestad angetan - die promovierte Landwirtin aus Stockholm kommt immer wieder hierher. Neben dem Umstand, dass ihr Mann von hier stammt, sind es vor allem die vielen Bio-Bauern, die sie ins Land der Berge ziehen. In diesem Semester kehrte sie als Vortragende an das Institut für ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur zurück, an dem sie schon ein Jahr als Erasmus-Studentin verbrachte und ein weiteres als Postdoc.
Landwirtschaft hat sie immer interessiert: In ihrem Abschlussjahrgang im Gymnasium war sie die Einzige, die das Fach auch als Studium wählte. Bauern bewundert sie - sowohl für ihr Wissen als auch dafür, dass sie Nahrung und Landschaften schaffen, sowie für andere Dinge, die sie der Gesellschaft geben, wie die Erhaltung kulturellen Erbes oder die Bereitstellung von Erholungsmöglichkeiten. Und da sie selbst keine Bäuerin sein konnte, tat sie "das Nächstbeste" - Landwirtschaft studieren. Während des Studiums galt ihr Hauptaugenmerk dem ökologischen Landbau, mittlerweile sieht sie sich als "ländliche Soziologin mit interdisziplinärem Ansatz".
Der kommt auch in ihrem Engagement für "Farming Systems" zum Ausdruck. Bei diesem Konzept werden nicht einzelne Teile der landwirtschaftlichen Produktion akademisch betrachtet, sondern Ziel ist, den jeweiligen bäuerlichen Betrieb als Ganzes zu erfassen: Das bedeutet einerseits, ihn als Teil komplexer Zusammenhänge zu sehen, zu denen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Klima, Anbaupflanzen und Tierbestand ebenso gehören wie Landwirtschaftspolitik, Markt und gesellschaftliche Akzeptanz.
Andererseits heißt es aber auch, dass die Landwirte und die Mitglieder ihres Betriebes (und des dazugehörigen Haushaltes) in die Forschung einbezogen werden: Ihr Wissen soll ebenso einfließen wie ihre Wünsche, Ziele und Sorgen, die eine wesentliche Rolle dabei spielen, wie offen sie gegenüber neuen Ideen oder Technologien sind. Diesen realitätsnahen Ansatz findet Milestad wichtiger als die "reine" Wissenschaft: "Wir haben Probleme zu lösen." Unter anderem den Klimawandel und eine mögliche Energiekrise, wenn das billige Erdöl ausgeht; wie unter diesen Umständen eine nachhaltige Nahrungsproduktion aufrecht erhalten werden kann, ist eines ihrer Hauptinteressen.
In Schweden betreut sie derzeit ein Projekt zu "Ökologischer Landwirtschaft und regionaler Entwicklung", und an der Universität für Bodenkultur hält sie gemeinsam mit einer Kollegin einen Kurs zu diesem Thema.
In Wien wird sie auch von 4. bis 7. Juli sein, und zwar in ihrer Funktion als Mitglied des Steuerungsausschusses der International Farming Systems Association (IFSA) Europe. Diese veranstaltet alle zwei Jahre eine Konferenz, bei der Wissenschafter und Praktiker aus allen Sparten der Landwirtschaft aufeinander treffen. Heuer findet das Symposion an der Universität für Bodenkultur statt.
Gegen einen eigenen Bauernhof hätten wohl auch ihre beiden Kinder nichts einzuwenden, aber mit sechs bzw. drei Jahren interessieren sie sich mehr für die Tiere, die sie dort halten könnten, als für Pflanzen. Rebecka Milestad hat sich hingegen letztes Jahr in Stockholm einen Schrebergarten zugelegt, wo sie dem biologischen Gemüse-Anbau frönt. Und weil sie sich auch auf diesem Gebiet weiterentwickeln will, hat sie kürzlich einen Kurs in Permakultur belegt. Das ist die Kunst, Nahrung unter Verwendung erneuerbarer Energien und in naturnahen Stoffkreisläufen zu erzeugen. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6. 2010)
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