Tirol

Opferschutzeinrichtungen besorgt um Kinderwohl

23. Juni 2010, 11:15

Frauen, die sich gegen gemeinsame Obsorge entscheiden, hätten "gute Gründe"

Auf Anregung von Justizministerin Bandion-Ortner wird derzeit eine Verschärfung der Obsorgeregelung diskutiert und am 24. Juni findet dazu eine parlamentarische Enquete unter dem Titel "Konflikten konstruktiv begegnen - Aktuelle Herausforderungen im Familienrecht (Obsorge und Unterhalt) statt.

Auch wenn Details dazu noch unklar sind, mahnen die drei Opferschutzeinrichtungen Kinderschutzzentrum, Tiroler Frauenhaus und Gewaltschutzzentrum zur Vorsicht.

Eine Verschärfung der Obsorgeregelung im Sinne einer verpflichtenden gemeinsamen Obsorge für verheiratete, aber auch nicht verheiratete Paare sei unter Berücksichtigung des Aspekts von häuslicher Gewalt untragbar und höchst gefährlich für die Opfer, betonen die Einrichtungen: "Und diese sind im Bereich der häuslichen, familiären Gewalt überwiegend und statistisch nachweisbar Frauen und Kinder."

Kinder als Zielscheibe und ZeugInnen von Gewalt

Gewalt gegen Frauen gehe sehr oft mit Kindesmisshandlung einher: "In 70 Prozent der Fälle, in denen die Frauen misshandelt wurden, werden die Kinder auch direkt körperlich, psychisch und oder sexuell misshandelt." 100 Prozent der Kinder, die in einem Frauenhaus leben, seien von indirekter, beobachteter Gewalt betroffen, indem sie zu ZeugInnen der Gewaltanwendungen an ihrer Mutter wurden. Sie mussten mit anhören oder mit ansehen wie ihre Mutter gedemütigt, beschimpft, beleidigt, geschlagen, getreten, mit Waffen verletzt, vergewaltigt und zu nicht gewollten sexuellen Handlungen genötigt wurde.

Im Tiroler Gewaltschutzzentrum wurden im Jahr 2009 947 (mit)betroffene Kinder als ZeugInnen bzw. Opfer häuslicher Gewalt statistisch erfasst. Im Tiroler Kinderschutz fanden im Jahr 2009 allein 1.851 Beratungskontexte zur sexuellen Gewalt an Kindern und Jugendlichen statt. Auch dabei sind Kinder von mehreren Gewaltformen betroffen.

Unversehrtheit vor Väterrechten

Die Zeit der Trennung und danach sei die gefährlichste Zeit für Frauen und Kinder: "Das geht aus zahlreichen Untersuchungen hervor", erklären die Einrichtungen, "es darf daher aus Sicherheitsgründen keine automatische gemeinsame Obsorge geben."

Die Einrichtungen vertreten den Standpunkt, dass eine automatische gemeinsame Obsorge für gewalttätige Väter niemals im Sinne Kindeswohls sein könne und urgieren gegen die Ausweitung von Rechten ohne Ausgleich der Pflichten: "Täter degradieren sich auch als Väter. Auch wenn er - und das wird oft als Argument gebracht -'nur' seine Frau misshandelt hat. Das Wohl des Kindes muss Vorrang haben vor dem Recht des Vaters auf das Kind."

Beibehaltung der jetzigen Regelung

Zu den gerichtlichen Kriterien bei Obsorgeentscheidungen zähle auch der Grundsatz der gewaltfreien Erziehung und die Erziehungsfähigkeit: "Wir fordern die Beibehaltung der derzeitigen Obsorgeregelung, die sehr praktikabel und gut bewährt ist." In Familien, wo keine Gewaltdynamik vorhanden wäre, entschieden sich ohnehin 80 Prozent der Betroffenen zur gemeinsamen Obsorge. (red)

 

 

 

Kommentar posten
16 Postings
Horst Schmidt
22
28.6.2010, 21:51
Offziell bestätigt ist,

daß Frauen ihre Kinder öfter prügeln als Männer.
Warum also hat das prügelnde Geschlecht die automatische Obsorge?

Johannes St.
 
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Sie verdrehen da etwas ziemlich

nämlich die Täter/Geschlechter-Beziehung!!!

A.B. Artig
 
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Kommt "sehr" drauf an, welche schwindliche studie Sie zitieren. Offizielle bkastatistik sagt was andres. Die Kinderschutzzentren uebrigens auch.

Thomas Felder1
00
22.7.2010, 18:27

öfter nicht, aber fast genauso oft
meint zumindest das dt. BKA

luxustier
00
28.6.2010, 14:21
es kann doch nicht

sein, daß automatisch die verbindung obsorge mit prügelvätern kommt. Niemand will für prügelnde väter eine gemeinsame obsorge.
und leider ist es realität, daß das besuchsrecht (oder das nicht gewähren davon) zu mehr oder weniger lustigen spielchen verwendet wird.

Schrumpfschlauch
10
25.6.2010, 08:44
Na "Du wirst die Kinder nie mehr wiedersehen" entfällt dann wenigstens


Die darauf folgenden, auf Emotionen basierenden Gewalttaten auch.

A.B. Artig
 
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Die vielen Morde an Frauen und Kindern aber net.

Jesse Custer
00
23.6.2010, 13:51
...entschieden sich ohnehin 80 Prozent der Betroffenen zur gemeinsamen Obsorge

das heisst also, dass wir - ohne viel federlesens - ein fuenftel der vaeter von der obsorge ausschliessen.

interessanter ansatz.

A.B. Artig
 
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Koennens lesen? Dieses fuenftel gehoert hochprozentig zu den Gewalttaetern.

Jesse Custer
02
wer lesen kann ist klar im vorteil

"In Familien, wo keine Gewaltdynamik vorhanden wäre, entschieden sich ohnehin 80 Prozent der Betroffenen zur gemeinsamen Obsorge."

net g'scheit lesen und angriffig werden ist keine gute kombination, so abartig man auch sein mag.

A.B. Artig
 
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Was sagen Sie jetzt anderes aus als ich?
80% der Familien sind vermutlich gewaltfrei. Und die 20% die das gemeinsame Sorgerecht nicht haben, haben triftige Gruende.

P.s. Da laeuft auch die vaterverbot- argumentation auch ziemlich ins Leere: wenn 80% die Erziehung gemeinsam schaffen, koennen wohl nicht 99,9% der Frauen nur boes und geldgierig sein...

suga belly
00
22.7.2010, 12:02
hehehe

du kapierst es echt nicht...

naja, das kommt dabei raus, wenn man eine persönliche meinung (oder ein vorurteil) versucht als objektiv richtig darzustellen.

Sambapati
02
24.6.2010, 06:26
diese Prozent sind auch gerechtfertigterweise ausgeschlossen

Jesse Custer
00
24.6.2010, 08:25

und warum nun genau? das muessens mir bitte erklaeren.
also auch in allen familien ohne die beruechtigten pruegelvaeter sind noch imme 20% maenner, denen man gemeinsame obsorge a priori nicht zutrauen kann?

Sambapati
01
24.6.2010, 10:37
nein, nein

a priori NICHT - wenn diese komplexen Konstellationen nun in einem Posting schon definiert werden sollen, versuche ich es so: Die Verbindung zwischen den beiden Elternteilen kann sich bei gemeinsamer Wahrnehmung der Pflege und Verwaltung des Kindes auf dieses negativ auswirken. OHNE dass einer schuld sein muss. Kann auch an der Frau liegen - im Sinne des Kindeswohls auch egal. Bsp. die Expartner können beide Supereltern sein, aber einer ist total eifersüchtig auf einen Neuen und bringt das Kind gegen den (aber vorhanden) auf und alle haben Stress. Es gäbe tausende Beispiele, die so simpel sind aber konkret sich schlecht auf die Kinder auswirken. Beide Eltern müssen bez. des Kindes auf gleicher Linie sein, es muss gleich viel dürfen und

Sambapati
00
24.6.2010, 11:57

bekommen

so und ab jetzt gibt´s von mir nichts mehr gratis dazu

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