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Der Weg zum Erfolg ist bei allen porträtierten Frauen - unter ihnen die Verlegerin der Washington Post, Katherine Graham - geprägt durch hohe Zielstrebigkeit, eisernen Willen, Optimismus, Unbefangenheit, eine gesunde Portion Naivität und den Mut, sich über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen.

Vom bürgerlichen Ideal der Hausfrau und Mutter geprägt, führten viele Frauen Geschäfte zunächst nur an der Seite ihres Mannes, später übernahmen sie dann Betriebe mit oder von ihren Gatten. Eine von ihnen: Maria Bogner.

C. Lanfranconi/A. Meiners
"Kluge Geschäftsfrauen"
Elisabeth Sandmann Verlag, 2010
160 S., 25, 70 Euro
ISBN 978-3-938045-22-0
Mit zwölf Tiegeln Hautcreme als Aussteuer reiste die 18-jährige Helena Rubinstein Ende des 19. Jahrhunderts von Polen nach Australien - und kehrte als reiche Geschäftsfrau nach Europa zurück. Die Amerikanerin Brownie Wise stieg dank ihrer innovativen Hauspartys in wenigen Jahren von der freiberuflichen Verkäuferin zur Vizepräsidentin bei Tupperware auf. Haute-Couture-Lady Coco Chanel steht bis heute als Synonym für Luxus und Geschmack in der Modewelt. Katharine Graham führte nach dem Selbstmord ihres Mannes als eine der mächtigsten Frauen der USA die "Washington Post" weiter. Und Beate Uhse gründete als "Unternehmerin der Lust" ein deutsches Firmenimperium.
22 Porträts und faszinierende Lebensgeschichten präsentieren Claudia Lanfranconi und Antonia Meiners in ihrem Bildband "Kluge Geschäftsfrauen". Die Idee zum Buch stammt von Elisabeth Sandmann, deren gleichnamiger Verlag sich bereits mit anderen, beeindruckend gestalteten, Großformaten über Frauenleben einen Namen gemacht hat. Die Autorinnen wählten erfolgreiche Frauen verschiedenster Epochen quer durch alle Branchen aus. "Geschäftsfrauen müssen eigenständige Persönlichkeiten sein", sagt Co-Autorin Antonia Meiners. "Ob bekannt oder nicht, ist stark branchenabhängig. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts finden sich die meisten erfolgreichen Geschäftsfrauen in frauentypischen Branchen wie Mode und Kosmetik, denn mit diesen Themen befassten sich Männer kaum." Bei einigen Frauen wie Marion Donovan, der Entwicklerin von Windeln mit Papiereinlagen, ist heute auch nur mehr deren Innovation ein Begriff, die Erfinderin ist in Vergessenheit geraten.
Den Anfang der Erfolgsgeschichten macht Madame Tussaud, die als Witwe mit der Herstellung von Wachsfiguren im 18. Jahrhundert für Aufsehen sorgte. "Sicher gab es auch davor schon erfolgreiche, aber wenig bekannte Geschäftsfrauen. Man denke nur an Handwerkerwitwen, die den Betrieb ihres Mannes weiterführten", sagt Meiners. "Dies war damals jedoch nur nach einer erneuten Heirat erlaubt - ein Mann war sozusagen vorgeschrieben." Vom bürgerlichen Ideal der Hausfrau und Mutter geprägt, führten viele Frauen Geschäfte zunächst nur an der Seite ihres Mannes, später übernahmen sie dann Betriebe mit oder von ihren Gatten.
Mit ihren eigenen Konzepten und Produkten richtig bekannt wurden kluge Geschäftsfrauen etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als Frauen in der Gesellschaft mehr und mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit erlangten und in bisher verschlossene Bereiche der Bildungs- und Berufswelt vordrangen. In Europa trugen zudem Erfahrungsberichte über mutige Frauen aus den USA zu mehr Tatkraft bei. Die Ausbildung spielte für den Erfolg ihrer Ideen bei wenigen Frauen eine Rolle. Die meisten lernten sich die dafür nötigen Kenntnisse im Selbststudium an oder hatten eine Naturbegabung für die jeweilige Sache.
Der Weg zum Erfolg ist bei allen porträtierten Frauen geprägt durch hohe Zielstrebigkeit, eisernen Willen, Optimismus, Unbefangenheit, eine gesunde Portion Naivität und den Mut, sich über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen: "Sie konzentrieren sich auf eine einzige Sache, widmen dieser ihre völlige Aufmerksamkeit und ignorieren alles, was sie von ihrem Ziel abbringen könnte. Mögliche Schwierigkeiten stellen sie sich gar nicht erst vor", so Meiners.
In der Geschäftswelt würden Businessfrauen generell als einfühlsamer gelten als ihre Kollegen, "jedoch nicht immer die ganz erfolgreichen". So sei Coco Chanel zwar vor ihrem Aufstieg selbst sehr arm gewesen, für die sozialen Probleme und den Streik der ArbeiterInnen in ihren Werken habe sie aber kein Verständnis gehabt. Aenne Burda sei als "schlimme Chefin" bekannt gewesen, Beate Uhse hingegen geradezu fürsorglich mit ihren persönlichen MitarbeiterInnen umgegangen.
Netzwerke trugen erheblich zum Fortkommen der Frauen bei, Männer unterstützten sie häufig bei der Umsetzung ihrer Ideen, sagt Meiners: "Sie waren nicht von ihnen abhängig, aber sie schätzten deren Unterstützung. Viele der porträtierten Frauen hatten Gatten, Partner oder Freunde an ihrer Seite, auf die sie sich verlassen konnten, die ihnen teilweise auch finanzielle Starthilfe gaben."
Studien hätten ergeben, dass Frauen dazu tendieren, bei einer Existenzgründung mit möglichst wenig Fremdkapital auszukommen, so die Autorinnen. Die Porträts der Frauen zeigen, wie unter schlechten Startbedingungen, mit wenig Startkapital und nur mit einer guten Geschäftsidee als Sicherheit im Gepäck ein Millionenunternehmen entstehen kann. Persönlicher Einsatz steht dabei über allem - der dann aber auch reichlich belohnt wird. Das wusste schon Tupperware-Verkaufsleiterin Brownie Wise potenziellen neuen Verkäuferinnen zu vermitteln: "Wenn du einen Pelzmantel möchtest, einen Anbau realisieren willst, ein neues Auto brauchst ... dann ist der nächste Schritt, vierzig Stunden auf deinem Stundenplan einzutragen und durchzustarten." (isa/dieStandard.at, 8. Juli 2010)
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Man sollte gerade bei Coco Chanel nicht verschweigen, dass sie den Einmarsch der Nazis in Frankreich benutzte, um sich ihrer jüdischen Geschäftspartner zu entledigen (und so ihren eigenen Anteil von 10% auf 100% zu vergrößern).
Zu diesem Zweck ging sie mit Nazis ins Bett.
"Zielstrebigkeit, eisernen Willen, Optimismus, Unbefangenheit, eine gesunde Portion Naivität und den Mut, sich über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen" ist wohl bei erfolgreichen Männern wie Frauen besser formuliert als: Selbstüberschätzung, Ausblenden jeglicher Moral, Opportunismus bis zur Vermarktung des eigenen Körpers.
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