Verfolgung Homosexueller

Stummes Schreien

02. Juli 2010 16:24

Gedenken an die Verfolgung sexueller Minderheiten im Dritten Reich - Temporäres Kunstprojekt im öffentlichen Raum

Wien - Sie bluten aus den Ohren, ihr Blick ist starr, der Mund weit aufgerissen, würgend und schreiend. So sehen die Menschen auf jenen Bildtafeln aus, die am Morzinplatz im ersten Wiener Bezirk auf zwölf meterhohe Holzstäbe montiert sind. Im Rahmen einer temporären Kunstaktion soll das Projekt der Kärntner Künstlerin Jasmin Doujak an die Verfolgung sexueller Minderheiten im dritten Reich erinnern. Bei der Eröffnung am Freitag sprach Antidiskriminierungs-Stadträtin Sandra Frauenberger von "einem nachdenklichen, aber kräftigen Gedenken gegen Hetze, Hass und Stigmatisierung".

Bereits 2006 hätte am Morzinplatz, dem einstigen Standort der Gestapo-Leitstelle, ein Mahnmal für homosexuelle und transgender Opfer des Nationalsozialismus entstehen sollen. Das mit einem Wettbewerb ausgeschriebene Projekt "Rosa Platz" von Hans Kupelwieser konnte jedoch aufgrund der Tiefgarage unter dem Platz technisch nicht umgesetzt werden; auch ein zweiter Entwurf des Künstlers war nicht realisierbar. Nach einer Idee der Kunsthallen-Initiative "Kunst im öffentlichen Raum" (KÖR) soll der Platz nun "bis zur Auslosung eines neuen permanenten Denkmals temporär von nationalen und internationalen KünstlerInnen bespielt werden", so der Kurator Matthias Herrmann.

Statisches Mahnmal mit Beweglichkeit

Drei Monate lang sollen jeden Freitag um 17 Uhr zwölf Freiwillige jeweils eine Stunde lang die Bildtafeln präsentieren. So soll ein statisches Mahnmal durch eine temporäre Mahnwache ersetzt und sowohl Beweglichkeit als auch die menschliche Komponente direkt miteinbezogen werden, so Herrmann. Das Motiv, schreiende Menschen auf kornblumenförmigem, blauem Hintergrund, hat eine besondere Bedeutung. Laut Herrmann soll Blau die Lieblingsfarbe und die Kornblume die Lieblingspflanze Hitlers gewesen sein. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny betonte bei der Eröffnung, dass das Projekt nicht nur zum Gedenken und Erinnern dient, "sondern dass es auch ein Zeichen für Offenheit in der Gegenwart darstellt".

Erinnern als Prozess

Die Künstlerin Ines Doujak begreift Gedenken und Erinnerung als einen nicht abgeschlossenen, sondern stets auf Erneuerung und Veränderung basierenden Prozess. Demzufolge begegnet die Künstlerin dem Gedenken mit einer Mahnwache und schafft damit ein Projekt, das sich durch Beweglichkeit auszeichnet. (APA/red)

Ar Mutschgerl
03.07.2010 10:36
Zeitplan?

Jahrelang forderten die Grünen ein Homo-Mahnmal.
Vor der letzten Wahl erbarmte sich Mailath-Pokorny und schrieb einen Wettbewerb aus, der schließlich (mit sanftem Druck des Rathauses) für einen der SPÖ genehmen Entwurf positiv ausging.
Dann kamen die (angeblichen) Schwierigkeiten in der Umsetzung des Orginalentwurfs und des Alternativ-Vorschlags.
Jetzt hat M-P erkannt, dass er so kurz vor der Wahl keinen neuen Wettbewerb mehr ausloben kann, dass die mediale Verbreitung keine positive Auswirkung mehr auf die Wahl hatte und ließ verkünden, dass es in fünf Jahren (pünktlich zur nächsten Wahl) wieder einen Wettbewerb geben soll.
Damit die Wähler weiterhin gepflanzt werden können.
Zehn Jahre hat die SP nix getan.

alcharismi
 
02.07.2010 16:48
Jasmin? Ines?

Ines sollt's wohl sein.

Die Gezeichneten
02.07.2010 16:40

Eine gute Sache!

Richard Ebner
02.07.2010 16:31
Bis zur Ermordung von Röhm 1934 ...

... war ja eine nicht geringer Teil der Naziszene selber in der Schwulenszene unterwegs. Schwule waren also nicht nur unter den Opfern, sondern auch unter den Tätern.

Heiner Bussy
10.07.2010 23:43

Und Hitler?

Fon
03.07.2010 11:38
Super Analyse

Aber es waren doch die Nazis, ob schul oder hetero, die Homosexuellen verfolgt haben. Das Problem ist also ganz deutlich, wenn man bei klaren Verstand ist, dass die Nazis die Verbrecher sind und nicht die Schwulen. Ausschlaggebend für Schwulenhatz und Genozid ist nicht die sexuelle Orientierung eines Menschen, sondern seine politische Gesinnung. Der deutsche Neonazi Patrik Kühnen war auch schwul. Heißt das jetzt, dass alle Schwulen, die in Deutschland diskriminiert werden, auch eine "Täterverantwortung" wegen eines rechtsradikalen Idioten haben, der zufällig ihre sexuelle Orientierung hat. Also ihre Logik möcht ich einmal verstehen.

Igor Gassner
03.07.2010 22:09
Das stimmt schon ein wenig die

Männerbündischen Strukturen neigten zur Homophilie. Die gesamte Skulpturkunst spiegelte das auch in gewisser weise wieder.
Es war ja auch die Gruppe um George aus der der Wiederstand der Stauffenberggruppe hervorging in einem sehr geistigen Sinn homoerotisch orientiert. Das gibt dem Satz Es lebe das geheime Deutschland gleich einen anderen Sinn.

xv22
02.07.2010 17:19
Bleibt die Frage,

Ob die Verfolgung oder die Täterschaft von Homosexuellen systemimmanent war.

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