Preise an Gitta Martl, Heidi Schrodt und "ihr" Gymnasium Rahlgasse sowie den Verein "Frauen aus allen Ländern"
Der Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung geht heuer an Frauen und Fraueneinrichtungen. Der Preis wurde Gitta Martl, der langjährigen Generalsekretärin des Vereins Ketani, Direktorin Heidi Schrodt und "ihrem" Gymnasium Rahlgasse in Wien und dem Verein "Frauen aus allen Ländern", Kultur -, Bildungs- und Beratungsinitiative in Innsbruck, zugesprochen.
Die Jury unter ihrem Vorsitzenden Manfried Welan hat die Preisträgerinnen dieses Jahres aus 74 Einreichungen ausgewählt. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wird die Preise im Herbst im Rahmen eines Festakts im Parlament überreichen.
Der Demokratiepreis ist mit 15.000 Euro dotiert, die auf die Ausgezeichneten zu gleichen Teilen aufgeteilt werden. Er wird heuer, zum 100. Geburtstag der 1999 verstorbenen Margaretha Lupac, bereits zum 5. Mal verliehen. Er wird alle zwei Jahre, alternierend mit dem Lupac-Wissenschaftspreis, ausgeschrieben.
"Sinti-Frauen erzählen"
Gitta Martl hat aufgrund persönlicher Erfahrungen im Jahr 1998 den Verein Ketani für Sinti und Roma in Linz mitbegründet. Ihre persönliche, tragische Lebensgeschichte hat sie im Buch "Uns hat es nicht geben sollen: Rosa Winter, Gitta und Nicole Martl. Drei Generationen Sinti-Frauen erzählen" veröffentlicht. Mit unglaublichem Engagement hat sie vielfältige Aktivitäten zur Minderheitendemokratie geleistet. Dabei stand stets das Miteinander zwischen Bevölkerungsgruppen im Mittelpunkt und nicht die Polarisierung.
Geschlechtssensible Koedukation
Direktorin Heidi Schrodt und das Gymnasium Rahlgasse zeichnen sich durch besondere Leistungen zur Geschlechterdemokratie aus. Die Schule versteht sich als aktive Produzentin aktueller Geschlechterverhältnisse, als "GenderKompetenz-Schule", und legt ihre Schulschwerpunkte auf Geschlechterfragen, Sozialkompetenz und Umwelt.
Auch ihre eigene Biografie unterstreicht das Interesse und das Engagement für Genderfragen. So war sie zwischen 1993 und 1995 Mitglied der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Behandlung der frauenspezifischen Fragen im Bereich des Unterrichtswesens. Seit Herbst 2000 verfolgt sie eine Kooperation mit den beiden Wissenschaftlerinnen Edit Schlaffer und Cheryl Benard zum Thema "geschlechtssensible Koedukation". Neben Lehraufträgen an österreichischen Universitäten und zahlreichen Vorträgen im In- und Ausland gründete Heidi Schrodt die parteiunabhängige Bildungsinitiative "BildungGrenzenlos".
2001 wurde der Verein "Frauen aus allen Ländern" als Kultur-, Bildungs- und Beratungsinitiative für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund gegründet. Ziel des Vereins ist es, durch zielgruppenspezifische Angebote Integration zu erleichtern sowie einen geschützten Begegnungsraum für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Das Projekt umfasst einen besonderen Minderheitenschutz, indem es aktive, lebenspraktische Hilfe für die betroffenen Frauen durch diverse Bildungsangebote sowie Lern-, Beratungs- und "Erzählcafes" anbietet. Der Aspekt der Partizipation durch Unterstützung der Entscheidungskompetenz der Frauen und Mädchen und die Aufhebung von Isolation gehören zum Angebot des Vereins. (red)