Scheidungs-Ratgeber für Frauen

"Ein Hausfrauendasein birgt das größte Risiko"

7. Juli 2010, 07:00
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    foto: linde verlag

    Helene Klaar, "Scheidungs-Ratgeber für Frauen", Linde Verlag, Wien 2010, 400 Seiten, ISBN: 978-3709302613, EUR 24, 90

Eine überarbeitete Fassung des erfolgreichen Buches "Scheidungs-Ratgeber für Frauen" von Anwältin Helene Klaar ist erschienen

Vor sechs Jahren erschien Helene Klaars "Scheidungs-Ratgeber für Frauen" zum ersten Mal. Der Bedarf ist offenkundig, die erste Auflage ist mittlerweile ausverkauft. Ein weiterer Anlass für die überarbeitete Neuauflage sind einige gesetzliche Änderungen, beispielsweise im Gewaltschutzgesetz, bei der eingetragenen PartnerInnenschaft oder bei der Rechtsprechung beim EhegattInnenunterhalt, die im Ratgeber ergänzt wurden. 

Helene Klaar gilt als Expertin in Sachen Familienrecht, sie ist seit 1976 als selbstständige Rechtsanwältin in Wien tätig. "Ich habe das Buch gerne geschrieben", so Klaar im Vorwort des Ratgebers, "dennoch ist es kein heiteres Buch geworden." Zwar schließen mittlerweile viele den Fall einer Scheidung nicht mehr völlig aus, "dass sich der Partner wie ein Schwein verhält", können sich aber die meisten nicht vorstellen, so die Juristin beim Pressegespräch am Dienstag. Klaar gibt auch zu bedenken, dass wir uns in weniger frauenfreundlichen Zeiten befinden als in den 70ern. Mit der Reformierung des Familienrechts 1976 bis 1978 hat die Gesetzeslage die gesellschaftliche Realität überholt. So muss seit dem für beide PartnerInnen Erwerbstätigkeit möglich sein und auch die "gut versteckte Regelung", so Klaar, dass beide gleichermaßen für die Hausarbeit zuständig sind, gibt es bereits seit Ende der 70er. An der Umsetzung in der Realität hapert es aber auch noch 30 Jahre später. In einer Familie mit zwei Kindern leisten Frauen fünf Stunden Haus- und Versorgungsarbeit, Männer eineinhalb Stunden, zitierte Klaar aus einer Studie. "Will eine Frau da noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, darf sie sonst keine Ansprüche mehr an das Leben stellen". Von Frauen werden die Konsequenzen einer Erwerbslosigkeit oft nicht rechtzeitig realisiert, so die Autorin. "Die Nachteile einer ungleichen Aufgabenverteilung trägt im Falle einer Scheidung allein die Frau". 

Informationen sollen vor Illusionen bewahren

Exakte Information hält Klaar daher für besonders wichtig, nicht zuletzt um vorschnelle Illusionen über das Leben nach der Scheidung aus dem Weg zu räumen. Die Probleme, die sich mit einer geringen oder mit gar keiner Erwerbstätigkeit für Frauen im Falle einer Scheidung ergeben, werden durch gesetzliche Regelungen, die so tun, als "ob bereits Gleichberechtigung herrsche", nicht abgefedert. Kleine Pensionen und finanzielle Unsicherheit sind die Folge, Unterhalt wird nur mehr in seltenen Fällen gezahlt. Die Bedingungen, "schuldlos" geschieden zu werden oder keinen Lebensgefährten zu haben, werden selten erfüllt, Klaar: "Es herrscht die allgemeine Meinung, wenn gestritten wird, werden schon beide schuld sein, die jungen Richter wollen da nicht genauer hinschauen."

Die Existenz als Vollzeithausfrau wird von der Anwältin summa summarum als das größte Problem im Scheidungsfall genannt, "durch eine Ehe ist man nicht ausreichend gesichert, das Hausfrauendasein birgt das höchste Risiko". 

Obwohl Helene Klaar ein ganzes Buch und auch ihren Arbeitsalltag den Schwierigkeiten und Stolpersteinen bei Scheidungen widmet, bezeichnet sie sich als "Freundin der Ehe", im Vergleich zu einer vertragslosen LebenspartnerInnenschaft sei diese der Schlosspark von Schönbrunn, letztere hingegen eine Prärie, die weit und breit keine Schutzbestimmungen bietet. (beaha, dieStandard.at, 7.7.2010)

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Leo Laokoon
12
15.7.2010, 08:03
Wie wärs damit

sich zur Krankjammerei der Ehe und Familie eine Gegenstrategie auszuarbeiten?
Gem. § 44 ABGB ist die Ehe ein Vertrag zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechts in dem sie erklären in unzertrennlicher Gemeinschaft etc....
Das Gesetz betont "in unzertrennlicher Gemeinschaft"!
Warum beharrt der Staat nicht auf seinem eigenen Gesetz und macht das Hintertürl Scheidung auf?
Und dann wundert man sich und die Allgemeinheit muß herhalten um diverse Folgen abzumildern!

Durch Blick
21
24.7.2010, 14:38

Weil man diese Trampel sonst erschlagen müsste, um sie wieder loszuwerden. :p

karin forstner
00
was ist denn

mit dir los?

Ndugu
01
14.7.2010, 09:18
Also es geht um die Fakten:

- Fakt ist, dass eine Vollzeithausfrau (ob mit oder ohne Kinder) das Risiko eingeht, im Fall einer Scheidung ziemlich blöd dazustehen, bzw. keinen eigenen Pensionsanspruch erwirbt; - Fakt ist, dass aber viele Paare immer noch diesen Weg gehen, vor allem wenn sie Kinder haben; - Fakt ist, dass es viel zu wenige Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt; - Fakt ist, dass viele Männer sich zwar gern drauf einlassen, dass ihre Frau (zumindest einige Jahre lang) zu Hause bleibt, sich nach einer Trennung aber nicht dafür verantwortlich fühlen, wie es um ihre Absicherung ausschaut. Konsequenz: Ob mit oder ohne Kinder, Frauen müssen für sich selbst sorgen, ob mit oder ohne Kinder:nicht ideal, aber notwendig.

Freigeistin1
24
11.7.2010, 13:40

Ich bin sehr gerne Hausfrau und Mutter (Kinder schon erwachsen). Es ist die persönliche, freie Entscheidung einer Frau wie sie ihr Leben gestalten will.
Ich habe mich gegen "Karriere" entschieden und wollte für meine Familie da sein. Wir sind seit über 25 Jahren verheiratet und werden dies auch bis "dass der Tod uns scheidet" :-)

legal eagle
 
41
24.7.2010, 22:36
und wenn ihr mann stirbt, kassieren sie die witwenrente samt krankenversicherung, für die sie NICHTS getan haben - fein für sie,

schlecht für's budget.

würde mann die witwenpensionen auf ein erträgliches maß kürzen, könnte die pensionsversicherung fast ohne staatliche zuschüsse auskommen.

dann müssten nicht einmal mehr heuchlerinnen wie sie sich gedanken über das weiterbestehen der sozialen alterssicherung machen.

Freigeistin1
10
24.7.2010, 22:38

Sie irren. Nicht nur dass ich Kinder ("Zwangsbeitragszahler") bekommen habe,
ich habe auch insg. 15 Jahre einbezahlt - und Studienzeiten nachgekauft. Und durch opting in hab ich sowieso einen eigenen Anspruch.

b_tom
30

legal eagle drückt es zwar etwas extrem aus - hat aber recht.
Die Witwenrente bekommen sie nicht für's Kindergroßziehen (sicherlich eine gesellschaftlich wertvolle Arbeit) oder dafür, dass sie 15 Jahre selbst einbezahlt haben, sondern nur dafür dass sie verheiratet waren - und das ist nicht mehr zeitgemäß!

Kindergroßzuziehen sollte als Arbeit anerkannt, bezahlt und rentenversichert werden - nicht aber das verheiratet sein!

guggi102
20
30.7.2010, 13:49

Na super, studiert auch noch, ohne Chance auf Rentabilität für die Allgemeinheit...

Freigeistin1
01
30.7.2010, 15:33

Ausserdem, Kinder erziehen ist wohl die gesellschaftlich wertvollere Aufgabe als "jobben" zu gehen.
Wir haben eine Firma aufgebaut, da hab ich viele Jahre mitgearbeitet, tw. unbezahlt und wir haben viele Arbeitsplätze geschaffen.
Sehe also kein Problem. Dass Kindererziehung natürlich immer die wichtigste Aufgabe (va. für die Mutter ist), liegt in der Natur der Sache.

Freigeistin1
01
30.7.2010, 15:32

Glauben Sie das? Ist Ihre Meinung, ok.
Da ich aber viel Jahre berufstätig (selbständig) war, hab ich über viele Jahre 50% ESt. bezahlt - von der SV ganz zu schweigen ;-)
Man legt in diesem Land sowieso viel zu viel ab - das ist aber wohl jedem klar.

Ndugu
12
14.7.2010, 09:26
Freut mich für Sie, aber bitte Folgendes bedenken:

- andere Frauen sind auch gern Mütter (ich zum Beispiel), können es sich aber nicht leisten, zu Hause zu bleiben.
- Sie hatten großes Glück, dass:
a) ihrem Mann nix passiert ist - was hätten Sie dann gemacht??
b) ihre Ehe so lange gehalten hat - daran haben Sie sicher auch einen wichtigen Anteil, also Respekt!
Fazit: es ist ein viel zu großes Risiko geworden, sich als Frau keinen eigenen Pensionsanspruch zu erarbeiten; die Gesellschaft ächtet Männer, die ihre Familien im Stich lassen, schon längst nicht mehr, und nicht zuletzt: trotz logistischer Schwierigkeiten und Stress ist es möglich, mit Kindern einem Erwerbsleben nachzugehen (ich rede hier nicht von der großen Karriere, die sowieso auch für Männer nicht oft stattfindet).

Freigeistin1
32
14.7.2010, 12:25

...da die ersten 3 Jahre so wichtig sind. Daher entscheidet sich auch die überwiegende Mehrheit für die längste Kindergeld Variante (2,5 J. + 6 Mon.).
Frauen wollen sich um ihre Kinder kümmern - und genau diese Möglichkeit sollte man ihnen auch gewähren-kann ja nicht sein dass der Staat rund 1000,--/Mon./Kind/Kindergartenplatz ausgibt -man sollte den Familien dieses Geld zukommen lassen!!!

Freigeistin1
21
14.7.2010, 12:23

Wir haben Lebensversicherungen, aber natürlich haben Sie Recht, dass bei einem Todesfall vieles anders aussieht und man dann an die Ersparnisse hätte gehen müssen.
Schauen Sie, ich bin überzeugt davon dass es bald keine staatl. Pensionen mehr gibt-ich habe ja eh selbst eine "Rente"(nur halt keine staatl. und daher wollte ich keine SV Beiträge zahlen-hab alles über priv. Versicherungen geregelt.Und in unserem Familienverband wäre ein Mann sehr wohl geächtet worden,wenn er seine Familie nicht erhalten kann oder sie verlässt! Und bitte nicht falsch verstehen-ich habe zB viel von zu Hause aus gearbeitet (für die Firma der Familie),war also auch berufstätig (nur halt nicht ausser Haus).Die ersten 3 Jahre sollte zumindest die Frau daheim bleiben

pick dame
22
23.7.2010, 21:36

da haben die vielen geschiedenen frauen finanziell aber genau gar nichts davon, dass ihr mann von IHRER familie "geächtet" worden wäre - und genau darum gehts hier.
finanziell ist eine scheidung für eine frau einfach ein disaster - auch wenn sie unschuldig und er schuldig geschieden wird. ausnahmen wie ivana trump und co bestätigen nur die regel.

Freigeistin1
11
23.7.2010, 21:56

Ausserdem ändert das nichts daran, dass die ersten 3 J. extrem wichtig für die kindl. Entwicklung ist und daher die Mehrheit die lange Karenzvariante wählt.

Freigeistin1
02
23.7.2010, 21:55

Komisch, die meisten Männer die geschieden sind zahlen Länge mal Breite Unterhalt. Kenne kaum eine Frau die obdachlos geworden ist - bei Männern ist das was anderes. Die Frau behält die gem. Wohnung/das Haus und der Mann muss auch noch weiter zahlen.
Ich bin allerdings sehr dafür, das Verschuldensprinzip wieder zu berücksichtigen. Wer Schuld an der Trennung hat, soll auch zahlen.

bad.passion
01
14.7.2010, 10:06
"die Gesellschaft ächtet Männer, die ihre Familien im Stich lassen, schon längst nicht mehr"

Das kommt daher, dass es wesentlich häufiger Frauen sind, die sich trennen und bei unserem Unterhaltsrecht eigentlich nicht mehr von "im Stich lassen" die Rede sein kann.

A.B. Artig
 
10
28.7.2010, 03:24

Weil die Toleranz gegenueber Unterdrueckung und Gewalt halt verglichen mit den 50-gern sinkt.

bad passion
00
28.7.2010, 20:08
Nein, weil bei unseren Unterhaltsrecht

keine Rede von "im Stich lassen" sein kann.

Trennen können sich natürlich auch Väter oder denken Sie dieses Recht steht nur Müttern zu?

A.B. Artig
 
00
29.7.2010, 00:34

Trennen kann sich jede/r dem/der die Beziehung untragbar geworden ist.
Was hat das mit meinem Beitrag zu tun?

bad passion
01
30.7.2010, 20:00
Weil das so in dem Posting stand, auf das ich geantwortet habe.

Zitat:
"die Gesellschaft ächtet Männer, die ihre Familien im Stich lassen, schon längst nicht mehr"

Falsch, von "im Stich lassen" kann beim derzeitigen Unterhaltsrecht keine Rede mehr sein und daher lässt der Vater die Familie nicht im Stich, sondern trennt sich von der Frau.

Und nur zusätzlich zu Ihrer Information, trennen kann mann/frau sich nicht nur dann, wenn die Beziehung untragbar geworden ist. Trennen kann man sich auch aus allen möglichen anderen Gründen und auch Väter haben das Recht dazu, auch wenn das deutlich seltener der Fall ist.

War das jetzt verständlich genug für Sie?

chilli p.
31
12.7.2010, 10:07
dann sollten sie aus fairnessgründen aber auch jedesmal dazu sagen, dass sie dieses dasein auf kosten der allgemeinheit führen.

stichworte: gratis-mitversicherung, witwenpension, steuer.

wussten sie, dass die asvg-pensionsversicherung kaum finanzierungsbedarf hätte, wenn die witwenpensionen nicht wären?

Rosa Stahl
11
12.7.2010, 17:26

es ist allerdings ein großer Unterschied, ob in einer Familie nur ein Kind ist, oder vielleicht vier oder fünf (kenne einige solcher Familien). Wenn da beide Partner vollzeit arbeiten gehen können die die Kinder gleich ins Internat oder ins Waisenhaus stecken.

bad.passion
11
12.7.2010, 15:01
Diese Rechnung greift wohl viel zu kurz.

Solange wir nicht Vollbeschäftigung haben bedeutet jede Versorgte Hausfrau einen Arbeitslosen weniger und weniger teure Kinderbetreuung.

Aus zwei Teilzeitjobs zu je 20 Stunden wird ein Vollzeitjob und daher noch mehr Arbeitslose.

Tatsächlich kosten vor allem die Witwenpensionen der Großverdiener ein Vermögen, aber die sind ja eh als letztes gezungen tatsächlich arbeiten zu gehen.

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