Bundesheer

Wenn Gemobbte Täter werden

7. Juli 2010, 13:04
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    foto: apa/ap/oded balilty

    In den Heeres-Ausbildungsstätten und in den elitären Kampfeinheiten ist die Einstellung, dass Frauen die gleichen Leistungen im Heer erbringen können, am negativsten. Die Unterstützungseinheiten, in denen zwar Frauen überwiegend die gleiche Leistung zugetraut wird, genießen innerhalb des Heeres dagegen weniger Ansehen.

Studienautorin geht von höherer Betroffenen-Zahl aus, als in Erhebung zu Tage traten: Frust wird beim noch schwächeren Glied ausgelassen

Wien - Das Mobbing, dem Soldatinnen im Bundesheer stärker ausgesetzt sind als ihre männlichen Kollegen, ist ein kollektives Phänomen. In der in den letzten Tagen diskutierten Studie der TU berichten alle Mobbingopfer von mindestens zwei Tätern. Die besonders häufigen Aggressionen gegenüber Frauen stehen auch ganz deutlich im Zusammenhang mit selbst erlittenem Leid. Soldaten, die selbst gemobbt werden, lassen ihren Frust nach eigenen Angaben an Frauen aus. Das erklärte die Autorin der Studie über die Integration von Frauen im Bundesheer, Sabine Köszegi.

Dreifach höheres Mobbingrisiko für weibliche Soldaten

Im Rahmen der Studie der Technischen Universität Wien wurden, wie dieStandard.at berichtete, Soldatinnen und Soldaten anonym befragt, ob und wie oft sie verschiedenen Formen von aggressiven Handlungen am Arbeitsplatz, wie beispielsweise die Abwertung der eigenen Person oder Arbeit, ausgesetzt waren. Die Ergebnisse sind deutlich: Von 443 Befragten aus verschiedenen Suborganisationen des Bundesheeres haben mehr als die Hälfte Erfahrung mit aggressivem Verhalten am Arbeitsplatz gemacht. Sechs Prozent der männlichen und 20 Prozent der weiblichen Befragten gelten nach wissenschaftlicher Definition als Mobbingopfer, da sie besonders oft und über einen langen Zeitraum aggressiven Handlungen ausgesetzt waren. Damit haben Frauen ein dreifach höheres Risiko, als Mobbingopfer zu enden, als ihre männlichen Kollegen.

Männliches Ideal

Köszegi geht davon aus, dass sowohl die Dunkelziffer der Mobbingopfer als auch der Täter noch höher ist, als die Studie ergeben hat. Insgesamt haben fast zehn Prozent der Befragten zugegeben, schon einmal aggressive Handlungen gegenüber Frauen ausgeführt zu haben. Dass an Akademien und Schulen Mobbing am häufigsten auftritt, erklärt sie mit dem Anspruch dieser, Werte und Tradition des Bundesheeres an die Auszubildenden weiterzugeben.

Dort und in den elitären Kampfeinheiten ist auch die Zuversicht, dass Frauen die gleichen Leistungen im Heer erbringen können, am geringsten. Die Unterstützungseinheiten, in denen zwar Frauen überwiegend die gleiche Leistung zugetraut wird, genießen innerhalb des Heeres dagegen weniger Ansehen. Dort sei die vermeintliche Nichterfüllung des männlichen Ideals durch die Frauen daher weniger problematisch.

"Es geschieht immer im Kollektiv"

Schon aus anderen Studien bekannt ist auch das Sündenbock-Phänomen, wonach Opfer von Mobbing ihren Frust beim noch schwächeren Glied auslassen. Menschen in schwächerer Position oder Personen, die von bestimmten Idealvorstellungen einer Gruppe abweichen, werden besonders oft Opfer von Mobbing. Unterschiede zwischen den Hierarchien hat die Studie keine ergeben. "Mobbing ist ein Phänomen auf allen Ebenen und es geschieht immer im Kollektiv und nicht durch einzelne", so Köszegi.

Die Studie verdeutlicht, dass Mobbing im Bundesheer nur durch Veränderung der strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen zu verhindern ist. Vor allem das Überdenken tradierter Wertvorstellungen, die sich in vorwiegend auf physische Leistungsfähigkeit reduzierten Anforderungskriterien äußern, seien ein zentralen Hebel für Veränderungen, sagte Mitautorin Eva Zedlacher. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 38
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atlan2001
 
13
tradierte Wertvorstellungen ...

Physische Leistungsfähigkeit ist einer der wichtigsten Eigenschaften, welche ein/e Soldat/In überhaupt haben kann.
Insbes. in einer so Infantrielastigen Armee wie dem ÖBH, bei der es so gut wie gar keine Fire-and-Forget-Waffen gibt ist Kraft und Ausdauer unersetzbar. Immerhin ist die politisch definierte Kernaufgabe des ÖBH immer noch der Kampfeinsatz. Wer da weniger leisten kann den darf Kritik nicht wundern.
Nicht umsonst haben jene Armeen, welche relevante Erfahrung mit Frauen in Kampfverbänden haben, den Einsatz von Frauen eingeschränkt.
Aber eventuell gelingt es ja Fr. Zedlacher beim nächsten Katastropheneinsatz einen entwurzelten Baum durch gutes Zureden sich selbst entfernen zu lassen ;-)

Farinos
12
Nicht zu vergessen

und Kameradschaft und Risikobereitschaft sind ja gemäß unserer beiden "Spitzenexpertinnen" auch tradierte archaische maskuline Wertvorstellungen, die beim österreichischen Bundesheer schleunigst überdacht werden sollten.
Man fragt sich schon, wie sind diese beiden Frauen zu diesem Forschungsauftrag gekommen, denn so wirklich dürften sie nicht verstanden haben, welche Art von Organisation (verbunden mit welchen Aufgaben) das Bundesheer ist. Aber es ist sowieso seltsam, dass das Verteidigungsministerium das Managementinstitut der TU mit der Durchführung dieser Studie beauftragte. Das wäre so als wenn man sich bei einer Krebserkrankung von einem Biologen behandeln lassen würde.

Ody Fry
03

Ich war nicht in einer Elitekampfeinheit... beim "normalen" Wehrdienst hatten wir Frauen dabei: Die durften Frauenliegestütz machen und dann noch weniger als der stinknormale Rekrut. Jegliche körperliche Ertüchtigung um ein paar Prozent weniger - und der Aufstieg (wer will das schon, als Rekrut willst nur so schnell wie nur möglich wieder weg) war auch beschleunigt. Mobbing gab es bei uns auch, oder heißt es da anders, keine Ahnung. Vielleicht "Kollektiver Hass"?

ernst-rosmer
 
03
soziale ingenieurInnen

dieses nicht auf die armee allein beschränkte kollektive erleben, von dem sie da schreiben...

ich frage mich schon seit längerem: ist das tatsächlich nur das ergebnis mangelnder empathie und fehlenden minimalsten vorstellungsvermögens darüber, wie bevorzugung der einen sich auf die anderen auswirkt?

oder wird das vielleicht doch absichtlich produziert? aus purem vergnügen? oder steckt da irgendeine planung dahinter?

wer den druck im gesellschaftlichen dampfkessel erhöht, ja, was will der wohl?

Farinos
14
Vielleicht nur eine interessante Beobachtung

Bei Frau Köszegi dürfte es sich um gelebte Gleichberechtigung handeln.
Neun wissenschaftliche Mitarbeiter, davon 8 Männer und 1 (!!!!) Frau. Wenn man bedenkt, dass nicht unbedingt mehr Männer BWL als Frauen studieren, wohl eine beachtliche Zahl, bei der Feministinnen, würde es sich um einen männlichen Professor handeln, wohl zu Recht sofort aufschreien würden. (Quelle:
http://www.imw.tuwien.ac.at/aw/index.html)
Die Sekretärin ist "natürlich" eine Frau.
Da dürftet ihr euch auf "diestandard.at" wirklich die Richtige zu Diskriminierungsfragen beim Bundesheer ausgesucht haben.

xv22
10

Was genau ist der Sinn Ihres Postings? Was heißt "die Richtige"?

High Hopes
30
Wie lange

ist Frau Köszegi denn schon an der TU? Wie lange glauben sie braucht man durchschnittlich, um sich eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen, wenn es wissenschaftliche Mitarbeiter gibt, die einen bestehenden Vertrag haben?

Farinos
01
Leicht zu beantworten

a.) Also laut einem Person, die dort an einer anderen Abteilung gearbeitet hat, sind fünf Angestellte mit ihr gekommen oder von ihr angestellt worden. Wenn Sie rechnen können, muss es sich dabei zumindest um vier Männer (80%) handeln. Das ist ein Faktum, auch wenn Feministinnen es meistens nur dann mit Fakten haben, wenn es in ihre Argumentation passt.
b.) In ihrer Vorlesung soll sie darauf hingewiesen haben, dass Frauen in den Wissenschaften, insbesondere den Wirtschaftswissenschaften, massiv benachteiligt werden. In diesem Zusammenhang hat sie explizit auf das Übergewicht der weiblichen Absolventinnen in den Wirtschaftswissenschaften hingewiesen.
Die Frau Köszegi ist also wirklich eine moralische Instanz feministischer Forschung.

dermartino
00
23.7.2010, 09:35

Das klingt ja fast nach gespaltener Persönlichkeit.

Sie regt sich über mangelnde Karriereaussichten von Frauen in Wirtschaftswissenschaften auf und stellt im selben Atemzug ausschließlich Männer an... haha, das ist wirklich gut.

So lustig das klingt, es ist ein zentraler Punkt: Frauen in Führungspositionen lassen keine weibliche Konkurrenz zu und lassen daher keine Frauen nachziehen, das ist aus meiner Sicht ein zentraler Punkt in der Frage warum es so wenige weibliche Führungskräfte gibt.

zwergleviathan
26
Dienst an der Waffe ist brutal, körperlich anstrengend und psychisch belastend

das BH ist keine "Kinderjaus'n" im Ernstfall müsste Frau mit der IDENTEN AUSRÜSTUNG wie ein Mann aurücken, und sofern Frauen nicht in der Lage sind ihre "Mannesausrüstung" (zu der auch die Gruppenunterstützungswaffe gehören kann) selbst zu handlen sind sie FEHL AM PLATZE

wenn die Damen ihre Anstellung beim BH nicht im Lichte eines potentiellen Kampfeinsatzes sehen und nicht in der Lage sind IDENTE LEISTUNGEN zu erbringen wie die männlichen Kollegen, dann ist die Berufswahl SoldatIN unüberlegt und dämlich

aufgrund der geringer ausfallenden Körperkraft von Frauen ist es SELBSTVERSTÄNDLICH, daß diese nicht die GLEICHE Leistung erbringen können.

Frauen laufen auch bei Leichtathletikbewerben LANGSAMER, deswegen MOBBT nicht jeder Leichtathlet

Mac Smith
01
Hmm, dann sollten wir es evtl. auh wie im Sport machen, und ein extra Frauenheer gründen.

Und dann darauf hoffen, daß die FeindIn im Ernstfall auch nur seine/ihre Frauenarmee angreifen läßt.
Wäre doch nur fair, oder?

miranda7
11

Es ist mir sowieso schleierhaft, wie sich jemand (egal ob Frau oder Mann) überhaupt sehenden Auges freiwillig zum Heer begeben kann.

Alter Knacker
00

"Frau" ist ja jetzt auch ein gewaltiger politischer Begriff, der ist ja nicht in Übereinstimmung mit den tatsächlichen Verhältnissen. In der Gesellschaft wird ja der Begriff "Frau" sehr stark verbalisiert, auch im Gesetz, und dann wird zwischen den Bevölkerungsgruppen um jedes Wort gefeilscht und das ist z.B. eine andere Art der Realität wie z.B. das Zusammenleben oder der optische Eindruck.

Farinos
23
Gültigkeit der Studie III

Es würde mich nicht wundern, wenn die Frau Köszegi uns in der nächsten Zeit erklären würde, dass die grüne Farbe der Heeresfahrzeuge ein Ausdruck hypermaskuliner Organisationskultur sei und deswegen geändert gehöre.
Aufgrund der Aussagen der Autorin, die ja auch nicht widerspruchsfrei ist, würde man noch eine Reihe anderer wissenschaftstheoretischer Zweifel an der Gültigkeit der Studie anbringen können. Leider werden solche Studien nicht vorher auf methodologische und methodische Genauigkeit und Gültigkeit überprüft. Außerdem besteht oft ein Unterschied zwischen subjektiver Wahrnehmungs- und Einstellungsebene und tatsächlichem Verhalten. ...

Wie viele Grundwehrdiener wruden

Farinos
02
Gültigkeit der Studie_II

Ein Problem wäre, so die Autorin, dass es sich um eine Belohnungs- und Bestrafungskultur handeln würde. Erstens sind Belohnen und Bestrafen Mechanismen, die bei der Verhaltenskonditionierung zur Einübung von Routinen und Automatismen verwendet werden. Ob diese im Ernstfall, wobei jeder Fehler Menschenleben kosten kann, notwendig sind, sollen Militärexperten beurteilen. Ich würde sagen ja.
Gleich von einer Kultur, die ja auf einer sehr latenten/unbewussten Ebene wirkt, zu sprechen, halte ich ehrlich gesagt für eine etwas gewagte Interpretation. Kulturen sind übrigens sehr schwer zu erforschen und ich hege ernste Zweifel, dass da nicht verschiedene Ebenen (manifest mit der latenten Ebene) verwechselt worden sind) .Frts.

miranda7
20

Mit Konditionierung mittels Belohnen und Bestrafen werden Versuche zB an Ratten durchgeführt. Ich persönlich halte dies auch bei Ratten für eine Zumutung und Geringschätzung ihrer Intelligenz. Bei Menschen nennt man das dann Gehirnwäsche.

xv22
00

Da sind sicher keine Ebenen verwechselt worden, die sind bei sowas sehr gründlich...

sotho talker
 
40
das problem ist nur

in dem fall kostet nicht nur jeder fehler menschenleben... sondern auch jeder erfolg!

bösartiger gutmensch
15

"Unterschiede zwischen den Hierarchien hat die Studie keine ergeben"

natürlich nicht. beim heer kommt ein ausnützen von 1 keks mehr am schulterblatt nicht vor. niemals.

"Köszegi geht davon aus, dass sowohl die Dunkelziffer der Mobbingopfer als auch der Täter noch höher ist, als die Studie ergeben hat."

auch das ist klar. der ideologische auftrag ist, die frau als opfer in jeder lebenslage zu erkennen. also _muss_ die dunkelziffer trotz anonymer fragebögen viel höher sein. geht gar nicht anders.

"Insgesamt haben fast zehn Prozent der Befragten zugegeben, schon einmal aggressive Handlungen gegenüber Frauen ausgeführt zu haben."

und wieviele haben aggressive handlungen gg männer ausgeübt?

Farinos
13
Gültigkeit der Studie V

Wurden bei der Studie eigentlich auch Grundwehrdiener befragt. Also in meiner Erinnerung unterliegen diese häufiger aggressivem Verhalten. Was stimmt, insbesondere dann, wenn sie von der erwarteten (Leistungs-)Norm negativ abweichen. Methodisch richtig wäre es auf alle Fälle, auch diese Gruppe - auch wenn sie keine Arbeitnehmer sind - in der Befragung zu berücksichtigen. Ist dies passiert? Ich vermute nicht.
Wie ist das Sample erstellt worden, passierte es auf Freiwilligkeit?
In vielen Bereichen scheinen auch die Wertvorstellungen der Autorinnen die Analyse geleitet zu haben.
Die bisher publizierten Ausführungen lassen viele Fragen offen, die an einer wissenschaftlichen Kriterien entsprechenden Studie ernsthafte Zweifel aufkommen lassen.

knurrhoernchen
10
Hahaha, was bist denn du für ein komischer Typ?

Maskulistens Quoten-Schlaubi? Noch Einer der glaubt, Alles besser zu wissen, nur weil er auf ein eigenes Nesterl mit potenziellen Schlüpfern aufpasst :)

Alex Meinunger
 
10

Wie wärs wenn sie die Studie überhaupt erst lesen, bevor Sie ihren Senf abgeben? Allein dass sie nichts über das Sample wissen zeigt, dass Sie sie nicht gelesen haben können. Und dennoch soviel heiße Luft. Ihnen muss schön fad sein in Spanien!

Farinos
01
Chile, nicht Spanien

Chile, nicht Spanien, aber sie werden sicherlich die Studie zum downloaden im Internet bereitstellen.

Farinos
14
Gültigkeit der Studie IV

Nachweislich gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, was als aggressives Verhalten überhaupt wahrgenommen wird. Das führt zu großen Verzerrungen. Erbringe ich eine Leistung nicht, werde deswegen kritisiert, dann ist es leicht, dies als aggressives männliches Verhalten zu werten. Die meisten Vorgesetzten - insbesondere bei den Ausbildern in den Akademien - werden Männer sein. Da passieren schnell genderspezifische Zuordnungen von Frauen, die es dann auf den Geschelchterstatus zuschreiben und nicht auf ihr Verhalten. Das Männer beim gleichen Fehler ebenso behandelt werden, wird gerne übersehen. Durch teilnehmende Beobachtung - wurde diese Methode angewandt - hätte man da wesentlich mehr herausfinden können.....

Farinos
14
Zweifel an der Gültigkeit der Studie_I

Also je mehr bekannt wird über die Studie, desto mehr Zweifel an der Gültigkeit kommen an den Konklusionen, die gezogen werden, auf.
Nehmen wir an, dass ein militärischer Verband wie das Bundesheer, sofern man so eine Organisation möchte, durch Werte wie Kameradschaft und Risikobereitschaft bei den potentiellen Kampfeinheiten geprägt sein sollte, die Köszegi ja in klar normativer Absicht als hypermaskulin abwertet, und natürlich körperliche Voraussetzungen notwendig sind, um in diesen Einheiten "ordnungsgemäß" Dienst zu versehen Wenn man diese notwendigen Werte nicht mehr möchte, sollte man eher über die Abschaffung des BH diskutieren, denn das wäre dann die einzige konsequente Lösung. (Frts. der Argumentation folgt)

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