Warschau

"Schluss mit kreuzritterlicher Homophobie"

19. Juli 2010, 10:52

Die TeilnehmerInnen der EuroPride mussten homophobe Parolen und Angriffe über sich ergehen lassen

Warschau - Die europaweit größte Homosexuellen-Parade EuroPride ist am Samstagnachmittag vor dem Warschauer Rathaus gestartet und soll durch die Hauptstraßen der Innenstadt bis zum Verfassungsplatz ziehen. Die TeilnehmerInnen sind mit Dutzenden bunten Wagen unterwegs. Die VeranstalterInnen erwarteten bis zu 20.000 Personen. Die EuroPride findet zum ersten Mal in einem Land des ehemaligen Ostblocks statt.

Vor und während der Parade kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit GegendemonstrantInnen aus ultrakatholischen und nationalistischen Gruppierungen. TeilnehmerInnen eines "Grünwald-Marsch", der vorgeblich an die Schlacht bei Tannenberg vor 600 Jahren erinnerte, bewarfen eine Gruppe von Schwulen und Lesben aus dem Ausland mit Eiern, Wasserflaschen und einer Rauchbombe. Andere GegnerInnen der Parade besprühten der Teilnehmer mit Weihwasser. Immer wieder skandierten GegendemonstrantInnen homophobe Parolen. Auf dem Verfassungsplatz hatten schon in der Früh Unbekannte homosexuellenfeindliche Parolen an Gebäude gemalt.

"Polen ist keine Kolonie des Vatikans"

Die Polizei ist nach Medieninformationen in Alarmbereitschaft und steht in Seitenstraßen unter anderem mit Wasserwerfern bereit, sollte es zu Gewalt kommen. Nach offiziellen Angaben sind rund 2.000 Beamte im Einsatz.

Die TeilnehmerInnen der Homosexuellen-Parade übten ihrerseits Kritik an ihren GegnerInnen. Auf Transparenten hieß es: "Polen ist eine Kolonie des Vatikan" und - ebenfalls in Anlehnung an die Schlacht von Tannenberg - "Schluss mit der kreuzritterlichen Homophobie". Außerdem forderten Spruchbänder die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen und heterosexuellen Lebensgemeinschaften. (APA)

weitersagen:
drucken
verena lettmayer
26.07.2010 09:55

... dass sich so manche/r heterosexuelle CSD´s und ähnliche veranstaltungen bedroht fühlt, zeugt meines erachtens entweder:
a) von eingeschränkter weltsicht (heterosexuelle werden seltenst wegen ihrer sexuellen orientierung diskriminiert, von daher können sich viele offenbar in keinster weise vorstellen, wie sich das anfühlt) oder
b) von der angst, den alleinigen "herrschaftsanspruch" zu verlieren ("oh, gott, ich bin nicht mehr allein maßgeblich, andere wollen auch noch gleichberechtigt neben mir
existieren! Hilfe!") ...

BRAVO an die organisator/innen des europride in warschau und ihre courage!!

leser129
19.07.2010 16:45
Wieso Kolonie des Vatikans??

Der steht dem Ganzen ja viel offener gegenüber! Seht:
http://www.youtube.com/watch?v=J5YA3mauYqI

;-)

Heiner Bussy  
19.07.2010 15:35
und wann ist Schluss mit dem Homo-Propaganda-Kreuzzug nach Polen, Litauen, etc.?

Die Veranstalter dieses Propagandatourismus (Lunacek u.a.) sind m.W. keine Polen. Also wer ist hier der Kreuzzügler??

Lichtfreak
21.07.2010 11:22
und wann ist Schluss.. ?

Wenn die Homophobie als behandlungsfähige Krankheit anerkannt wird?

idnam 
19.07.2010 16:44

hier geht es NICHT um einen kreuzzug oder homopropaganda!!!
polen, litauen etc. sind eu-länder, in denen die menschenrechte zu respektieren und einzuhalten sind!!! sie sind längst nicht mehr teil von russland, einem land, wo NICHTS funktioniert u. raubritter-methoden angewendet werden!!
dass man andersliebende in polen nicht mit offenen armen empfangen würde, war klar! dass im vgl zu europarade in madrid (1,3 mio) nur ein bruchteil teilnehmen würde, wohl auch!!! dennoch kann man es als meilenstein betrachten, dass in einem ex-kommunistischen land eine euro-pride stattgefunden hat; wer hätte das vor 20 jahren gedacht??? ein tropfen auf dem heißen stein, aber es geht eben nur mit kleinen schritten, aber es geht in die richtige richtung!

Heiner Bussy  
21.07.2010 23:19

Tssss, die Kreuzritter sind ja sogar in diesem Forum aktiv

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.