Krankenstände durch Burn-Out und Co. werden mehr - Gründe dafür sieht Arbeitspsychologe in Doppelbelastung und den Anforderungen der "typischen" Frauenberufe
Jeder 16. Krankenstandstag ist heutzutage auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen, berichtete das Ö1-Morgenjournal am Dienstag. 2009 wurden fast zweieinhalb Millionen Fehltage dadurch verursacht - beinahe drei Mal so viele wie noch 1990. Zudem wird jede dritte Invaliditätspension auf Grund seelischer Krankheiten zuerkannt.
Mit zwei Drittel der Betroffenen leiden weibliche Arbeitskräfte überproportional an Burn-Out, Depressionen oder Alkoholismus. Auch dauern die Krankenstände der Frauen außergewöhnlich lange, nämlich drei Mal länger als bei anderen Krankheiten. Bei den Gründen für Frühpensionen liegen psychische Erkrankungen bei Arbeitnehmerinnen auf Platz eins.
Der Grazer Arbeitspsychologe Wolfgang Kallus führte bei seiner Analyse im Morgenjournal die Mechanisierung der Arbeitswelt als Grund ins Feld: Je weniger physische Arbeit anfalle, desto mehr psychische Probleme träten auf. Außerdem werde der Verantwortungsdruck auf die/den Einzelne immer größer. Die stärkere Betroffenheit der Frauen erklärte er mit der größeren Bereitschaft, seelische Probleme überhaupt einmal einzugestehen, im Gegensatz zu Männern. Zudem sei die Diagnosepraxis eine einschlägige: ÄrztInnen schreiben Frauen im Allgemeinen schneller und öfters psychische Erkrankungen zu.
"Pausenkultur" entwickeln
Nichtsdestotrotz träfe auch zu, dass die Sparten, in denen Frauen vorwiegend arbeiten, also Pflege- und Versorgungsbereiche sowie personenbezogene Dienstleistungen, Burn-Out besonders begünstigen. Dazu komme auch oft die Unausgeglichenheit der Pflichten im Privaten: Auf den Schultern der Frauen laste die Doppel- oder Dreifachbelastung von Arbeit, Familie und Haushalt. Die Erholungsphasen seien zu kurz und wenig, so der Arbeitspsychologe. Es brauche generell eine bessere "Pausenkultur". Das dürfe nicht länger als Faulheit abgetan werden.
Behandlung auf Krankenschein
Im Ö1-Mittagsjournal forderten PsychologInnen zudem die Behandlung psychischer Erkrankungen auf Krankenschein. Das würde langfristig gesehen weniger Kosten verursachen als Krankstände und Medikamente. Gesundheitsminister Stöger lehnt diesen Vorschlag aber ab. (red)