Schwule Fußballer

Neue Fan-Generation ist offener

27. Juli 2010, 14:58
  • Artikelbild: Den jungen Fans ist es laut Studie nicht wichtig, welche Sexualität ein Fußballspieler hat. - Foto: APA/AP/Eric Gay

    Den jungen Fans ist es laut Studie nicht wichtig, welche Sexualität ein Fußballspieler hat.

  • Artikelbild: Nicht nur im Fußball ist Homophobie Thema: Rugby-Star Thomas outete sich erst nach Karriereende. - Foto: REUTERS/Kieran Doherty

    Nicht nur im Fußball ist Homophobie Thema: Rugby-Star Thomas outete sich erst nach Karriereende.

Britische Studie besagt, dass Mehrheit Homophobie vom Platz stellen will und nicht den homosexuellen Profi - Outings dennoch von Seltenheitswert

London - Die neue Generation von Fußballfans ist nicht so homophob wie die bisherigen, besagt eine Erhebung der Staffordshire University in England unter der Leitung von Ellis Cashmore und Jamie Cleland. Die Jüngeren würden viel eher die Homosexualität eines Profi-Spielers tolerieren: Von 2.000 fußballbegeisterten Probanden hätten demnach nur sieben Prozent gemeint, dass Homosexuelle im Fußballsport nichts verloren hätten.

"Wir waren sehr überrascht, als 93 Prozent angaben, dass im Gegenteil kein Platz für Homophobie im Fußball wäre", berichtet Cashmore. "Sie meinten, dass das Schande über den Sport bringt und sprachen sich für mehr Offenheit dem Thema gegenüber aus. Die Mehrheit würde es begrüßen, wenn ein schwuler Fußballer sich outet statt versteckt." Die meisten glaubten auch nicht, dass ein geouteter Fußballer Angst vor homophoben Attacken der Fans zu haben brauche.

So gut wie keine Outings

Erst einmal in der Geschichte des englischen Profifußballs hat sich ein Spieler während seiner aktiven Karriere geoutet - mit fatalen Folgen. Justin Fashanu nahm sich 1998 im Alter von 37 Jahren das Leben.

Auch in anderen Sportarten halten sich die Aktiven zurück. Der frühere Rugby-Captain Gareth Thomas enhüllte erst letztes Jahr in einem Zeitungsinterview, dass er schwul ist: "Es ist hart für mich, der einzige Spieler weltweit zu sein, der in Kauf nimmt, dieses Tabu zu brechen."

Thomas' Outing veranlasste den britischen Ex-NBA-Basketballer John Amaechi, der nach der Beendigung seiner Karriere 2007 ebenfalls erstmals über seine Homosexualität sprach, zu einer Solidaritätsbekundung - und einer Warnung, dass man Homophobie im Sport nicht unterschätzen sollte.

Der ehemalige Rugby-Trainer Clive Woodward zeigte sich da schon positiver und meinte, dass die Sportwelt den Schritt von Thomas würdige; Walisische Medien berichteten indes von einer Verfilmung der Geschichte Thomas', an dessen Verkörperung Hollywood-Schauspieler Mickey Rourke bereits Interesse gezeigt haben soll.

Schwere Last

"Eine Frage stellt sich: Wann wird ein schwuler Fußballspieler sich outen? Die Fans selber meinen: 'Wir wissen, dass es schwule Spieler gibt, wir schauen uns die Spiele jede Woche an mit diesem Wissen im Hinterkopf, und es ist uns egal", sagt Forscher Cashmore, der Homophobie und die Debatte darüber mit der um Rassismus im 70er- und 80er-Jahre-Fußball vergleicht.

"Fußballfans wurden lange als Neanderthaler charakterisiert, als Machos, die Homosexualität verdrängen; aber offensichtlich haben sie sich verändert. Sie geben nicht mehr viel auf die sexuelle Orientierung eines Spielers. Aber natürlich stehen die Spieler selber in einer gewissen Tradition und dieses Erbe stellt sich als schwere Last für den Fußball heraus. Das macht es für einen aktiven Spieler so schwer, sich als erster zu outen. Wenn sich ein Fußballer, der seine Karriere hinter sich hat, outet, geht er den Weg des geringsten Widerstandes." (Reuters/red)

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