
Frau trägt im heurigen Sommer Bier: Die SPÖ schäumt, und der Österreichische Werberat prüft die Kampagne der Kärntner Brauerei Hirt.
Wien - Ein Plakat, drei Sorten. Dunkel, rotbraun und hell. Geschmäcker sind eben verschieden. Doch nicht das Bier der Kärntner Privatbrauerei Hirt stößt der Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger sauer auf. Vielmehr ärgert die rote Stadtpolitikerin das jüngste Werbesujet der Brauerei. Dieses zieren nämlich die Oberkörper dreier Damen, die bis auf ein Bierglas nichts tragen und deren Haarfarbe der jeweiligen Biersorte wie zufällig gleicht.
Für Frauenberger Anlass, den Kampf gegen Sexismus in der heimischen Werbung für eröffnet zu erklären. "Da die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft in Sachen Sexismus nicht ausreichend ist, wird Wien hier eine Vorreiterrolle einnehmen", kündigt die Politikerin an. Konkret stehen ab sofort auf der Homepage www.frauen.wien.at zwei Musterformulare (unter entsprechendem Logo, siehe rechts) bereit, die peinlich berührte oder schwer verärgerte Bürger an betroffene Unternehmen und den Werberat senden können.
Für Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des Linzer Meinungsforschungsinstituts Market, ist die Aufregung rund um die bierige Werbung mit nackter Frauenhaut "nichts als heiße Luft". Beutelmeyer: "Viel Lärm um nichts. Es ist eine freche Werbung und sicher kein Eigentor für die Brauerei. Vielmehr eine gelungene Kommunikationsstrategie." Sex gehöre nun einmal zu den Schlüsselreizen in der Werbung. "Ein psychologischer Klassiker - Sex sells", versteht der Meinungsforscher die Aufregung nicht. Gute Werbung müsse eben provozieren. "Aber natürlich birgt Sex in der Werbung auch eine gewisse Gefahr. Nämlich das plötzlich keiner mehr auf das eigentliche Produkt achtet."
Werberat "sehr unglücklich"
Für Frauenberger liegt das Problem erwartungsgemäß anderswo: Im Falle, dass mit Werbesujets Inhalte vermittelt würden, die junge Menschen in ihrer Entwicklung gefährden, könne eine Geldstrafe von bis zu 15.000 Euro verhängt werden. "Eine bundesweite Regelung zur Eindämmung sexistischer Werbung wäre wünschenswert."
Vonseiten des Österreichischen Werberates (ÖWR) nimmt man derzeit die Hirter-Werbung genau unter die Lupe. "Unsere 90 Werberäte sind aktuell aufgerufen, ihre Meinung abzugeben. Mit einer Entscheidung ist kommenden Freitag zu rechnen", so ÖWR-Präsident Michael Straberger. Persönlich sei er "sehr unglücklich" mit der Werbung, "sinnlos" sei aber auch die SPÖ-Briefaktion. Straberger: "Wir brauchen nicht hunderte Briefe, wir reagieren schon nach einem Schreiben."
Vonseiten der Brauerei sieht man sich auf Standard-Anfrage zu Unrecht angegriffen: "Die Brauerei Hirt distanziert sich nachhaltig von der Unterstellung, mit der derzeit laufenden Kampagne Frauen als Konsumgut oder als primäre Sexobjekte darzustellen. Ganz im Gegenteil und in bester Intention ging es uns darum, mit natürlichen Frauen die vielfältigen Biersorten unserer Traditionsbrauerei abzubilden. Dass die Damen am Plakat nackt sind, jedoch niemals freizügig oder sexistisch dargestellt werden, liegt an unserem Anspruch, jene Ursprünglichkeit und Reinheit zu symbolisieren, die der Bierbraukunst aus dem Hause Hirter zugrunde liegt."
Weiters wolle man dem "Anspruch der Marke Hirter" gerecht werden, schon lange nicht mehr ein reines "Männergetränk" zu sein. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2010)
Links
Der VSStÖ protestierte mit einer Aktion gegen sexistische Werbung und forderte eine gesetzliche Regelung und Sanktionen
Frauenbeauftragte warnt vor Ästhetisierung von Gewalt, Werberat verurteilt Hirter-Bier-Plakat nicht
Werberat reagiert auf "Hirter"-Werbung: Sujet "als inadäquat zu betrachten" - Sujetwechsel gefordert
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Aktionismus der Salzburger SPÖ Frauen: "Werden beim Thema Sexismus in der Werbung lästig bleiben"
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Laut Expertin geht Idee hinter dem "Hingucker" sehr häufig nicht auf: Beschwerden werden mehr, Toleranzgrenze immer niedriger
Gleichbehandlung und Antidiskriminierung sollen in der Werbebranche Fuß fassen, jetzt neu überarbeitete Richtlinien dabei helfen. dieStandard.at hat beim ÖWR nachgehakt, was der aktuelle Kodex alles kann
Die "Watchgroup gegen sexistische Werbung" ist online und achtet künftig auf das Grazer Stadtbild - Mitinitiatorin Maggie Jansenberger im dieStandard.at-Interview
Die Grünen forderten ein Sexismusverbot in der Werbung - dieStandard.at fragte nach, wie weit dieses Verbot gehen könnte und was Werbefachleute davon halten
Hirter will ja mit der Werbung ganz offensichtlich Männer ansprechen und auf Frauen als KundInnen verzichten. Niemand wird wohl im Ernst davon ausgehen, dass nackte Frauen in der Bierwerbung dazu angetan sind, vor allem Frauen zum Hirter-trinken zu animieren. Vielleicht sollten Frauen das Signal ernst nehmen und einfach auf Hirter verzichten. Es gibt genügend andere gschmackige Biere.
Gegen Hirter Bier wird gewettert während in der eigenen Partei Sexismus geduldet wird!!In Bruck Mur werden unter Unterstützung der Brucker SPÖ und ihrem SPÖ Bürgermeister MISS Wahlen veranstaltet!! Diese Fleischbeschau ist offensichtlich kein Problem !! Aber offensichtlich hackt keine SPÖ Krähe einer anderen SPö Krähe ein Auge aus!! Also sollten die mal schön ruhig sein und vor der eigenen Tür kehren!!
http://www.kleinezeitung.at/steiermar... auen.story
sind natürlich Steilvorlagen für amüsante Konter!
Aber irgendwie bleibt mir das Lachen schon im Hals stecken?
Natürlich ist es erstmal lächerlich, dass 3 Damen, die jeweils eine nackte Schulter zeigen Empörung bei der SPÖ auslösen....aber was sagt uns das über den Zustand der Politik in Ö?
Ist der Einfluß der Politik auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirklich schon so klein? Können unsere PolitikerInnen wirklich mit ihrem Geld und ihrer Zeit nicht relevantes bewirken, dass die Plakatwerbung von Hirter als Reibebaum herhalten muß?
Irgendwann werden's auch bei uns Sendungen zeitversetzt ausstrahlen - aus lauter Angst vor ein paar nackten Tuttln.
Was war dann mit den "Palmers-Ärschen"? Sind damals Menschen ob des erschütternden Anblicks zu Tode gekommen? Ich finde beide Plakatsujets (Palmers und Hirter) schön, erotisch und WEIT innerhalb der Grenzen dessen, was im öffentlichen Raum noch erlaubt sein soll.
Was bitte ist an Abbildung von nackten Frauen, die dabei durchaus positiv dargestellt werden und sicher freiwillig mitgewirkt haben, abwertend, erniedrigend usw.? Dass hübsche (und leichtbekleidete) Frauen Blicke auf sich ziehen, ist nunmal so - Beschwerden darüber bitte an die Natur! Und wenn eine Frau das freiwillig nützt, um damit Geld zu verdienen, und wenn es auch für eine Werbung ist, wo natürlich die werbende Firma auch daran mitverdient, dann ist das bitte Angelegenheit zwischen den Frauen und der Firma und geht alle anderen Frauen nichts an! Frauen, die mit den naturgegebenen Reizen des weiblichen Körpers ein Problem haben, mögen sich bitte in "Kartoffelsäcke" kleiden und alle anderen Frauen in Ruhe lassen!
Ich bezweifle, dass man dem Grundsexismus entgegenwirken kann, indem man sich ein x-beliebiges Plakat herauspickt, noch dazu, wo der Werberat schon in viel krasseren, weit eindeutigeren Fällen sich auf einem Auge als blind erwiesen hat. (Ich erinnere an die skandalöse Entscheidung zum Triumph-Plakat, als der Werberat sich auf die Argumente der BeschwerdeführerInnen insbesondere zum Text "Kurventreu. Geländegängig. Macht alles mit" nicht einmal einließ, und statt dessen treuherzig naiv gefinkelt argumentierte, das Bild(!) sei doch nicht anstößig.)
Der Grundsexismus besteht im krassen Missverhältnis der spärlich bekleideten und oft (nicht im Hirter Fall) in unterwürfigen Positionen abgebildeten Frauen zu den kaum je so abgebildeten Männern.
Und auch sonst nichts, was in irgendeiner Weise abwertend, beleidigend usw. wäre.
Noch dazu sind die Körper auf dem Hirter-Plakat vollständig mit Händen verdeckt, eine der 3 Frauen außerdem nur von der Seite zu sehen! Außerdem sind Bauch, Unterleib und Beine auf dem Plakat gar nicht zu sehen! Woher wollen also diese sogenannten Frauenrechtlerinnen (die in Wahrheit offenbar andere Frauen - die ja daran auch mitverdienen - bevormunden wollen), bitte wissen, dass diese Frauen - auch unterhalb der Gürtellinie - nackt sind !?!
Wenn ein Plakat wirklich sexistisch ist, würde ich die Proteste ja verstehen, aber beim hier vorliegenden Hirter-Plakat sind die Vorwürfe absurd!
Der folgende Satz ist leicht ironisch zu verstehen:
Ich als Mann fühle mich diskriminiert, weil ich von Natur aus nicht die Möglichkeit habe, mir in diversen Lebensbereichen - sowohl privat als auch in der beruflichen Karriere - durch enge Kleidung, tiefes Dekoltee, bauchfreie Kleidung, kurze Röcke, Lippenstift, Schuhe mit hohen Absätzen etc. diverse Vorteile zu verschaffen (was viele Frauen durchaus bewusst, freiwillig und gerne tun!) und verlange, dass die Politik umgehend daran arbeitet, das zu ändern!
Niemand hindert dich, dich so zu kleiden, wie du es willst - außer du selbst. Klar wirst du jetzt sagen, dass du dir als Mann das "nicht leisten" kannst (es gibt Männer, die sich über solche Schranken einfach hinwegsetzen, ich hab schon ein paar davon gesehen), - aber es können sich z.B.auch Frauen, denen die entsprechende Figur fehlt (die zu dick sind, einen zu kleinen Busen für ein Riesendekolletee haben etc.) nicht "leisten", sich in unserer Gesellschaft so zu kleiden wie von dir geschildert. Also entweder nimmt man die hämischen Reaktionen etc. bewusst in Kauf und kleidet sich trotzdem so, wie es einem/r gefällt, auch wenn das im Widerspruch zu gesellschaftlichen Normen ist, oder man verzichtet darauf, beides geschieht freiwillig.
Tatsache ist aber eben nunmal, dass bauchfrei, tiefes Dekoltee, Lippenstift, hohe Absätze allen Frauen zur Verfügung steht (wobei sich sehrwohl auch dicke Frauen durch solche Methoden durchaus Vorteile verschaffen können und sehrwohl durchaus positiv anziehend wirken!), während Männer sich mit bauchfreier Kleidung, Lippenstift, hohen Absätzen und tiefem Ausschnitt sicher KEINE Vorteile verschaffen KÖNNEN! Außer in Homosexuellen-Vereinigungen - was jetzt NICHT abwertend gegen Homosexuelle gemeint ist, aber es ist nunmal so, dass im Gegensatz zu Männern bei den Frauen auch Heterosexuelle diese Möglichkeiten haben! Auch analoge Möglichkeiten gibts für Männer eigentlich nicht.
interessante diskussion auf arte
http://www.youtube.com/watch?v=spIrhYfwi5c
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