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London/Berlin/Hamburg - FotografInnen und BildbearbeiterInnen manipulieren die meisten der Fotos von Models oder berühmten Persönlichkeiten: In der Retusche wird geschnipselt, ausradiert oder schlank gemacht, damit das Endergebnis allen Ansprüchen makelloser Schönheit entspricht.
Was die BetrachterInnen optisch so bestechen soll, hat jedoch gefährliche Nebenwirkungen. "Junge Mädchen stehen unter starkem Druck, da sie glauben so aussehen zu müssen wie die manipulierten Fotos", warnt die britische Organisation "Girlguiding", der Mädchen-Zweig der britischen Pfadfinder. Sie fordert die Kennzeichnungspflicht für manipulierte Fotos.
Auch eine Britney ist nicht perfekt
Neu ist die Idee nicht. Schon im Vorjahr hat sich die französische Politikerin Valerie Boyer für die Kennzeichnung der Retusche in Hochglanzmagazinen eingesetzt. Auch eine aktuelle israelische Gesetzesinitative fordert, dass Plakate mit digital überarbeiteten Model-Fotos ohne entsprechende Kennzeichnung entfernt werden müssen. Was beide wollen, ist die Änderung der gesellschaftlichen Norm der kranken, magersüchtigen Models.
Einen anderen Weg beschritt die US-Sängerin Britney Spears, die sich kürzlich von der Modefirma "Candie's and Kohl's" unretuschiert darstellen ließ und dabei Cellulite und Hüftspeck preisgab.
Zwänge und Störungen
Warum die Retusche ein Problem ist, zeigt Girlguiding anhand einer Studie. 50 Prozent der 16- bis 21-jährigen britischen Mädchen überlegen demnach ernsthaft eine Schönheitsoperation. Bereits 42 Prozent der Elf- bis 16-Jährigen achten beim Essen schon auf ihre Linie. "Jugendliche mit Essstörungen sagen uns, dass das tägliche Ansehen von unnatürlich perfekten Körpern ihre Genesung um ein Vielfaches erschwert. Es würde den Selbstwert und das Körperbild von Teenagern wesentlich verbessern, wenn sie sicher sein können, welche Bilder echt sind", erklärt Susan Ringwood, eine Sprecherin der Organisation.
Erkennen nur die eine Sache
"In der Beratungs- und Präventionsarbeit zeigt sich, dass Jugendliche meist sehr gut über Manipulation von Bild- und Filmmaterial in den Medien Bescheid wissen", berichtet Andrea Reitz vom Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen. Nur die intellektuelle Erkenntnis reiche jedoch nicht aus, um einer Beeinflussung durch Bilder zu entgehen. "Selbst wenn sich viele kritisch gegenüber Magermodels äußern, gehen sie deshalb nicht zwangsläufig wohlwollender mit dem eigenen Körper um." Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge hat jedes dritte Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren einzelne Symptome einer Essstörung.
Vor unrealistischen Schönheitsbildern warnen sogar plastische ChirurgInnen. "Wenn ein Mädchen schon mit 18 aus einem normalen einen riesigen Busen machen will, bekommt sie später zwangsläufig eine überdehnte Haut. Kommen die Kinder, hat die Brust schon zu viel mitgemacht", warnt Albert Hofmann von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Viel zu oft werde eine Schönheits-OP einem Friseurbesuch gleichgesetzt. "Während ein Haarverschnitt schnell nachwächst, bleibt eine Operationsnarbe ein Leben lang", so der Experte. (pte)
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