Europa

Nur Belgien legt anonymisierte Bewerbung gesetzlich fest

24. August 2010 17:38
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    Foto: © Thorben Wengert / PIXELIO www.pixelio.de

    Vor allem Frauen, ältere ArbeitnehmerInnen und AusländerInnen sollen vor Diskriminierung geschützt werden.

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Anonyme Bewerbungen soll vor allem Frauen, ältere ArbeitnehmerInnen und AusländerInnen vor Diskriminierung schützen

Paris - Europaweit hat bisher Belgien als einziges Land ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren gesetzlich eingeführt, um vor allem Frauen, ältere ArbeitnehmerInnen und AusländerInnen vor Diskriminierung zu schützen. In Deutschland haben sich fünf große Unternehmen wie der Kosmetikkonzern L'Oreal und die Deutsche Telekom zu einem Testlauf bereiterklärt. Experimentiert wird mit dem anonymen Lebenslauf auch in anderen Ländern.

  • Belgien hat Anfang 2005 gesetzlich festgelegt, dass in Bewerbungen für die Verwaltung weder der Name, noch das Alter oder das Geschlecht stehen darf, ganz zu schweigen von einem Foto. Auch wenn BeamtInnen sich innerhalb der Verwaltung um einen anderen Arbeitsplatz bewerben, wird ihr Lebenslauf anonymisiert. Für die Privatwirtschaft gilt die Vorschrift nicht.
  • Frankreich hat im November versuchsweise einen anonymisierten Lebenslauf eingeführt, nachdem er für Firmen mit mehr als fünfzig Mitarbeitern theoretisch seit März 2006 gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Regierung setzte die Vorschrift aber bisher nicht in Kraft. An dem Probelauf beteiligen sich 50 Firmen, darunter die Hotelkette Accor und der Mineralölkonzern Total. Im Herbst will die Regierung eine Bilanz ziehen.
  • In den Niederlanden und der Schweiz ist das Ergebnis von Testläufen bisher nicht aufschlussreich genug, das anonymisierte Bewerbungsverfahren wurde deshalb nicht verpflichtend eingeführt.
  • Schweden experimentierte von Oktober 2004 bis Juni 2006 mit einem Modellprojekt in der Stadt Göteborg. Dabei zeigte sich, dass Frauen und BewerberInnen mit ausländischen Wurzeln mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem Auswahlgespräch eingeladen wurden, wenn sie sich anonym bewarben; bei Frauen war zudem die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie die Stelle tatsächlich angeboten bekamen.
  • In Großbritannien hatten sich die Liberaldemokraten im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, das Gleichstellungsgesetz zu ändern und Lebensläufe ohne Namen verpflichtend einzuführen. Der Vorschlag wurde aber abgelehnt. Wissenschaftlich untersucht wurde das anonymisierte Bewerbungsverfahren nur 1998 im Bereich von Studienplätzen der Medizin in Leeds.
  • In den USA ist Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt schon seit 1964 im Bürgerrechtsgesetz untersagt. Ein Modellprojekt gab es bisher aber nicht. Weil auf Grundlage der bestehenden Gesetze viele BewerberInnen wegen Diskriminierung klagen, versuchen Unternehmen schon alleine aus finanziellen Gründen, eine Benachteiligung zu vermeiden. (APA)
Cassius
26.08.2010 16:35
Wenn ein Unternehmen es sich

leisten kann, Frauen abzulehnen, dann bedeutet das doch nur, dass es zuwenige Arbeitsplätze gibt. Hier ist die Politik dazu übergangen Schuld abzuladen.

Beim Barte des Proleten!
26.08.2010 14:19
alla Herzblatt

Kandidat1 2 oder 3

b_tom
25.08.2010 10:25

Werden dort Leute ohne persönliches Gespräch eingestellt?
Oder kommen die dann in der Burka zum Bewerbungsgespräch?

Kann mir nicht ganz vorstellen, wie das funktioniert.

lemming0815
25.08.2010 11:22
Schweden experimentierte [..]. Dabei zeigte sich, dass Frauen und BewerberInnen mit ausländischen Wurzeln mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem Auswahlgespräch eingeladen wurden

Ich vermute einfach, dass es überall so abgelaufen ist. Anders geht es einfach nicht (Vorstellungsgespräch mit Trennwand???)

ardilla
25.08.2010 11:49

Ohne vorher persönlich mit dem Bewerber gesprochen zu haben sollte man niemanden einstellen, finde ich. Umgekehrt würde ich auch nicht in einer Firma anfangen, wo ich nicht vorher meine zukünftigen Kollegen und Vorgesetzten kurz kennengelernt habe.

anna saringer
25.08.2010 12:06

es geht bei der anonymisierten bewerbung um die *vorauswahl*, nicht um die anstellung. viele menschen werden bereits bei ihrer schriftlichen bewerbung aufgrund von für den job meistens völlig irrelevanten kriterien (alter, geschlecht, herkunft, ... ) aussortiert und gar nicht erst zu einem gespräch eingeladen.

ardilla
25.08.2010 12:14

Das ist mir schon klar, ich habe mich auch nur auf die Vorposts bezogen.
Ich halte die anoymisierte Bewerbung für eine gute Idee. Aber ganz wird man Diskriminierung dadurch leider auch nicht ausschalten können, weil ein persönliches Gespräch sich in den meisten Fällen nicht umgehen lassen wird.

anna saringer
25.08.2010 12:30

stimmt.
meine hoffnung ist, dass es den firmen das diskriminieren nicht mehr so leicht fällt, wenn sie von 50 eingeladenen 40 menschen mit migrationshintergund und 20 leute über 40 haben. bewerbungsverfahren kosten ja auch geld. ich nehme an, das steht hinter dem ergebnis des testlaufs aus schweden, wo frauen die stelle tatsächlich öfter angeboten bekommen haben.

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