Medienschau

Babys als die neuen Patriarchen

Beate Hausbichler, 08. September 2010 07:00
  • Artikelbild
    Foto: apa / patrick lux

    "Heute entscheiden sich manche Frauen bewusst für ein paar Jahre Familienarbeit", das ist der große Unterschied für die Bloggerin "Frau Stricktier". 

  • Artikelbild
    Foto: c.h. beck

    "Der Konflikt. Die Frau und die Mutter", C.H. Beck Verlag, 222 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3406608018

Kaum liegt das neue Buch der Star-Feministin Elisabeth Badinter auf Deutsch vor, gibt es rege Debatten um vernachlässigte Kinder und Feminismus von gestern

Die Tinte der deutschen Ausgabe von Elisabeth Badinters "Der Konflikt. Die Frau und die Mutter" ist kaum trocken, die Resonanz ist aber schon bemerkenswert. Obwohl viele die erst dieser Tage erschienene deutsche Ausgabe von "Le conflit. La femme et la mère" im Detail noch gar nicht gelesen haben können, wird der französischen Philosophin und Star-Feministin Badinter schon begeistert zugejubelt oder sie wird als kinderfeindliche, "gehäkelte" Feministin" kritisiert. Elisabeth Badinter stand auch schon in der 80ern mit ihrem Buch "Die Mutterliebe - Geschichte eines Gefühls" im Kreuzfeuer der Kritik, in dem sie eben diese als keine substantielle Eigenschaft von Müttern, sondern als historisch nachvollziehbare Konstruktion zu entmystifizieren suchte.

Den Berichten rund um das neue Buch von Badinter zufolge, nimmt sie dieses Mal vor allem einen Naturalismus in den Fokus, der junge Frauen auf neuartige Weise an Heim und Herd fesselt. Der Druck auf Mütter, alles richtig, biologisch und pädagogisch hochwertig zu machen steigt. Daher wären es nicht mehr Männer, die Frauen um ein autonomes Leben bringen, sondern die kleinen Racker selbst, was die Aufregung um Badinters Buch schon teilweise erklärt. Wer Babys als die "besten Verbündeten der männlichen Vorherrschaft" bezeichnet, wie Badinter in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, macht sich nicht nur FreundInnen.

Glorifizierung der Arbeitswelt

So findet etwa Susanne Mayer in der Zeit: "Kinder kommen in diesem Buch nicht gut weg". Mayer liest in "Der Konflikt" ein Plädoyer für eine kinderlose Freiheit, denn „so eilt es sich leichtfüßig und ohne feuchte Flecken auf der Bluse zum Geldverdienen", natürlich auf Kosten der Kinder. Und alles nur, um einem Konsumdenken, den Gesetzen des Marktes und einer Glorifizierung der Arbeitswelt zu folgen.

Keine Forderungen nach Befreiung, sondern vielmehr Anpassung ortet auch die Bloggerin Antje Schrupp. Badinter würde Simone de Beauvoirs Ansatz einer existenzialistischen Selbstverwirklichung auf ein plumpes Karrieredenken runter brechen. "Frauen sollen nicht so viel Gedöns um das Kinderhaben machen, damit sie beim Karrieremachen nicht mehr als nötig ins Hintertreffen geraten. Mehr Angepasstheit geht kaum", so Schrupp in ihrem Blog. Einig ist sich Schrupp allerdings mit der dreifachen Mutter Badinter, dass "der Druck, eine gute Mutter zu sein, alles andere als hilfreich ist." Für Schrupp aber noch immer kein Grund, Autonomie an einen Verzicht auf "Familienphasen" zu knüpfen.

Alles Bio

Auch bei "Frau Stricktier" kommt "Der Konflikt" - obwohl ungelesen - nicht gut weg. Badinter würde als kollektive Feindin die Zurück-zur-Natur-Bewegung ins Feld führen. Konkret sind das laut Reaktionen auf Badinters Thesen Stillen bis ins hohe Alter (der Kinder), ausschließlich selbstgekochtes Biogemüse für die Kleinen oder natürliche Geburten ohne PDA.

"Mich bestürzt die Vehemenz (und auch die Kaltblütigkeit), mit der Frau Badinter einfordert, dass Mütter sich so bald als möglich vom Kind lösen: sie begründet es allen Ernstes damit, dass man im 18. Jahrhundert in Frankreich schon dazu übergegangen war, Kinder zu Ammen aufs Land zu verfrachten," so "Frau Stricktier", für die die "gehäkelte Feministin" vor allem einem Irrtum aufsitzt: "Die Frauen von heute unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von den Frauen ihrer Generation. Heute entscheiden sich manche Frauen bewusst für ein paar Jahre Familienarbeit." Außerdem würden viele Frauen von heute „über einen Haufen Bildung verfügen." Somit würde ihnen auch nichts verloren gehen, wenn sie ein paar Jahre bei ihren Kindern bleiben. "Herrjeh! Mir ist kein Gehirn aus der Brust getropft während ich gestillt und nebenher im Übrigen meine Aufträge erledigt habe."

"Exponierte Positionen"

Barbara Vinken, Professorin für Allgemeine und Französische Literaturwissenschaft, kennt das Buch und zeigt sich in der taz mit dem erwähnten Zeit-Artikel insofern einverstanden, dass Badinter ein Zukunftsszenario beschreibt, das in Deutschland längst vorherrscht. "Weil uns die gute Mutter zur zweiten Natur geworden ist, haben wir in Deutschland selbstverständlich wesentlich weniger Kinder als in Frankreich." Für die, die zu einer völligen Hingabe nicht bereit sind, ist die Kinderfrage damit erledigt. Vinken sieht die Schwierigkeiten weniger in essentialistischen Zuschreibungen an Frauen, wie es sie vielleicht noch vor einigen Jahren stärker gab, sondern in den zu hohen Ansprüchen von und an Mütter. "Schade, dass es Frauen so schwer gemacht wird, aufgrund des übermächtigen Mutterideals." Ein wichtiges Buch von einer "Figur aus der Großbourgeoisie", wie es sie in Deutschland nicht gibt und die mit "intellektueller Verve" exponierte Positionen vertritt.

Aber nicht nur Vinken gewinnt dem "Konflikt" viel ab. Auch die Emma spricht von einem klugen Buch über den vor "allem in Deutschland grassierenden Mütterwahn".

Ob "Polemik", wie der Text vielerorts bezeichnet wird, oder messerscharfe Analyse - eine neue rege Debatte über Feminismus und Mutterschaft kommt auf uns zu. Allerdings ist diese einmal mehr durch die Abwesenheit von Männern gekennzeichnet. So steht für Susanne Mayer auch schon der Gewinner der Debatte fest und sie zitiert dazu die Philosophin Badinter: Die Männer könnten sich freuen, denn "sie haben ihren heimlichen Kampf gewonnen, ohne zu den Waffen zu greifen oder auch nur ein Wort zu sagen." (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 8.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 89
1 2 3
N D R
11.09.2010 21:47

Würd mich ja interessieren wie viele PosterInnen hier - die sehr aktive Frau Rehak eingeschlossen - das Buch überhaupt gelesen haben. Ich nämlich schon und zwar bevor sich hier im Standard überhaupt wer aufgerafft hat was dazu zu schreiben. Wundert mich nicht, wird doch in dem Buch recht interessant ausgeführt wie die neuen Bobo-Vorstellungen von ökiger Kindererziehung die Frauen wieder in höchst traditioneller Weise ans Heim binden. Das liest das Zielpublikum des Standard wahrscheinlich nicht so gerne ...

zahnloser Tiger
10.09.2010 12:38
jede Frau die sich ihre Werte von aussen oktroyieren lässt

braucht auch Menschen wie Badinter, die ihr "die Wadl'n vierericht'n" und ihnen extern ihre Ziele und Wünsche eingeben

jede selbstbestimmte Frau die ihre Freiheit erkennt und auch nutzt wird wohl nur lachen können darüber

interessant ist hier viel eher das Selbstverständnis einer sogenannten Feministin, die die Freiheit ihrer Schwestern gegen die "ideologisch richtige Vorgehensweise" tauschen möchte

daß Badinter dieses Paradoxon ihrer Philosophie nicht durchschaut wertet für mich ihre Thesen extrem ab

letztlich kann man nur feststellen, daß der Titel etwas unpassend erscheint. Die Erbschuld der Ungeborenen als "Patriarchen" ist nicht nur polemisch, sondern kommt auch mit keinem Wort vor, nichtmal implizit

Nennt mich Loretta
 
10.09.2010 09:49
Die neue Erbschuld der Babies....Sie kommen als Patriachen auf die Welt.

Das sag noch einer, Feminismus hätte nix mit Religion am Hut ;-)

Lilith Boessse
 
09.09.2010 22:01
das gibts schon immer, dass den frauen dreingesprochen wird.

in den 60ern/70ern hat man(n) den frauen eingeredet, dass flascherl geben gesünder sei als stillen. dass babys schreien müssen und so, und eh kein ausgeprägtes empfinden hätten. das gipfelte anscheinend in tagebucheinträgen von müttern, die schrieben, dass ihre baby ewig lang geschrien hätte, und die mutter das gefühl hatte, es würde gerne getragen werden - aber das könne ja nicht sein!!

halt auch blöd, dass frauen so blöd sind, sich drein reden zu lassen.
mittlerweile sind wir grade an dem punkt, dass den frauen gesagt wird, mit welchen alter ein kind in den kindergarten zu gehen hat. gibt eine mutter ihr kind später außer haus, ist sie eine rabenmutter, weil sie klammert.

schwierig, schwierg diese sache ohne die es die menschht

DagmarRehak
 
09.09.2010 22:26
"halt auch blöd, dass frauen so blöd sind, sich drein reden zu lassen."

vollste Zustimmung

---01
09.09.2010 16:31
wogen 3

einer Scheidung. Man darf nie vergessen, wie wichtig es ist, nebst Partnerschaft und Kinder selbstbestimmt zu sein und seine eigenen Interessen (auch beruflich und ich rede hier nicht von Traumjobs) zu verfolgen. Ich habe kürzlich wieder von einer Statistik gelesen, die zeigt, wie sehr viele Frauen sich dagegen sträuben, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten bzw. sich zB. davor scheuen, Verantwortung im Beruf zu übernehmen– meine freie Übersetzung lautet: das Gehirn zu benutzen. Es fehlen also nicht nur die Rahmenbedingungen wie genügend Kinderbetreuungsplätze. Als weiterführende Lektüre empfehle ich „Der Cinderella-Komplex“ von Colette Dowling.

Martin Schwarzbauer
 
10.09.2010 10:37

"Ich habe kürzlich wieder von einer Statistik gelesen, die zeigt, wie sehr viele Frauen sich dagegen sträuben, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten"
Die würde ich gern sehen, vielleicht steht dann dort auch, was unter "aktiv mitgestalten" zu verstehen ist.
Meiner Meinung nach getalten Frauen ihr unmittelbares privates Umfeld sehr aktiv (z.B. Haus, Einrichtung, alltägliche Entscheidungen im Familienleben), sind aber tendenziell zurückhaltender im öffentlichen Leben.
Demnach wäre Ihre "freie Übersetzung" hinfällig - Frauen setzen Ihre Gehirne tendenziell für andere Tätigkeiten ein als Männer. Sind ja auch ein bissl anders gebaut, also vermutlich für verschiedene Aufgaben optimiert.
Dass diese Aufgaben gering geschätzt werden ist ein Fehler.

---01
09.09.2010 16:31
wogen 2

und einer des Öfteren narzisstisch-krankhaften Fixierung auf das / die Kind(er) selbst, auch ein anderes Leben gibt. Nein, ich schmälere ihre Leistung nicht mit meiner Aussage, aber dennoch ist es imho in der Regel weniger aufreibend, sich bei den eigenen Kindern als in der oft sehr rauen Berufswelt zu behaupten. Viel zu anstrengend für viele Frauen, die sich lieber daheim mit ihren Kindern verkriechen und im schlimmsten Fall auch noch davon überzeugt sind, es sei ihr gottgegebenes Recht, von ihrem Mann versorgt zu werden. Sich in vollstem Bewusststein in die emotionale, möglicherweise mit der Zeit sogar geistige und finanzielle Abhängigkeit von jemand zweitem (dem Mann) zu begeben, kann sehr schlecht für die Mutter ausgehen, zB. im Falle

Martin Schwarzbauer
 
10.09.2010 10:47

"Viel zu anstrengend für viele Frauen, die sich lieber daheim mit ihren Kindern verkriechen und im schlimmsten Fall auch noch davon überzeugt sind, es sei ihr gottgegebenes Recht, von ihrem Mann versorgt zu werden."
Wenn ein Paar sich gemeinsam entschließt Kinder zu bekommen, gemeinsam beschließt dass die Mutter sich um die Kinder und den Haushalt kümmern soll und dafür - evtl. zeitlich begrenzt - keiner Berufstätigkeit nachgeht, dann hat sie selbstverständlich auch das Recht, vom Vater der Kinder versorgt zu werden. Voraussetzung ist eben, dass dies auf einem gemeinsamen Entschluss beruht.

Dass sich daraus auch Probleme ergeben können, stimmt schon, darüber soll man aufklären. Ihre Verachtung für dieses Modell finde ich aber befremdlich.

---01
09.09.2010 16:31
wogen

Leider habe ich das Buch noch nicht gelesen, und kann daher nicht bewerten, wie radikal Badinter tatsächlich gegen das Muttersein per se angeschrieben hat ... aber ich kann in den Reaktionen, Postings und Rezensionen auf das Buch lediglich eine Schwarz-Weiß-Malerei erkennen. Fakt ist: Frauen sind das Geschlecht, welches den Fortbestand sichert, indem es Kinder bekomm (danke auch an die Männer für die tatkräftige Hilfe). No na. Fakt ist aber auch, dass Kinder kriegen und das in vielen Fällen fast zwangsläufig damit verbundene Daheimbleiben wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt. Ich denke, es geht vielmehr darum, Frauen daran zu erinnern, dass es neben dem Kinderkriegen und –erziehung mit dem selbst auferlegten Anspruch auf Perfektion

Martin Schwarzbauer
 
10.09.2010 10:55

"Fakt ist aber auch, dass Kinder kriegen und das in vielen Fällen fast zwangsläufig damit verbundene Daheimbleiben wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt."
Das kommt drauf an, wie man an die Sache herangeht: betrachtet man "keine Kinder bekommen" vs. "Kind(er) bekommen" aus wirtschaftlicher Sicht, steigen die Kinder schlecht aus.
Geht man hingegen davon aus, dass man sich Kinder wünscht und diese gut und liebevoll versorgen will, stellt sich die Frage anders: Verdienstentgang vs. gleichwertige Betreuung zukaufen. (Damit verknüpft: kann ich überhaupt gleichwertige Betreuung zukaufen? In welchem Ausmaß?)
Beide tragen die Lasten gemeinsam - alles verfügbare Einkommen ist Familieneinkommen.

DagmarRehak
 
10.09.2010 13:55

Es ist aber auch nicht so, dass man jede Lebensminute mit finanziellem Ertrag rechtfertigen muss. Man kann auch Kinder kriegen, Alte pflegen oder auch gar nichts tun. Wir müssen ganz schön arm sein, wenn wir von jedem Menschen verlangen, die ganze Zeit Geld zu verdienen. Abgesehen davon, dass das gar nicht nötig ist, ist es auch nicht möglich. Und die, die grad "nichts" machen, haben auch ein Existenzrecht.

Martin Schwarzbauer
 
10.09.2010 16:04

"Es ist aber auch nicht so, dass man jede Lebensminute mit finanziellem Ertrag rechtfertigen muss."
Das ist zwar richtig, allerdings möchte ich festhalten, dass wer nichts zum gemeinsamen Wohlstand beiträgt, obwohl er es könnte, nicht dran teilhaben soll. "Jede Lebensminute" ist sowieso abstrus, aber ein Gutteil des Lebens im arbeitsfähigen Alter muss dafür verwendet werden, die Güter zu erzeugen und Leistungen zu bringen, die wir alle konsumieren.

Das schließt nicht aus, dass man jedem ein Lebenskontigent von z.B. 5 Jahren an durch die Allgemeinheit finanzierten Grundeinkommen zugesteht (beliebig konsumier- und auch wieder auffüllbar).
Es schließt aber sehr wohl aus, freiwillig Unproduktive dauerhaft zu alimentieren.

DagmarRehak
 
10.09.2010 18:36
Falsch.

In einer Gesellschaft, in der es nicht möglich ist, ohne Geld am Leben zu bleiben, muss entweder die Möglichkeit dazu geschaffen werden oder, bis man so weit ist, das zum Überleben notwendige Geld jedem zur Verfügung stellen.
Es geht bei der bedingungslosen Existenzsicherung nicht um Wohlstand, sondern ums nackte Leben.
SO unproduktiv sind die freiwillig Unproduktiven ja gar nicht. Niemand tut gern nichts, sondern eben Dinge, für die man kein Geld bekommt. Das sind unter Umständen Dinge, die weder Güter noch Leistungen sind, sondern vielleicht einfach Zeit zum Plaudern haben, über den Sinn des Lebens nachdenken, Komponieren, Malen,... und eben Kinder kindgerecht aufziehen. Wir haben die totale Produktivität auch gar nicht notwendig.

So, und jetzt bin ich doch endgültig vom Thema abgekommen.

Martin Schwarzbauer
 
10.09.2010 18:56
Falsch?

Leben ohne Geld soll möglich sein? Wenn, dann nur durch Selbstversorgung, und das heißt Arbeit. Ist aber nicht so effizient wie Arbeitsteilung, darum hat man die eingeführt und anfangs Tauschhandel betrieben. Das war aber nicht so effizient wie Geld als abstraktes Tauschmittel, darum haben wir jetzt Geld als Symbol für geleistete Arbeit, die ich gegen die Erzeugnisse der Arbeit anderer tauschen kann.

"Am Wohlstand teilhaben" heißt, dass ich mir das abgepackte Fleisch aus dem Kühlregal nehmen kann und nicht selbst Vieh ziehen und schlachten muss - weil es eben andere getan haben. Es heißt, dass ich in einem Gebäude wohnen kann, das andere gebaut haben. Es heißt: ich konsumiere die Früchte der Arbeit anderer.Dafür muss ich etwas zurückgeben.

DagmarRehak
 
10.09.2010 20:29
Aja, und...

Was arbeiten Sie denn?

Wenn ich mir vorstelle, ich würde für meine lieben Nachbarn Äpfel pflücken, Eier sammeln, Mehl mahlen,... und daraus einen Apfelkuchen machen, würde mir das ein riesigen Spaß machen, auch wenn die Nachbarn ansonsten in der Hängematte liegen (so stehen sie wenigstens nicht im Weg herum). Hauptsache, es schmeckt allen, und wir sind glücklich und zufrieden, ich ganz besonders, denn ich habe ein Werk erschaffen und meinen lieben Nachbarn wieder ein bisschen mehr das Leben ermöglicht.
Ich hätte da kein Problem damit. Deshalb frag ich mich, was Sie arbeiten, das so grauslich ist, dass Sie nicht Ihre Arbeitszeit für andere einsetzen wollen.

DagmarRehak
 
10.09.2010 20:18

Am Wohlstand teilhaben kann man auch ganz gut aus Supermarktmistkübeln. So viel kann man gar nicht essen, wie da weggeschmissen wird.
Kleidung gibt es für ein paar Zerkwetschte.
Aber Obdach lassen wir (noch?) nicht aus China importieren und ist entsprechend teuer. Selbst eine Unterkunft bauen zu dürfen, müsste eine Verwaltung, die Existenzsicherung verweigert, ermöglichen. Ist aber de facto unmöglich.

Weiters nicht möglich ist bäuerliche Selbstversorgung, da man sich nicht einfach auf freien Flächen was anbauen kann, weil es keine freien Flächen gibt. Sogar die allergrößte Einöde darf man nicht bewirtschaften, weil sie jemandem gehört, der es sich leisten kann, sie brachliegen zu lassen und der auch nicht will, dass sich jemand damit selbst versorgt.

Richard Ebner
09.09.2010 16:24
Als Vater von zwei Mädchen mit voll ...

... berufstätiger Ehefrau finde ich den Artikel und die Diskussion hier etwas verstörend.
Kinder zu haben ist doch bitte das Normalste überhaupt.
Umgekehrt ist keiner dazu gezwungen, der nicht will.
Und dass die Kinder von Müttern und Vätern geliebt werden, halte ich auch für den Normalzustand.

Siegfried Steurer
09.09.2010 07:18
entsetzlich

wie sich diese "Kommentatoren" ueber Frau Badinter hermachen ohne eine Ahnung von ihren Buechern zu haben. So sollte z.B. das Aufzeigen der Ammen-Praxis lediglich dazu dienen, eben jenen Mythos "Mutterliebe" zu destruieren, was auch 30 Jahre danach kaum jemand (an)erkennen will (trennt man sich doch von fast schon religiös verklärten Konzepten nur ungern ("meine Mutter 'musste' mich gar nicht lieben? Hat sie ...?").

Ich kann mir nicht vorstellen dass Frau Badinter die Arbeitswelt "glorifiziert"; mit Beauvoir wird sie wohl eher (was ja ebenfalls immer noch notwendig ist) auf die Freiheit hinweisen, die (der Lohn der) Arbeit eben auch und gerade Frauen bringt, und dass es Vorraussetzungen bedarf um dies und Kind zu vereinbaren.

Der Geist der Ahnung
 
09.09.2010 10:59
"Mythos 'Mutterliebe'"? Soll das heißen, dass es sie nicht gibt?

Bin zwar nur ein NaWi/Biologie/Evolutionstheorie-Laie, trotzdem eine kleine Wortspende: Säugetiere sind eine Gattung, bei der der Nachwuchs nur überleben kann, wenn er die erste Zeit mit Nahrung aus dem Körper der Mutter versorgt wird. MMn muss dies geradezu dazu führen, dass die Evolution so etwas wie einen 'Mutterinstinkt' als typisches Merkmal der – weiblichen! – Individuen hervorbringt. Da auch der Mensch ein Säuger ist und uns ein paar 1000 Jahre Viehzucht bzw ein paar Dekaden Hipp-Babymilch dieses evolutionäre Erbe kaum ausgetrieben haben werden, wird es die Mutterliebe wohl auch bei uns geben (ganz ohne 'Mythos').

Siegfried Steurer
10.09.2010 07:47
?

Ich kann wirklich nur die Lektuere der "Mutterliebe" empfehlen. Der Nachwuchs muss ueberhaupt nicht mit Nahrung aus dem Koerper der *Mutter* versorgt werden. Und Mutterliebe *als solche* ist ein Mythos. Nichts, und schon gar nicht "die Natur", "zwingt" eine Mutter dazu, ihr Kind per se zu lieben. Niemand bestreitet die Existenz von Instinkten; die Verklärung derselben zum einzigen "Denk-" und Handlungsmotiv und zur "reinen" Liebe/Lehre ist die Gretchenfrage.

jumpingjack flash
27.09.2010 19:17

nennen sie es von mir aus mutterhass - aber was sich da abspielkt, tlw. hormonell gesteuert oder weil man etwas in das man 9 monate investiert hat nicht verkommen alssen will - die kleinen werden verhätschlt, gepflegt und ja auch geliebt, sogar von der mutter.

DagmarRehak
 
10.09.2010 12:55

Nicht unbedingt lieben, aber die Persönlichkeit wird um das Kind erweitert. Lieben kann man schnell einmal wen, aber eine andere Person als Teil von sich selbst zu betrachten, geht nur über einen Instinkt. Und zu dem kommt es durch eine Geburt sehr wohl reflexartig und zwangsweise. Den Instinkt kann man zwar unterbinden oder ablenken, wie es ja auch exzessiv betrieben wird, aber grundsätzlich ist er da.
Menschen, die sich als Feministinnen bezeichnen, leugnen das gerne mit der an den Haaren herbeigezogenen Begründung, der Mutterinstinkt wäre dazu da, damit die Frau dem Mann die Schlapfen bringt oder sonstwie dient. Ein Herd kommt in diesen Theorien auch manchmal vor. Dabei hat Neugeborenes keinerlei Ähnlichkeit mit einem Mann oder einem Herd.
Und wenn eine Frau sich von so einem kleinen Kind unterdrückt fühlt, kann man die Größe ihres Selbstbewusstseins ungefähr erahnen. Dann bringt sie es natürlich auch im Beruf nicht.

jumpingjack flash
27.09.2010 19:19

ich hab genug frauen erlebt die gegen kinder waren - karriere, überbevölkerung der welt u.ä. und dann, als sie das erste kleine baby hatten war alles genauso wie es anscheinend sein soll und muss. sie hatten es über alle grenzen lieb.

DagmarRehak
 
19.09.2010 20:24

Man könnte aber die Geburt vor einem Herd stattfinden lassen und die Mutter zwingen, diesen anzuschauen und zu berühren, und das Kind gleich verschwinden lassen. So könnte es funktionieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 89
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.