Rauch-Kallat gibt Posten ab - Kampfansage der "sehr resoluten" Nachfolgerin: "Wir haben viele Quotenmänner"
Wien - Die ÖVP-Frauenorganisation bekommt eine neue "sehr resolute" Chefin.
Mit diesen Worten stellte die scheidende Frauenchefin Maria
Rauch-Kallat ihre Nachfolgerin Dorothea Schittenhelm bei einer
Pressekonferenz am Mittwoch vor. Die 56-jährige Bürgermeisterin
Schittenhelm machte gleich zu Beginn eine Kampfansage: Sie wünscht sich
im Nationalrat ein Verhältnis zwischen Männern und Frauen von 50:50. Denn: "Wir haben viele Quotenmänner."
Hälfte von Allem
"Einige der Quotenmänner sitzen für die Gewerkschaft, andere für die IV und wieder andere für Banken im Nationalrat." Sie alle hätten Lobbys hinter sich, sagte Schittenhelm. Die VP-Frauen verlangen deshalb auch Frauenquoten im Parlament. "Von den 51 Abgeordneten
sind 16 beim Bauernbund und 15 davon sind Männer", nahm auch die scheidende
Frauenchefin Rauch-Kallat die ÖVP-Bünde in die Pflicht. "Die
Hälfte der Verantwortung, die Hälfte der Arbeit und die Hälfte der
Macht", verlangte sie.
Was Quoten und Sanktionen in der
Privatwirtschaft betrifft, sind die schwarzen Frauen dagegen skeptisch. In der Privatwirtschaft möchte sie allerdings keine Quotenregelungen mit Sanktionen. Vielmehr solle der öffentliche Bereich mit gutem Beispiel vorangehen und für Betriebe Anreize schaffen, etwa auf der Steuerebene.
"Emanzipationskurse für Männer"
Schittenhelm würde zudem gerne
"Emanzipationskurse für Männer" machen. Von Frauen wünschte sie sich,
dass diese selbstbestimmt und selbstbewusst sagen, was sie wollen. Sie ortete
oft fehlenden Mut bei Frauen. Ihre männlichen Parteikollegen warnte
sie: "Ich bin nicht so gemütlich, wie ich vielleicht ausschaue."
Schittenhelm forderte einen Ausgleich zwischen männlichen und
weiblichen Abgeordneten im ÖVP-Parlamentsklub nach dem
Reißverschlusssystem. Dieses Verhältnis liegt derzeit nämlich nur bei
12 zu 51.
Skeptik gegenüber Einkommenstransparenz
Zur
Bekämpfung der Einkommensschere gibt sich Schittenhelm mit der
geplanten Offenlegung der Gehälter in Betrieben zufrieden: Sie wolle
allerdings zwei Jahre abwarten, ob diese Maßnahme greife, denn in
Norwegen und der Schweiz habe sie nichts gebracht, so Schittenhelm. Um
die Gehaltsunterschiede zu minimieren, wünscht sie sich zudem, dass
mehr Männer Elternteilzeit in Anspruch nehmen und Frauen in
Gehaltsverhandlungen sich nicht unter ihrem Wert verkaufen.
Im
Gegensatz zu Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will
Schittenhelm, dass Väter die Obsorge der Kinder mittragen - ansonsten
sei sie mit der Frauenministerin "in Frauenfragen relativ konform".
Alleinerzieherinnen haben für Schittenhelm den selben Wert wie die
traditionelle Familienkonstellation Vater, Mutter, Kind.
Gegen Burka
Klare Worte fand sie zum Thema Burka-Verbot. Österreich sei ein europäisches Land mit europäischen Gesetzen. Es könne daher nicht sein, dass sich Frauen hier vermummen. Schittenhelm betonte aber gleichzeitig, dass die derzeitigen Islam-Anfeindungen in der Wahlkämpfen in der Steiermark und Wien "mehr als verwerflich und eine Diskriminierung" seien.
Rauch-Kallat geht nicht ganz
Rauch-Kallat, die zwölf Jahre lang der Frauenorganisation vorstand,
scheidet übrigens nicht ganz aus der Politik aus und kann sich sogar
eine Rückkehr in den Nationalrat, wenn ein Platz frei werden sollte,
vorstellen. Dass
sie nach der Wahl 2008 keinen Platz mehr im Parlament bekam, sei "nicht
die Verantwortung des Josef Pröll" gewesen. Sie bleibe jedenfalls den
VP-Frauen verbunden und auch Vizepräsidentin der Organisation der
Frauen der europäischen Volkspartei. Die frühere Ministerin und Ehefrau
des Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly wolle sich nun stärker
auf ihre beiden Firmen konzentrieren - zumal sie gerade dabei ist, eine
dritte zu gründen. Sie
sprach von einer "harmonischen Übergabe" an Schittenhelm.
-> Seite 2: Mehr zur Person Schittenhelm