ÖVP-Frauenorganisation

Dorothea Schittenhelm wird neue Chefin

8. September 2010, 13:13
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    ÖVP-Frauenchefin Maria Rauch-Kallat zieht sich zurück.

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    Ihre Nachfolgerin wird Dorothea Schittenhelm. Beide sind "Exil-Burgenländerinnen". Schittenhelm musste erst eine Nacht darüber schlafen, bevor sie die ehrenamtliche Tätigkeit "mit Ehre" angenommen hat, sagte sie.

Rauch-Kallat gibt Posten ab - Kampfansage der "sehr resoluten" Nachfolgerin: "Wir haben viele Quotenmänner"

Wien - Die ÖVP-Frauenorganisation bekommt eine neue "sehr resolute" Chefin. Mit diesen Worten stellte die scheidende Frauenchefin Maria Rauch-Kallat ihre Nachfolgerin Dorothea Schittenhelm bei einer Pressekonferenz am Mittwoch vor. Die 56-jährige Bürgermeisterin Schittenhelm machte gleich zu Beginn eine Kampfansage: Sie wünscht sich im Nationalrat ein Verhältnis zwischen Männern und Frauen von 50:50. Denn: "Wir haben viele Quotenmänner."

Hälfte von Allem

"Einige der Quotenmänner sitzen für die Gewerkschaft, andere für die IV und wieder andere für Banken im Nationalrat." Sie alle hätten Lobbys hinter sich, sagte Schittenhelm. Die VP-Frauen verlangen deshalb auch Frauenquoten im Parlament. "Von den 51 Abgeordneten sind 16 beim Bauernbund und 15 davon sind Männer", nahm auch die scheidende Frauenchefin Rauch-Kallat die ÖVP-Bünde in die Pflicht. "Die Hälfte der Verantwortung, die Hälfte der Arbeit und die Hälfte der Macht", verlangte sie.

Was Quoten und Sanktionen in der Privatwirtschaft betrifft, sind die schwarzen Frauen dagegen skeptisch. In der Privatwirtschaft möchte sie allerdings keine Quotenregelungen mit Sanktionen. Vielmehr solle der öffentliche Bereich mit gutem Beispiel vorangehen und für Betriebe Anreize schaffen, etwa auf der Steuerebene.

"Emanzipationskurse für Männer"

Schittenhelm würde zudem gerne "Emanzipationskurse für Männer" machen. Von Frauen wünschte sie sich, dass diese selbstbestimmt und selbstbewusst sagen, was sie wollen. Sie ortete oft fehlenden Mut bei Frauen. Ihre männlichen Parteikollegen warnte sie: "Ich bin nicht so gemütlich, wie ich vielleicht ausschaue." Schittenhelm forderte einen Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Abgeordneten im ÖVP-Parlamentsklub nach dem Reißverschlusssystem. Dieses Verhältnis liegt derzeit nämlich nur bei 12 zu 51.

Skeptik gegenüber Einkommenstransparenz

Zur Bekämpfung der Einkommensschere gibt sich Schittenhelm mit der geplanten Offenlegung der Gehälter in Betrieben zufrieden: Sie wolle allerdings zwei Jahre abwarten, ob diese Maßnahme greife, denn in Norwegen und der Schweiz habe sie nichts gebracht, so Schittenhelm. Um die Gehaltsunterschiede zu minimieren, wünscht sie sich zudem, dass mehr Männer Elternteilzeit in Anspruch nehmen und Frauen in Gehaltsverhandlungen sich nicht unter ihrem Wert verkaufen.

Im Gegensatz zu Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek will Schittenhelm, dass Väter die Obsorge der Kinder mittragen - ansonsten sei sie mit der Frauenministerin "in Frauenfragen relativ konform". Alleinerzieherinnen haben für Schittenhelm den selben Wert wie die traditionelle Familienkonstellation Vater, Mutter, Kind.

Gegen Burka

Klare Worte fand sie zum Thema Burka-Verbot. Österreich sei ein europäisches Land mit europäischen Gesetzen. Es könne daher nicht sein, dass sich Frauen hier vermummen. Schittenhelm betonte aber gleichzeitig, dass die derzeitigen Islam-Anfeindungen in der Wahlkämpfen in der Steiermark und Wien "mehr als verwerflich und eine Diskriminierung" seien.

Rauch-Kallat geht nicht ganz

Rauch-Kallat, die zwölf Jahre lang der Frauenorganisation vorstand, scheidet übrigens nicht ganz aus der Politik aus und kann sich sogar eine Rückkehr in den Nationalrat, wenn ein Platz frei werden sollte, vorstellen. Dass sie nach der Wahl 2008 keinen Platz mehr im Parlament bekam, sei "nicht die Verantwortung des Josef Pröll" gewesen. Sie bleibe jedenfalls den VP-Frauen verbunden und auch Vizepräsidentin der Organisation der Frauen der europäischen Volkspartei. Die frühere Ministerin und Ehefrau des Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly wolle sich nun stärker auf ihre beiden Firmen konzentrieren - zumal sie gerade dabei ist, eine dritte zu gründen. Sie sprach von einer "harmonischen Übergabe" an Schittenhelm.

-> Seite 2: Mehr zur Person Schittenhelm

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