Coachings für angehende Volksvertreterinnen sollen Kommunalpolitik weiblicher machen
Warschau - Die polnische Nichtregierungsorganisation "Kongress der Frauen" versucht vor den Kommunalwahlen im November möglichst viele Frauen zu einer Kandidatur zu überreden. Die Organisation veranstaltet Schulungen für Frauen, die kandidieren wollen. Die Kandidatinnen erfahren unter anderem, wie man erfolgreich eine Wahlkampagne führt.
Dorfbewohnerinnen haben Vorrang
Die Schulungen, die in allen Woiwodschaften veranstaltet werden, beginnen Mitte September und finden an sechs Wochenenden statt. Zuerst werden Frauen aus kleinen Orten genommen, die zum ersten Mal bei den Kommunalahlen antreten wollen. "Frauen aus kleinen Orten haben schlechteren Zugang zu Schulungen. Deshalb geben wir ihnen den Vorrang", erklärte die Veranstalterin der Schulungen, Ludwika Wujec, gegenüber der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".
"Kongress der Frauen" bereitet die Workshops bei der Zusammenarbeit mit der Stiftung für Entwicklung der Lokaldemokratie und der Stiftung "Feminoteka" vor. Die Stefan-Batory-Stiftung unterstützte die Schulungen mit einer Finanzhilfe.
Gründliche Vorbereitung auf Kandidatur
Während der Workshops lernen die Frauen die Aufgaben der lokalen Selbstverwaltung kennen. Sie erfahren, wie man die Gleichberechtigung der Frauen auf lokaler Ebene fördern kann. Sie werden aber vor allem auch gründlich auf die Kandidatur vorbereitet. Nach der Schulung werden sie wissen, wie man das Wahlprogramm bearbeitet, Flugblätter druckt und Treffen mit WählerInnen organisiert.
Frauenquote von 50 Prozent gefordert
"Kongress der Frauen" hatte im Juni 2009 in Polen die Debatte über eine stärkere Präsenz von Frauen in der Politik eingeleitet. Die Organisation fordert eine gesetzliche Frauenquote von 50 Prozent auf allen KandidatInnenlisten. Im Sejm, dem Unterhaus des polnischen Parlaments, gibt es im Moment nur 20 Prozent Frauen, im Oberhaus, dem Senat, sind es acht Prozent. Als einzige Großstadt mit über 200.000 EinwohnerInnen hat Warschau mit Hanna Gronkiewicz-Waltz eine Bürgermeisterin. Frauen in ländlichen Gegenden übernehmen wesentlich häufiger das Amt der Dorfvorsteherin als Frauen in Städten das BürgermeisterInnenamt. (APA)