Jede sechste Transperson verliert Job

08. September 2010 17:45
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    Foto: toppress/schöndorfer

    Lehrerin Andrea S. vor dem Eingang ihrer Schule. Ihr "Fall" hat die Situation von Transgenderpersonen in Österreich zum vieldiskutierten Thema gemacht.

In Wien durfte die transsexuelle Lehrerin Andrea S. ihre Arbeit trotz anfänglicher Proteste behalten. Vielen weiteren Betroffenen gelingt das nicht

Wien - Wolfgang Wilhelm rechnet bei den Schülern der HTL Spengergasse mit "Offenheit" und "Neugierde" . Der Wiener Antidiskriminierungsbeauftragte für gleichgeschlechtliche und Transgenderlebensweisen soll an der Wiener Lehranstalt einen Workshop abhalten - auf Ersuchen des Unterrichtsministeriums und noch in dieser Woche, um im Konflikt um die transsexuelle Informatiklehrerin Andrea S. zu vermitteln. 

"Nach einem Geschlechterwechsel muss es möglich sein, den Arbeitsplatz zu behalten", stellt der Trouble-shooter klar. Mittels Kurzvortrags und einer anschließenden Diskussion will er den Jugendlichen das Thema Transsexualität näherbringen, das sie, ihre Eltern und die Schuldirektion in der Person von Andrea S. jetzt persönlich betrifft. Die reale Konfrontation mit Menschen zwischen den Geschlechtszugehörigkeiten, "die man sonst meist nur in den Medien sieht", lasse die Toleranz zuweilen schwinden, weiß Wilhelm.

"Auszeit" nahegelegt

Der 58-jährigen Andrea S., die vor dem Sommer als Mann in die Ferien ging und zu Schulbeginn als Frau zurückkehrte, war vom Direktor eine berufliche Auszeit nahegelegt worden. Nach einer Reihe von Berichten im Kurier und im ORF wurde der Vorschlag zurückgezogen, S. unterrichtet weiter. Ihr "Fall" und die Lage von Transgenderpersonen insgesamt war Mittwochabend auch Thema im ORF-Club 2.

Kündigungen oder Androhungen damit sind laut Gleichbehandlungsanwältin Ingrid Nikolay-Leitner auch in der Privatwirtschaft der häufigste Grund für Transgenderpersonen, sich bei ihrer Stelle zu beschweren. Doch es gebe nur wenige Fälle: "Einer in mehreren Jahren." Dabei biete das auf EU-Richtlinien basierende Gleichbehandlungsgesetz den Betroffenen umfassenden Schutz.
"Es ist eine Frage der Bekanntheit unserer Stelle unter Transgenderpersonen", mutmaßt Nikolay-Leitner.

Sie verweist auf eine 2008 erstellte Studie über die "Lage von Transpersonen am österreichischen Arbeitsmarkt". Laut dieser leben 46 Prozent der rund 5000 Betroffenen in Österreich "aus beruflichen Gründen" nicht in ihrem gewählten Geschlecht.

15 Prozent, ein Sechstel, wurden nach ihrem Geschlechterwechsel gekündigt, 29 Prozent wechselten davor präventiv den Arbeitsplatz. "Um Konflikten vorzubauen ist das richtige Timing wichtig. Man muss Kollegen und Chefs, aber auch Bekannte und Freunde auf die bevorstehende Veränderung vorbereiten, den Übergang nicht allzu abrupt gestalten. Denn das Bild von früher darf sich in den Köpfen der anderen nicht allzu verfestigen", rät Eva Fels, Obfrau der Transgenderorganisation TransX. Der Verein bietet Betroffenen Begleitung bis hin zur Stilberatung an.

Rechtliche Verbesserung

Verbessert hat sich in den vergangenen Jahren die rechtliche Situation von Transgenderpersonen. So sehr, dass Österreich "inzwischen europaweit als Vorbild gelten kann", sagt der Wiener Anwalt Helmut Graupner. Anders als etwa in England, Deutschland und Frankreich müssen sich Ehepaare in Österreich nicht scheiden lassen, wenn einer der Partner das Geschlecht wechselt - die Folge eines Spruchs des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) aus dem Jahr 2006.

Seit 2009 können Transgenderpersonen nach einem weiteren VfGH-Entscheid außerdem auch ohne genitale Operationen vor den Behörden das Geschlecht wechseln: "Inzwischen", sagt Graupner, "fordern sogar schwedische Betroffene Gesetzesänderungen wie in Österreich."  (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)

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Blick Winkel
09.09.2010 17:26
Keine einfache Sache für alle Beteiligten!

Ich gehe davon aus, dass in jedem Menschen ein gewisser Prozentsatz "Männlich" und "Weiblich" enthalten ist. Nicht nur genetisch gesehen, sondern auch geistig. Die Prozentsätze sind natürlich sehr unterschiedlich und reichen von 0% bis 100%.

Logischerweise wird es einem 100% Mann schwer fallen sich Gedanken über die Gefühle eines 50%:50% Menschen zu machen. Das kann er nicht und somit entsehen Ängste und Blockaden. Das ist aber für alle Seiten sehr schwierig wie dieser Fall zeigt.

Großen Respekt vor allen Beteiligten, die das positiv umsetzen!

tignosa
16.11.2011 11:46
es gibt keine "geistige Geschlechtlichkeit"

randolf
09.09.2010 17:26
Ja ja

Uje, naja Hauptsache er gefällt sich nun selbts...

elento
 
09.09.2010 15:31
Laut dieser leben 46 Prozent der rund 5000 Betroffenen in Österreich "aus beruflichen Gründen" nicht in ihrem gewählten Geschlecht.

Die meisten Leute leben wohl nicht in ihrem "gewählten" Geschlecht weils da nix zu wählen gibt. Das soll jetzt nicht bösartig sein, is aber einfach so.

SK26
27.01.2011 22:04

richtig wäre gewesen: 46% leben nicht in ihrem gewählten _sozialen_ Geschlecht...
Das Biologisch-genetische Geschlecht (XY bzw XX) kann man sich nicht aussuchen und auch nicht umoperieren...

tignosa
16.11.2011 11:52
wie genau es funktioniert, weiß ich nicht, aber es gibt halt nun mal Leute, die haben

XX und sind trotzdem eigentlich Männer
XY und sind trotzdem eigentlich Frauen

vielleicht hat es hormonelle Gründe, auf jeden Fall passen das Sichtbare und das Unsichtbare nicht zusammen.

Und dann gibt es noch Zwitterwesen.
Die oft unsagbar auf ein Geschlecht hinoperiert worden sind, womit die körperliche Integrität zerstört wurde, denn die Betroffenen waren zumeist noch Kinder und wurden nicht gefragt (und meistens wars dann auch noch das "falsche" Geschlecht)

Die heteronormative Sichtweise ist eben falsifiziert. Findet euch ab damit- und macht nicht den Betroffenen das Leben sauer. Oft sind sie eh schon "bedient" genug!

elento
 
09.09.2010 13:41
Brille runter...

...und der Mann ist wieder da.

M L3
09.09.2010 14:35
Aber nur wenn das entnommen Hirn wieder replantiert werden kann :-)

Das wird das nach der OP aber vemutlich nicht konserviert.

tignosa
16.11.2011 11:47
hat man Ihnen leicht Hirn entnommen?

falls überhaupt was da war zum Entnehmen...

ichundwiederich
09.09.2010 11:23

Ich hatte selbst mit einer Transperson in meinem Arbeitsumfeld zu tun. Nicht zu unterschätzen sind die enormen Probleme die Transpersonen mit sich selbst haben und deren Aufarbeitung. Dies ist selbsterklärend und braucht natürlich Raum und Zeit. Diese "Arbeit mit sich selbst", wenn man das so vereinfacht darstellen möchte, beeinträchtigte derart die Arbeitsleistung, dass der Arbeitsvertrag gelöst werden musste.

Es gibt von jeder Medaille 2 Seiten und jede davon hat einen wesentlichen Stellenwert. Nicht immer ist Intoleranz und fehlende Akzeptanz, die den Mitmenschen so gerne unterstellt werden, Schuld am Scheitern vieler indivduellen Lebenspläne.

obibiber
13.09.2010 09:34

"sind die enormen Probleme die Transpersonen mit sich selbst haben und deren Aufarbeitung"

also selbstreflektiert, um zu erkennen, dass eine person probleme hat und die auch aufarbeiten will...

dann wohl wesentlich weiter als viele kolleg_innen, die ihre probleme zu wenig reflektieren oder behaupten, sie hätten gar keine?

Maria Gugging
09.09.2010 11:43

Aber genau das war vermutlich auch der Grund: die fehlende Toleranz in ihrem Arbeitsumfeld. Und genau DAS gilt es zu ändern. Würde die Umgebung die Transsexuellen als MENSCHEN betrachten und nicht als Geschlecht, dann hätten sie es wesentlich einfacher, ihr richtiges Leben zu führen und müssten nicht unter einer mangelnden Arbeitsleistung leiden!!!

ichundwiederich
09.09.2010 11:48

Na ja - der Ansatz ist durchaus richtig.

Aber in der Praxis war es dann so, dass diese Person jede einzelne Therapiesitzung oder ähnliches mit jedermann (und wirklich mit jedermann) besprochen/reflektiert hat, dass für die Ausführung von Arbeitaufträgen keine Zeit mehr blieb und somit keine Leistung mehr stattfand. Das meinte ich mit Zeit und Raum. Irgendwann müssen auch betriebswirtschaftliche Aspekte Einfluss finden.

Thomas Kirchner1
09.09.2010 10:47
Eltern

"Mittels Kurzvortrags und einer anschließenden Diskussion will er den Jugendlichen das Thema Transsexualität näherbringen, das sie, ihre Eltern und die Schuldirektion in der Person von Andrea S. jetzt persönlich betrifft"

Ich glaube dass es wichtiger ist den verkappten Eltern das Thema näher zu bringen.
Unsere Jugendlichen haben damit eher weniger das problem als die konservativen 40ig 50ig jährigen..

niewieder nett
 
09.09.2010 10:28

weiß jemand wie es ihr am ersten schultag gegangen ist? ich vermute gut. ein paar schüler werden schon die augen verdrehen aber alles in allem traue ich jugendlichen da mehr flexibilität zu als erwachsenen.

und ihr pensions heinis weiter unten: wären sie halt beamte geworden oder was weiß ich. lächerliche polemik ist das sonst nichts. und wenn sie es tatsächlich ernst meinen und sich nicht vor angst in die hosen pinkeln: auf gehts. wechseln sie ihr geschlecht, outen sie sich öffentlich und zeigen sie damit die ungerechtigkeit des pensionsantrittsalters. sie trauen sich doch hier nur große töne spucken aber im wahren leben? NICHTS an zivilcourage oder zivilgesellschaftlichem engagement.

Freigeistin1
09.09.2010 10:07

Männlein und Weiblein sind eindeutig aufgrund ihrer Genetik auszumachen.
Wenn sich jmd. einbildet "anders rum" zu sein, bitte, aber nicht auf Kosten des Staates.

fuchstritt
12.09.2010 13:10

leider nicht. es gibt da eine ganze reihe von varianten: xxx, xxxx, xxy,xo etc etc. die natur ist nicht perfekt im vergeben der geschlechtschromosomen. arm sind diese transpersonen jedenfalls aber sooo ein theater bruacht man da auch wieder nicht drum machen.

Claudia Reichert
10.09.2010 14:01

Diese Aussage zeugt von Unkenntnis und ist absolut erschreckend.

kassier.bei.billa
 
09.09.2010 19:46
thomazz
09.09.2010 15:54

mit freigeist meinst du frei von geist? dann ist's natürlich ok.

Freigeistin1
09.09.2010 16:06

Nein, aber ich bin so frei und lasse Ihnen Ihre Meinung (kann mich nicht erinnern, dass wir "per Du" wären!).

eze eze
 
09.10.2010 10:16

Bitte, deine Postings, zumindest hier in diesem Thread gehen immer mehr in Richtung Zwangs- als in Richtung Freigeistin.

halvar van flake
09.09.2010 13:56
freigeist?

jössas.

xv22
09.09.2010 13:45
Aber ich wette,

Intersexuelle (Klinefelter-Syndrom, Hermaphroditen, ...), die genetisch NICHT eindeutig Männlein oder Weiblein sind, sollte man Ihrer Ansicht nach aber schon auf Kosten des Staates auf eines verstümmeln, oder?

Freigeistin1
09.09.2010 15:36

Nein, sollte auch privat bezahlt werden.

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