Frauen & die Uno

Massenvergewaltigungen überschatten Jubiläum

09. September 2010 18:09

UN räumen Scheitern im Kongo ein - Anstoß erhofft, Umsetzung der UN-Frauenresolution 1325 "Frauen, Frieden, Sicherheit" zu forcieren

New York / Wien - Es ist ein Jubiläum, das wenig Grund zum Feiern bietet: Im Oktober vor zehn Jahren verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1325 zu "Frauen, Frieden, Sicherheit". Ende September soll es am Rande der UN-Generaldebatte zu diesem Thema eine Ministertagung geben, unter österreichischem den Ko-Vorsitz. Doch nach den Vergewaltigungen von 500 Frauen in der Demokratischen Republik Kongo vor einem Monat mussten die UN eingestehen, die Frauen nicht geschützt zu haben.

Atul Khare, Assistant Secretary General für die Friedensmissionen, räumte am Dienstag vor dem Sicherheitsrat ein, dass die in der Nähe stationierten UN-Blauhelme nicht genug getan hatten, um die Vergewaltigungen zu verhindern. "Auch wenn die Hauptverantwortung für den Schutz von ZivilistInnen beim Staat, der nationalen Armee und der Polizei liegt, sind auch wir gescheitert", sagte er. Khare kündigte an, die Patrouillen zu verstärken und weitere Maßnahmen ergreifen zu wollen. Gleichzeitig plädierte er für Strafmaßnahmen gegen die Rebellen.

Die jüngsten Vergewaltigungen sind kein Ausnahmefall. Im Frühjahr hatte ein UN-Vertreter den Kongo, wo mit knapp 17.000 Soldaten die derzeit größte UN-Friedensmission stationiert ist, als "Hauptstadt der Vergewaltigungen" bezeichnet. Khare bezifferte die Zahl von Vergewaltigungen allein in den vergangenen zwei Jahren auf etwa 15.000 jährlich - rund 45 pro Tag.

Viele UN-DiplomatInnen hoffen wie der Vize-Chef von Unifem, Moez Doraid (siehe Interview "Frauen müssen wissen, dass sie geschützt werden"), darauf, dass das Zusammenfallen des Jubiläums der Resolution mit den Verbrechen im Kongo den Anstoß gibt, die Umsetzung der Resolution zu forcieren. 1325 fordert die UN-Mitgliedstaaten nicht nur dazu auf, Frauen in UN-Missionen, bei Friedensverhandlungen und in den Wiederaufbauphasen stärker einzubinden. Sie ruft auch alle an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien auf, Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen - allen voran vor Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch. Sie betont zudem die Verantwortung aller Staaten, diejenigen strafrechtlich zu verfolgen, die für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen einschließlich sexueller Gewalttaten an Frauen verantwortlich sind.

Unter der Ägide von Unifem sind Indikatoren erarbeitet worden, um die Umsetzung zu überprüfen. Im Oktober soll es, pünktlich zum Jubiläum, einen ersten Bericht dazu geben. (raa/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2010)

Minou Larson
10.09.2010 13:13

Ich frage mich immer, ob diese Vollidioten keine eigene Familie haben. Mutter, Schwester, eigene Frau oder gar kleine Tochter...

Würden die wollen, dass ihren Liebsten das zustösst?

Mir unbegreiflich, wie Mann das gezielt Frauen oder Kindern antun kann.

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16.09.2010 11:41

Im Krieg zählen solche Überlegungen nicht.
Da zählt nur das Ergebnis.
Und ohne Zweifel ist diese Einschüchterungstaktik militärisch erfolgversprechend.

zahnloser Tiger
10.09.2010 15:03
Gewalt in JEDER Form macht vor der eigenen Familie keinen Halt

klar würde wohl keiner der Vergewaltiger seine Familie vergewaltigt vorfinden wollen

es ist ebenso unbegreiflich wie 4 junge Frauen in Paris eine Schwangere mit Gegenständen vergewaltigen können wenn sie empathisch genug wären diese Leiden nachzuvollziehen

Gewalt in JEGLICHER FORM, ausgeführt von EGAL WEM ist nicht zu tolerieren

daß sogar die "hochzivilisierten" AmerikanerInnen Häftlinge foltern, Zivilisten ermorden und vergewaltigen ist ja kein Geheimnis mehr

und Lynndie England hat bewiesen daß man dafür kein MANN sein muss ^^

Gewalt beginnt im Kopf und nicht am Bizeps

Gewalt die sichtbare Wunden hinterlässt ist nurmehr das ENDE in einer Spirale aus fehlendem Respekt für Mitmenschen, egal welche Attribute diese aufweisen

AlBundyFan
 
10.09.2010 10:03
das problem scheint zu sein

daß die täter überhaupt keine strafe fürchten müssen weil die strafverfolgung komplett fehlt.

man sollte also solche staaten zwingen dies als schwere straftat anzuerkennen und diese grauslichen täter auch zu bestrafen.
tlw. wird das ja sogar bei uns von einigen menschen noch als kavaliersdelikt gesehen bzw. den frauen selbst die schuld zugeschrieben wenn es passiert.

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16.09.2010 11:39

So was von am Thema vorbei.
Das Problem ist ja nicht die Gesetzgebung, sondern das man in einer chaotischen Situation keinerlei Möglichkeit hat gegen die Täter vorzugehen.
Das ist kein Einzeltäter, sondern eine bewaffnete Gruppe, die gezielt Angst verbreitet.
Und warum haben die Bewohner nicht die Blauhelme gerufen?
Ganz einfach, was wäre dann passiert?
Die Blauhelme wären gekommen.
Die Täter hätten gewartet bis sie wieder weg sind und hätten sich dann umso schlimmer gerächt.
Die Leute glauben(zu Recht!!) das sie die UN-Soldaten nicht schützen können.

Graph Bobby
10.09.2010 14:05
Da gibt's aber ein kleines Problem

Dort gibt es sowas wie den "Staat" nicht, weil das, was von einem Staat noch übrig ist, das Land absolut nicht im Griff hat.

Wenn du da mit 5 Polizisten hingehst, und irgendwen verhaftest, wirst du einfach umgebracht. Folgedessen kannst du Politik, Gesetze und Strafverfolgung vorerst vergessen.

Es herrscht dort Bürgerkrieg, da gibt es keine Gesetze. Wenn man solche Übergriffe und Gewalttaten verhindern will, dann geht das in so einer Umgebung vorerst mal nur auf militärischem Weg, solange, bis man die Lage soweit unter Kontrolle hat, dass man staatliche Institutionen - wie z.B. Gerichte - realisieren kann.

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