Engagierte Feministin mit Wissensdrang

14. September 2010, 18:16
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    foto: privat

    Christine Klapeer pendelt zwischen vier Unis.

Christine Klapeer forscht erfolgreich im Bereich Gender Studies und Queer Theory

"Ich war eigentlich schon mit drei Jahren Feministin, als nur mein Bruder die Palmlatte (Teil des Tiroler Osterbrauchs, ähnlich dem Palmbuschen, Anm.) tragen durfte", sagt die aus Tirol stammende Politikwissenschafterin Christine Klapeer (30). Die kleine Frau mit kurzen, schwarzen Haaren ist eine der Jungforscherinnen im Bereich Gender Studies und Queer Theory in Österreich.

Das 3400-EinwohnerInnen-Dorf Inzing nahe Innsbruck wird Klapeer schon früh zu eng. Als wissenshungrige Feministin, die ihr erstes Vorbild in Simone de Beauvoir findet, inskribiert sie 1998 Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck. Schnell unzufrieden mit den "traditionellen" sozial- und politikwissenschaftlichen Methoden wendet sie sich queeren und dekonstruktivistischen Ansätzen der feministischen Forschung zu. Dabei steht die Infragestellung jener Privilegien und gesellschaftlichen Strukturen, die weiße Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität erzeugen, im Mittelpunkt.

Klapeers Forschungsergebnisse, die den Rahmen einer Diplomarbeit gänzlich sprengen, erscheinen 2007 in Buchform - nicht ohne Wirkung. queer contexts: Entstehung und Rezeption von queer theory in den USA und Österreich erhält gleich zwei Forschungspreise. Im selben Jahr noch bekommt sie für ihr Dissertationsvorhaben von Johanna Dohnal den Preis für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Frauen- und Genderforschung überreicht.

Seit drei Jahren pendelt Klapeer jedes Semester zwischen Graz, Wien, Linz und Klagenfurt, um Lehrveranstaltungen im Bereich Gender Studies abzuhalten. Klapeer, die leidenschaftlich gerne unterrichtet, will die Studierenden dazu anregen, scheinbare "Alltagsrealitäten" zu hinterfragen: "Am Ende meiner Übungen sagen viele: 'Jetzt kann ich überhaupt nicht mehr normal denken, das ist alles historisch konstruiert - Mann, Frau, Sexualitäten ....'" Klapeer freut sich über die entstehende Irritation und nimmt dafür auch ihre "fluide Existenz" als externe Lehrbeauftragte in Kauf. Ihr Engagement im Bereich des Wissenstransfers zeigt sich auch in ihrer langjährigen Bildungsarbeit. So leitet Klapeer Workshops für Schulklassen im Wiener Lesben- und Schwulenhaus Rosa Lila Villa. "Ich will Wissen vermitteln, um gesellschaftliche Ungleichheiten zu bearbeiten", sagt sie.

"Was muss man tun, um gesellschaftlich inkludiert zu werden?" ist auch die zentrale Fragestellung in Klapeers Dissertation. Ausgehend von lesbischen Frauen will sie aufzeigen, wie Inklusion und politische Teilhabe letztlich immer an Bedingungen geknüpft sind. Bedingungen, die sie bis weit in die Geschichte zurückverfolgt. So lässt ihre Forschungsarbeit einen umfassenden Einblick in historische Staatsbürgerschaftskonzepte von Hobbes über Rousseau bis Kant erwarten.

"Ich werde wohl irgendwann ins Ausland gehen. Durch meine Transdisziplinarität ist es schwer, in einer Disziplin Fuß zu fassen", meint Klapeer. Vorerst will sich die Jungwissenschafterin jedoch auf Reisen machen - nach zehn Jahren Arbeit mit nie mehr als zwei Wochen Urlaub wohl auch eine längst notwendige Pause. Bleibt jedoch fraglich, ob sie tatsächlich ganz die Finger vom Schreiben lassen wird, denn "nach all der Kritik an Bestehendem wäre es an der Zeit, einen utopischen Roman zu verfassen". (Dagmar Weidinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2010)

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