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Österreichische Psychoanalytikerin Melanie Klein
"Die Mutter der Psychoanalyse", wie Melanie Klein gerne genannt wird, hat mit ihren Erkenntnissen, die sie in zahlreichen Schriften und Vorträgen zum Ausdruck gebracht hat, die moderne Psychoanalyse wesentlich bereichert. Indem sie die Theorien Sigmund Freuds um die Bedeutung der Mutter in der frühkindlichen Entwicklung erweitert und den ödipalen Konflikt bereits im Säuglingsalter (und nicht wie Freud zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr) geortet hat, schuf sie eine neue Theorie der Objektbeziehung und in der Folge eine eigene Psychoanalyse des Kindes. Melanie Kleins Thesen brachten ihr jedoch nicht nur Rennomee, sondern auch erbitterte Kritiken in weiten Kreisen der psychoanalytischen Gesellschaft.
Das Mutter-Objekt
Die Beziehung des Säuglings zu seiner Mutter bildet den Kern der Objektbeziehungstheorie Melanie Kleins. Das Baby würde die Mutter in den ersten Wochen lediglich körperlich wahrnehmen, als wärmend und nährend. Im Gedächtnis des Kindes werde das Objekt der Mutter als Imago, also Vorstellung, gespeichert. Da die Mutter jedoch nicht immer zur Verfügung steht, erlebe das Kind neben positiven auch negative Gefühle, eine "gute" und eine "böse" Brust. Aufgrund dieser frühen Erfahrungen mit den ersten Liebes-Objekten / Bezugspersonen entstünden Prägungen, die dazu führen würden, auf welche Art und Weise ein Mensch die Welt wahrnimmt, wie er mit Beziehungen umgeht und wie seine Liebe-Hass-Erfahrungen aussehen.
Im Spiel Konflikte ausdrücken
Diese Thesen wurden von der KollegInnenschaft scharf kritisiert. Vor allem Anna Freud, die den Theorien ihres Vaters anhing, entpuppte sich als Gegnerin. Nach Sigmund Freud lerne ein Kind erst zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr, den Verzicht auf den anders geschlechtlichen Elternteil auszuhalten, in dem es Regeln und Verbote in sein Über-Ich integriere.
Aber Anna Freud hatte noch einen anderen Grund zur Kritik. Ihre eigene pädagogisch-psychoanalytische Therapie, die auf Verständnis und Einsicht älterer Kinder abzielte, stand in Konkurrenz mit der von Melanie Klein geschaffenen Spielanalyse, mit der sie Kleinkinder bereits auf vorsprachlicher Entwicklungsstufe therapieren konnte. Bei dieser Psychoanalyse wurde das freie Assoziieren der Erwachsenenanalyse durch Spielen und andere kindgerechte Ausdrucksformen wie zum Beispiel Zeichnen ersetzt. Melanie Klein ging von der Voraussetzung aus, dass Kinder ihre inneren Konflikte durch Spiel ausdrücken, so dass es den Analysierenden möglich ist, durch Beobachten des Spiels diese Konflikte aufzuspüren. Ihre ersten Beobachtungen zur frühkindlichen Entwicklung hatte sie in der Analyse ihrer eigenen drei Kinder gesammelt.
Biografische Notizen
Geboren am 30. März 1882 als Melanie Reizes in Wien, wächst sie als Tochter von Libussa (geb. Deutsch) und dem Arzt Moritz Reizes in bürgerlichen Verhältnissen auf. Obwohl die väterliche Linie noch nach orthodox-jüdischen Traditionen gelebt hat, bemühen sich die Eltern, Melanie und ihren Bruder nicht explizit jüdisch zu erziehen. Eine eigene Ausbildung ist für Melanie nicht vorgesehen und so werden - wie das damals üblich war - die finanziellen Ressourcen in die Ausbildung des Bruders gesteckt. Melanie beginnt zwar 1899 ein Kunst- und Geschichte-Studium, schließt es jedoch nicht ab und wird stattdessen 1903 mit dem Chemiker Arthur Klein verheiratet. Mit ihm lässt sie sich in Budapest nieder und bringt drei Kinder - Melitta (1904), Hans (1907) und Erich (1914) zur Welt. Doch die Beziehung zu ihrem Ehemann sollte sich als schwierig erweisen, Melanie wird immer unglücklicher und leidet an diffusen psychosomatischen Beschwerden.
Analyse bei Sándor Ferenczi
Nachdem sie sich bereits einige Zeit mit den Schriften Sigmund Freuds beschäftigt hatte, beschließt sie 1918, eine psychoanalytische Therapie bei einem seiner Freunde, Sándor Ferenczi, zu beginnen. Ihr theoretisches als auch praktisches Interesse an der Psychoanalyse erweist sich als so groß, dass sie kurz darauf am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Budapest teilnimmt und dort Sigmund Freud persönlich kennen und schätzen lernt. Angeregt durch die Diskurse und unterstützt von ihrem Therapeuten Sándor Ferenczi, möchte sie selbst als Analytikerin tätig sein. Bereits ein Jahr später wird sie in die "Ungarische Psychoanalytische Vereinigung" aufgenommen, wodurch sie offiziell als Psychoanalytikerin anerkannt wird.
Melanie Klein startet ihre Untersuchungen, indem sie ihre eigenen Kinder beobachtet und ihre Analysen der Persönlichkeitsentwicklung schriftlich festhält. Davon ausgehend entwickelt sie die sogenannte Spieltherapie, in der sie jede Aktion des Kindes als eine symbolische Handlung auffasst und diese Symbole deutet.
Lehranalyse bei Karl Abraham
Als aufgrund der beruflichen Karriere ihres Mannes Arthur die Familie 1921 nach Berlin übersiedelt, nützt Melanie Klein diese Gelegenheit, um eine Lehranalyse bei Karl Abraham zu absolvieren. Kurz darauf scheitert ihre Ehe und sie muss ihre Tätigkeit als Psychoanalytikerin ausweiten, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu sichern. Mit ihren Publikationen und Vorträgen erregt sie Aufsehen und spaltet die Geister. Als sie beispielsweise 1924 auf einem Psychoanalytischen Kongress in Salzburg ihre Erkenntnisse über den ödipalen Konflikt im Gegensatz zu Freud bereits im Säuglingsalter ansiedelt, wurde sie auf das Heftigste kritisiert. Doch immerhin erhält sie Eintritt in die "Berliner Psychoanalytische Vereinigung" und Unterstützung von ihrem Lehrer Karl Abraham, der sich bis zu seinem Tod 1925 schützend vor sie stellt. Mit seiner Hilfe eröffnet sie eine Praxis in Berlin.
Bald geht ihr Ruf über Deutschland hinaus und sie wird von Ernest Jones 1926 zu einer Vortragsreihe nach London eingeladen. Dort wird sie von der "British Psycho-Analytical Society" als Mitglied aufgenommen. In Abgrenzung zur Schule Anna Freuds gründet sie ein Ausbildungsinstitut mit eigenen Richtlinien, die Tavistock-Klinik.
Melanie Klein stirbt am 22. September 1960 im Alter von 78 Jahren in London.
(Dagmar Buchta/dieStandard.at, 21.09.2010)
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zitat von Germaine Greer, feministin, journalistin, kunst- und literaturhistorikerin "freud ist der vater der psychoanalyse, sie hat keine mutter" - schöne porträts auch bei fembio / zur info.
http://www.fembio.org/biographi... anie-klein
http://www.taz.de/1/archiv/... 7/22/a0252
http://www.fembio.org/biographi... ren-horney
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