Die HTL-Schülerin Fitore Faiki erzählt, was ihr ein Mentoring-Programm für technisch versierte Mädchen gebracht hat: "Bin nicht mehr so schüchtern"
Vor einem halben Jahr begleitete der Standard die Schülerin Fitore Faiki bei den ersten Schritten in einem Mentoring-Programm für technisch versierte Mädchen. Bei einem Update erzählt sie, was es ihr gebracht hat.
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Total locker und entspannt wirkt Fitore Faiki, als sie auf einen Sprung im Messlabor der Elektronik-Firma NXP Semiconductors vorbeischaut. Hier hat die HTL-Schülerin im August viel Zeit ihres Sommerpraktikums verbracht: In einem recht farb- und fensterlosen Raum, zwischen klobigen Maschinen, Computern und Mikroskopen. "Ich habe mich sehr wohl gefühlt hier", erinnert sie sich. "Fitore hat wirklich einen super Job gemacht", betont Susanne Windischberger, Faikis Mentorin und Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von NXP - einer Firma am südlichen Rand von Wien, die Lautsprecher für Mobiltelefone entwickelt und produziert.
Die Schülerin und die Forscherin haben sich im Februar dieses Jahres kennengelernt, und zwar bei der Kick-off-Veranstaltung des Mentoring-Programms von "Generation Innovation". Die Initiative von Infrastruktur- und Unterrichtsministerium möchte technisch und naturwissenschaftlich versierten Mädchen unter die Arme greifen. Sie stellt den Schülerinnen Wissenschafterinnen zur Seite, die sie bei der Berufs- bzw. Studienwahl begleiten.
Nervende Sprüche
Fragebögen zu Interessen und Vorstellungen brachten Faiki und Windischberger zusammen. Über die ersten Begegnungen der beiden berichtete der Standard schon im März (hier nachzulesen). Während eines gemeinsamen Besuchs in den Labors der Technischen Universität Wien erzählte Faiki über ihre Erfahrungen als einziges Mädchen in ihrer Klasse im Wiener TGM, ihre Angst vor dem Scheitern und nervende Frauen-und-Technik-Sprüche.
Das Mentoring hatte sie begonnen, weil sie noch keine Ahnung hatte, ob sie nach der Matura gleich eine Arbeit suchen oder doch studieren sollte, sagte sie damals. "Mittlerweile habe ich mich entschlossen", strahlt die 19-Jährige, die vor fünf Jahren aus dem Kosovo nach Österreich kam, ein halbes Jahr später. "Ich werde an der TU Elektrotechnik studieren und mich dann auf Telekommunikation spezialisieren." Die Gespräche mit Susanne Windischberger, Physikerin und "Techwoman 2004", hätten ihr die Entscheidung immens erleichtert. "Ich habe Selbstzweifel gehabt, ob ich überhaupt ein Studium durchziehen kann. Ich wusste nicht, wie das genau aussieht. Aber Susi hat mich motiviert, dass es nicht so schwierig ist, wenn ich immer mitlerne."
Inzwischen sind die beiden ein gutes Team geworden: Windischberger hat ihrem Schützling so viel wie möglich über das Studium vermittelt und ihr das Arbeitsleben in der Praxis gezeigt; Faiki war der berufstätigen Mutter dann während des Praktikums eine Stütze. Einen Monat lang hat die Schülerin bei der Entwicklung von Lautsprechern für Mobiltelefone ausgeholfen. Sie hat Schulungsunterlagen erstellt und im Labor akustische Messungen und Tests mit Mini-Lautsprechern gemacht. Das ist notwendig, um bei Produkten, die noch in der Entwicklungsphase sind, jeden noch so kleinen Fehler zu entdecken.
Leidenschaft und Riesenmut
"Mir gefällt es, Schaltungen aufzubauen, zu sehen, wie etwas funktioniert", sagt Faiki über ihre Technik-Leidenschaft. Dennoch würden selbst einige ihre Lehrer automatisch denken, dass sie doch Software gegenüber Hardware bevorzugen müsse. "Das ist noch immer sehr tief verankert, dass sich Mädchen nicht die Hände schmutzig machen", pflichtet Windischberger bei. "Es braucht für Mädchen noch immer einen Riesenmut, sich in was richtig Technisches reinzutrauen."
Es werde noch zwei Generationen dauern, glaubt die Forscherin, bis es selbstverständlich wird, dass Mädchen technische Ausbildungen und Berufe wählen. Immerhin wächst der ohnehin geringe Frauenanteil in technisch-naturwissenschaftlichen Studienrichtungen - besonders in jenen Fächern, in denen die Industrie großen Bedarf an AbsolventInnen hat (siehe Grafik links). "Mit dem Elektrotechnik-Studium bekommst du jedenfalls einen Job", meint Windischberger zu Faiki. Die muss erst einmal die Schule abschließen. Aber sie hat schon jetzt ein klares Berufsziel: irgendwann in einem richtigen Forschungslabor zu arbeiten.
"Es ist ein gutes Gefühl, eine Frau zu sehen, die erfolgreich in einem technischen Beruf ist", sagt Fitore Faiki über das Mentoring. "Insgesamt bin ich viel offener geworden und nicht mehr so schüchtern in der Schule." Und bekräftigt: "Ich bin vollkommen dafür, dass Mädchen speziell gefördert werden. Es gibt viele Mädels, die sich für Technik interessieren und dann doch etwas anderes machen. Das ist doch schade." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.9.2010)