Die Konferenz "Gemeinsam gegen Menschenhandel" in Wien hat begonnen - Österreich ist ein Transit- und Zielland
Wien - Die Konferenz "Gemeinsam gegen Menschenhandel" hat am Donnerstag in Wien begonnen. Rund 32 Mrd. Dollar (22,7 Mrd. Euro) würden pro Jahr mit der Ausbeutung und dem Verkauf von Menschen umgesetzt, erklärte Botschafterin Elisabeth Tichy-Fisslberger, Koordinatorin der Task Force on Combating Human Trafficking (TF-HT) zum Auftakt der Veranstaltung. Laut einer aktuellen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es jährlich knapp 2,4 Millionen Menschenhandelsopfer, die meisten davon seien Frauen und Kinder, so die Botschafterin anlässlich des EU-Tages gegen Menschenhandel am 18. Oktober.
Menschenhandel komme in den Kriminalstatistiken im Vergleich zu anderen Delikten kaum vor. Nur ein Prozent der Opfer könne gerettet werden, betonte Tichy-Fisslberger. Auch Österreich sei ein Transit- und Zielland von Menschenhandel. Erscheinungsformen seien vor allem die sexuelle Ausbeutung von Frauen, "sklavereiähnliche Zustände" bei Hausangestellten sowie Kinderhandel. Tichy-Fisslberger als auch Familienstaatssekretärin Christine Marek forderten deshalb die Bevölkerung auf, Beobachtungen von möglichem Menschenhandel zu melden. Dies gelte ebenfalls im Ausland, da es auch in Österreich strafbar sei, wenn beispielsweise Kinder im Ausland missbraucht würden. Als einfachste Form eigne sich hier ein kurzes E-Mail an die Internetadresse meldestelle@interpol.at, ergänzte Marek.
"Schattenbereiche der Globalisierung"
Besonders dramatisch sei die Situation von Frauen und Kindern, erklärte Tichy-Fisslberger weiter. Es gehe hierbei um illegale Adoptionen, Organhandel, Kindersoldaten und Prostitution. Eine "hübsche" Frau würde beispielsweise rund 70.000 Euro "kosten", berichtete die Botschafterin mit dem Hinweis auf ein vorausgegangenes Gespräch mit einem Polizisten. Organhandel sei einer der "dunkelsten Schattenbereiche der Globalisierung" und jeder sei aufgefordert, alles gegen diese grauenhaften Verbrechen zu tun.
An der Veranstaltung nahmen unter anderem Gudrun Berger, Geschäftsführerin von UNICEF Österreich, Helga Konrad (ehem. OSZE-Beauftragte zur Bekämpfung des Menschenhandels) und Major Gerald Tatzgern, Leiter des Büros für Menschenhandel und Schlepperwesen im Bundeskriminalamt, teil. Außenminister Michael Spindelegger und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek sagten ihre Teilnahme kurzfristig ab.
Mit Ministerratsbeschluss vom November 2004 wurde die Tast Force Menschenhandel unter Leitung des Außenministeriums eingerichtet, um die österreichischen Maßnahmen zu koordinieren und zu intensiveren. (APA)