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Weibliche Priester als Steine des Anstosses: Nun droht in Großbritannien bereits der vierte Bischof in Folge mit dem Übertritt zur katholischen Kirche.
London - Im Streit um die Priesterweihe für Frauen in Großbritannien hat erneut ein Bischof mit seiner Konvertierung zum Katholizismus gedroht. Er habe offenbar keine andere Möglichkeit, als die anglikanische Kirche zu verlassen, sagte der Bischof John Broadhurst dem "Sunday Telegraph". Der Geistliche aus Fulham im Südwesten Londons warf der anglikanischen Kirchenführung vor, sich gegenüber den Gegnern der Priesterweihe für Frauen "faschistisch" zu verhalten.
Weitere "fliegende" Bischöfe abtrünnig
Broadhurst gehört zu den konservativen Vertretern der anglikanischen Kirche und ist nach Angaben des Rundfunksenders BBC der vierte Bischof, der seinen Übertritt zum Katholizismus angekündigt hat. Er werde wegen seiner Meinungsverschiedenheiten mit der anglikanischen Kirchenführung wohl ein Angebot von Papst Benedikt XVI. annehmen, sagte er der Zeitung. Nach Informationen der "Times" (Montag-Ausgabe) planen des weiteren Bischof Andrew Burnham von Ebbsfleet und Keith Newton von Richborough einen baldigen Übertritt, wie Kathpress meldet.
Erwartet wird auch der Übertritt des pensionierten Bischofs von Richborough, Edwin Barnes, sowie zahlreicher anglikanischer Laien. Ein weiterer "fliegender" Bischof, Martyn Jarrett von Beverley, hat bisher nicht öffentlich gemacht, die anglikanische Kirche verlassen zu wollen.
Seit 1992 Streit wegen Frauenweihe
Das Amt der "fliegenden" Bischöfe - die also keiner echten territorialen Diözese vorstehen - von Ebbsfleet, Richborough, Fulham und Beverley war in der Kirche von England errichtet worden, nachdem 1992 die Priesterweihe für Frauen in der Kirche beschlossen wurde. Diese Bischöfe sollten für jene Gläubigen zuständig sein, die die Spendung des Weihesakraments an Frauen für unvereinbar mit der christlichen Tradition halten. Die Kirche von England hat nach langen Diskussionen im heurigen Juli auch die Bischofsweihe für Frauen beschlossen.
Deal von Papst Benedikt XVI.
Laut "Times" wollen sich die traditionalistischen Bischöfe den neuen Personalordinariaten anschließen, die der Vatikan für übertrittswillige Anglikaner einrichten will. Mit der Konstitution "Anglicanorum coetibus" hatte Papst Benedikt XVI. im vergangenen November die Möglichkeit für anglikanische ChristInnen geschaffen, mit eigenen Kirchenstrukturen und unter Wahrung ihrer liturgischen Tradition in die katholische Kirche zu wechseln.
Demnach sollen nicht nur einzelne Gläubige, sondern ganze Gemeinden, Gruppen und Ordensgemeinschaften konvertieren können. In diesem Rahmen soll es auch möglich sein, dass verheiratete, ehemals anglikanische Geistliche in der katholischen Kirche zu Priestern geweiht werden können. Dies war bisher in der Lateinischen Kirche nur in Einzelfällen möglich.
Abspaltungen und Parallelstrukturen
In der anglikanischen Weltgemeinschaft herrscht seit Jahren ein innerkirchlicher Streit um ihren Kurs. Dabei sind der liberale und der konservative Flügel der Gemeinschaft u.a. uneins über die Zulassung von Frauen und aktiven Homosexuellen zum Priester- und Bischofsamt. Die Auseinandersetzung führte bereits verschiedentlich zu Abspaltungen und Parallelstrukturen. (APA/Ag.)
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