Weltbevölkerungsbericht

Sexuelle Gewalt kann Gesellschaften destabilisieren

20. Oktober 2010, 14:07
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    grafik: apa/m. hirsch

    Von der weltweiten Gesamtbevölkerung von 6,91 Milliarden Menschen leben 5,67 Milliarden in weniger entwickelten Regionen. Hier beträgt das Bevölkerungswachstum 1,4 Prozent, während es in stärker entwickelten Regionen 0,3 Prozent ausmacht. In den ärmsten Gegenden sterben 79 Säuglingen pro 1.000 Lebendgeburten, in den reicheren Ländern sind es 6. Geschätzte 215 Millionen Frauen würden laut Bayr gern verhüten, haben aber keinen Zugang zu Verhütungsmittel. Knapp 80 Millionen Frauen werden jedes Jahr ungewollt schwanger.

    Die Zahl der Geburten von Jugendlichen liegt in den ärmsten Regionen bei 103 pro 1.000 von Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren. In Österreich gibt es 13 Teenager-Geburten pro 1.000 Jugendlichen. Österreich ist in diesem Bereich im Vergleich zu Ländern wie die Niederlande (4), Slowenien oder Italien (je 5) "nicht wirklich gut", wie Öllinger sagte. Während etwa in Norwegen 88 Prozent verhüten, seien es in Österreich gerade einmal 51 Prozent.

UNFPA-Studie zu "Krise, Frieden, Wiederaufbau" zeigt gravierende Auswirkungen von Konflikten: Traumatisierte Männer unterstützen, um Frauen zu helfen

In bewaffneten Konflikten wird geschlechtsspezifische Gewalt einschließlich Vergewaltigung immer häufiger als Instrument der Kriegsführung eingesetzt. Diese Form der Gewalt steht im Mittelpunkt des diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsberichts "Krise, Frieden, Wiederaufbau: Gesellschaften im Wandel", der am Mittwoch von der ParlamentarierInnengruppe zu Bevölkerung und Entwicklung (Petra Bayr (SPÖ), Silvia Fuhrmann (ÖVP) und Karl Öllinger (Die Grünen) sowie Natalie Plhak von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) in Wien präsentiert wurde.

Der Bericht fällt mit dem zehnjährigen Bestehen der UN-Resolution 1325 zusammen, welche im Jahr 2000 zum ersten Mal alle Parteien in bewaffneten Konflikten aufforderte, Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt zu schützen und Frauen stärker in friedensbildende Maßnahmen einzubeziehen. Der Weltbevölkerungsbericht basiert auf Reportagen aus Ländern, in denen es Konflikte oder Naturkatastrophen gab und sich auf dem Weg der Stabilisierung befinden: Bosnien-Herzegowina, Liberia, Uganda, Osttimor, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Jordanien und Haiti.

Durch Vergewaltigungen erlittene Traumata nachhaltig

"Frauen, die unter Diskriminierung leiden, sind auch für die negativen Effekte von Krieg, wie sexueller Gewalt anfälliger und können sich weniger in den Wiederaufbau der Gesellschaft einbringen", erklärte Bayr, Bereichssprecherin für Umwelt und gloable Entwicklung der SPÖ. Der aktuelle Weltbevölkerungsbericht mache deutlich, wie die durch Vergewaltigungen erlittene Traumata weit über das Kriegsende hinaus nachwirken und ganze Gesellschaften destabilisieren können. Um den Teufelskreis aus Krisen und Unterentwicklung durch eine Aufwärtsspirale von sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt und Empowerment zu ersetzen, sollten Nichtregierungsorganisationen, internationale HelferInnen und die betroffenen Staaten selbst den gesellschaftlichen Wandel durch psychosoziale und juristische Betreuung unterstützen, so Bayr.

Junge besonders betroffen

Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich die Folgen der Krisensituationen auf Jugendliche besonders gravierend auswirken. Durch unterbrochene Schulbildung haben diese auf dem Arbeitsmarkt zerrütteter Ökonomien kaum Chancen. "Es ist besonders wichtig, dass wir jungen Menschen, und besonders Frauen, Zugang zu Bildung ermöglichen." Bildung sei ein zentraler Pfeiler für den Wiederaufbau von Gesellschaften nach Konflikten: "Die Investition in Bildung ist eine Investition in die Entwicklung einer künftigen Generation, die in der Lage sein wird eine gewaltfreie und sichere Gesellschaft aufzubauen", bekräftigte Fuhrmann, die Kultur- und Jugendsprecherin der ÖVP.

Männern helfen

Karl Öllinger wies auf die Gewaltspirale hin, in welcher sich Männer in Konfliktsituationen befänden: "Wenn Männer Opfer von Gewalt werden, geben sie diese an Frauen weiter, sodass diese wiederum an Gewalt leiden." Der Weltbevölkerungsbericht liefere Ansatzpunkte, um die Situation von tschetschenischen Flüchtlingen "nicht nur zu begreifen, sondern auch zu verändern". Österreich dürfe "nicht darauf vertrauen, dass sich die traumatisierten Männer irgendwie integrieren", sagte Öllinger:  "Es bedarf mehr Ressourcen, um traumatisierte Männer zu unterstützten."

Reproduktive Gesundheit: Fortschritte haben sich verlangsamt

Der Bericht führt auch die mangelnde reproduktive Gesundheitsfürsorge in Regionen an, die von bewaffneten Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen sind und Menschen in die Flucht zwingen: Zum plötzlichen Ausfall der medizinischen Versorgung komme häufig die Vernachlässigung der Familienplanung hinzu, die schwerwiegende Folgen, wie unsichere Schwangerschaftsabbrüche, mit sich bringen kann. Das Risiko bei der Geburt zu Sterben ist in Konfliktregionen besonders hoch: 60 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit ereignen sich in zehn Ländern, wobei sich davon neun im Konflikt befinden oder gerade im Wiederaufbau sind. Derzeit sterben nach UNFPA-Angaben jeden Tag etwa 1000 Frauen wegen Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Geburt.

Der Weltbevölkerungsbericht legt dar, dass der Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge häufig mit dem Niveau des sozialen und ökonomischen Status der Frauen zusammenhängt: Frauen mit niedrigem Bildungsstand und aus ländlichen Regionen haben schlechteren Zugang zu Verhütungsmitteln und werden häufiger schon im Teenageralter schwanger. Mehr als 200 Millionen Frauen weltweit wollten verhüten, könnten es aber nicht, weil sie keinen Zugang zu Pille oder Kondomen hätten. Knapp 80 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern würden jedes Jahr ungewollt schwanger. Mit einer besseren Familienplanung ließe sich jedoch die Bevölkerungsexplosion mildern, die in den Entwicklungsländern den Kampf gegen die Armut erschwere und die Wahrscheinlichkeit von Konflikten erhöhe. In Afrika habe nur jede vierte Frau Zugang zur Pille oder Kondomen. Weltweit nutzten dagegen 60 bis 70 Prozent der Frauen Verhütungsmittel.

Eines der Millennium-Entwicklungsziele ist, dass jeder Mensch bis 2015 Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge hat. Der weltweite Fortschritt beim Erreichen des Ziels hat sich jedoch verlangsamt.

Gleichberechtigung von Frauen entscheidend

"Mädchen und Frauen dürfen nicht weiter diskriminiert werden", forderte Bayr die Staaten auf, Konfliktsituationen zu nutzen, um Gesellschaften nach Krisen nicht nur wiederaufzubauen, sondern ihre Länder neu und besser zu gestalten: "Mit Frauen und Männern, die gleiche Rechte und Chancen haben und so ein stabiles Fundament für nachhaltige Entwicklung bilden." (red/APA/Reuters)

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12 Postings
Quargelbrot
24
21.10.2010, 08:26

Also das finde ich jetzt schon schwer dramatisiert.

Man denke an den 1. Weltkrieg.
In ganz Europa wurde innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren eine ganze Generation an Männern verheizt.

Das hat definitiv die Gesellschaft destabilisiert.
Die Folge war ja bekanntlich der 2. Weltkrieg.

Aber scheinbar werden Männer eh nur als Kanonenfutter gebraucht.

-blos so-
00
26.11.2010, 07:50
das ist leider eine Themenverfehlung

haben sie den Artikel gelesen?

schon in der Überschrift steht ja... Traumatisierte Männer unterstützen, um Frauen zu helfen...

was glauben sie was psychisch durch die Politik des Krieges verkrüppelte Männer an Druck aushalten mußten - Druck, der dann am schwächsten Glied in der Gesellschaft - vor allem Frauen - ausgelassen wird...

aber die Männer heute werden ja oft genau so geprügelt - nur halt psychisch von ihren Chefs, indirekt durch die Aktionäre ihrer Firma...

pox vobiscum
01
20.10.2010, 14:51

Hier wird so getan, als wäre Vergewaltigung durch feindliche Soldaten etwas, das im 20sten Jahrhundert erfunden wurde. Stimmt das? Ich habe nämlich nicht diesen Eindruck.
Ich glaube, in der heutigen Zeit wagen die Frauen das erste Mal, darüber zu sprechen und dies auch anzuklagen - das ist natürlich gut so.
Wobei jede Art von Gewalt, die nicht geahndet wird, Gesellschaften destabilisieren kann.
Und natürlich alle Arten von Übergriffen auf die Zivilbevölkerung angeprangert werden müssen.

zahnloser Tiger
14
20.10.2010, 13:44
sexualisierte Gewalt in Kriegen ist so alt wie der Mensch....

ob man "nur" die wehrfähige männliche Bevölkerung ermordet (rein auf Basis des Geschlechts, bisher noch in jedem Krieg passiert) oder gar verschleppt (siehe Janitscharen, Kindersoldaten) oder die gegnerische weibliche Zivilbevölkerung vergewaltigt (siehe Rape of Nanking, siehe "sowjet. Besatzungszonen", siehe Kriegsverbrechen des WK2, siehe 30jähriger Krieg)

ist irrelevant

Krieg ist IMMER eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt...

Männer werden um der hegemonialen Männlichkeitsbilder zum direkten Kampfeinsatz geschickt und als Kanonenfutter verheizt, Frauen sind in Unterstüzungsfunktionen tätig

SINNVOLLER und KORREKTER wäre die Ausweitung kriegerischer Handlungen auf die Zivilbevölkerung anzuprangern, Gefallene sind EBENSO OPFER!

Tethys
16
20.10.2010, 15:38

In dem Artikel geht es darum, dass durch Vergewaltigung traumatisierte Personen nicht helfen können, ein Land wieder aufzubauen.

Dass Sie auf alle Opfer des Krieges hinweisen ist schon richtig, aber ein Gefallener ist tot. Ein vergewaltigter Mensch lebt noch - und genau darum geht es im Artikel.

Außerdem ist anzumerken, dass in manchen Bereichen der Erde sexuelle Gewalt nicht als solche anerkannt wird, sondern als Begleiterscheinung oder gar "Recht des Stärkeren" gewertet wird. Auch darauf will dieser Artikel aufmerksam machen.

Nennt mich Loretta
01
22.10.2010, 09:44
Ein gefallener Soldat kann ebenso beim Wiederaufbau nicht mithelfen

zahnloser Tiger
30
21.10.2010, 09:13
als ob die Toten eine Gesellschaft wiederaufbauen oder stabilisieren könnten

hier gehts um die Auswirkungen von kriegerischer Gewalt auf die Bevölkerung die Stabilität der Gesellschaft

leider können sie aber nicht umhin sich als Frau als "primär betroffen" zu verstehen, was einfach sinnfrei ist

bevor sie vergewaltigt werden können von den feindlichen Marodeuren sind LÄNGST einen Haufen Männer krepiert

und die Destabilisierung hat längst eingesetzt

SIE diskriminieren mit ihren Aussagen alle jene die ebenso Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen werden aber keine Vergewaltigungsopfer sind...

wenn sie nicht begreifen daß Kriege nicht "primär Frauen traumatisieren" sondern MENSCHEN sind sie ohnehin schon jenseits von Gut und Böse

Tethys
13
21.10.2010, 10:32

Ich weiß nicht, wessen Posting Sie gelesen haben wollen, meines kann es nicht gewesen sein. Weder schrieb ich etwas von "primär betroffen" noch davon, dass es keine anderen Opfer als vergewaltigte Frauen gibt.

Hören Sie auf, mir Aussagen zu unterstellen, die ich nicht getätigt habe. Es ist mühsam, Sie darauf hinweisen zu müssen, das erschwert die Diskussion.

zahnloser Tiger
20
21.10.2010, 10:50
OFFENSICHTLICH

- wie sie aus dem reply von G. D. M. entnehmen könnten wenn sie nur aufmerksame lesen WOLLTEN -

ist dieses Verständnis nicht MIR zu eigen sondern ein intersubjektiver Eindruck den andere teilen

hörens auf zu opponieren um des Opponierens Willen

Trotz steht Erwachsenen nicht

no G. D. M.
01
20.10.2010, 22:37
Im Artikel sollen die Folgen von sexueller Gewalt (Vergewaltigung) hervorgehoben werden.

So zumindest verstehe ich das.
"aber ein Gefallener ist tot."
Klingt zwar etwas heftig, stimmt aber soweit. Allerdings kann auch der gefallene Mann das Land nicht mehr mit aufbauen. Sind Frauen durch gefallene Söhne, Ehemänner, Väter, ... nicht/weniger tramatisiert.Was ist die heftiger Traumatisierung dabei?

Ich kann mir auch nur sehr schwer vorstellen, dass es im Krieg bei sexueller Gewalt vorranging um die Gewalt geht.

blow back
00
30.10.2010, 09:33
ad G. D. M.

sicher ist man als frau durch den tod naher angehöriger auch traumatisiert. aber es macht doch wohl schon noch einen unterschied ob ausserdem zustäzlich einer selbst am eigenen leib auch noch gewalt angetan wird, z.b. durch vergewaltigung. häufig geht eh beides hand in hand in solchen ländern.
den letzten satz versteh ich nicht: worum geht es sonst im krieg bei sexueller gewalt?? wenn nicht um gewalt??

Der Neisseer
21
20.10.2010, 13:16
Echt?

Der Artikel erscheint wie eine Kompilierung ausgesuchtesten und umso selbstbewußter daherkommenden Schwachsinns.

Anzuschauen, was in Deutschland (und Österreich) nach dem 30jährigen Krieg, oder nach dem 2. Weltkrieg passierte, entlarvt die Relativität und damit objektive Unbrauchbarkeit dieser "Thesen", die halt wieder nur "irgendwas" behaupten und sinnlose "Tätigkeiten" generieren werden, ansonsten aber keinen Wert haben.

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