Female-Leadership

Für Frauen ist Leadership anders

29. Oktober 2010, 17:24

Andere Voraussetzungen, andere Fragen, neue Antworten

Weibliche Führungskräfte führen nicht nur anders - sie starten und entwickeln ihre Karrieren auch unter anderen Voraussetzungen. Diesem Umstand tragen nun auch spezielle Lehrgänge für "Female Leadership" Rechnung.

Gerade einmal 13 Prozent aller berufstätigen Frauen sind im Management tätig. Woran liegt das? "Frauen fehlt oft der Mut, um eine Führungsposition zu übernehmen. Sie glauben, sie können weniger als Männer und tun sich dann schwer, zu sich selber zu stehen", meint Anke van Beekhuis, Geschäftsführerin von TheRed House. Das Wiener Institut für nachhaltige Unternehmensentwicklung bietet einen speziellen Lehrgang für "Female Leadership" an. "Neben Familie, Kindern und der eigenen Position bleibt oft kein Platz, um auch im Job eine Führungsposition zu übernehmen - selbst wenn das Potenzial und der Wunsch danach vorhanden sind. Das zwingt Frauen oft in Aufgaben, für die sie eigentlich überqualifiziert sind." Der sechsmodulige Lehrgang für Frauen mit Führungsambitionen bzw. mit dem Wunsch, sich als Führungspersönlichkeit weiterzuentwickeln, geht daher weit über die Vermittlung von praxisbezogenem Führungs-Know-how und persönliche Selbstreflexion hinaus. Er dient gleichzeitig als Netzwerk-Ressource, in der die Teilnehmerinnen einander zeigen, wie man frauenspezifische Herausforderungen auch abseits des Unternehmens meistert.

"Karriere und Familie erfordern einen Plan, eine Strategie und die Ausdauer, das Durchhaltevermögen und die Disziplin eines Leistungssportlers", meint Lehrgangsteilnehmerin Sabine Wanke-Reissner, Geschäftsführerin von "bettersales". "Natürlich gibt es Situationen, in denen man innerlich zerrissen ist. Selbstständigkeit ist kein Spaziergang, sondern harte, konsequente und disziplinierte Arbeit." Besonders intensiv erleben Frauen auch die Rückkehr aus der Karenz: "Die Babypause holte mich in eine andere Welt, in der so gut wie alle Kontakte abrissen", erinnert sich Karin Haselböck, Koordinatorin des Projekts "Zukunft.Frauen". "Man benötigt nach eigener Einschätzung zumindest ein halbes Jahr, um das frühere Selbstverständnis als Führungskraft wiederzuerlangen - besonders, wenn man dann in einem ganz anderen Bereich tätig ist." Auch diese Themen haben im Lehrgang "Female Leadership" Raum - für viele Teilnehmerinnen eine Tatsache, die als sehr bereichernd empfunden wird.

"Im Lehrgang habe ich die Möglichkeit, mich aus dem Alltagsgeschäft auszuklinken und in Ruhe meine Leitungsaufgaben und die Begleitumstände mit anderen Frauen in Führungsfunktionen zu reflektieren", sagt Brigitte Hasewend, Leiterin Internationale Partnerschaften der TU Graz. "Die Erfahrung, dass es andere Frauen in ähnlicher Situation gibt, ist sehr wichtig." (red, DER STANDARD, Printausgabe 30./31.10/01.11.2010)

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