WIDE: Frauen in der Nahrungsmittelkrise

3. Dezember 2010, 10:21

Das Netzwerk Women in Development Europe über Exportproduktion und Spekulation, die Frauen die Lebensgrundlagen entziehen

Die Vertreibung von SubsistenzbäuerInnen von scheinbar "unproduktivem" Land zur Nutzung durch agroindustrielle Unternehmen zum Anbau von Cash-Crops - Nahrungsmittel für den Export - ist kein neues Phänomen, hat aber jüngst neue Dimensionen erreicht.

Laut Weltbank wurden allein im letzten Jahr 45 Millionen Hektar Land durch ausländische Firmen aufgekauft, langfristig gepachtet oder Verhandlungen über Kauf bzw. Pacht geführt. Das entspricht der fünffachen Fläche Österreichs. Dieser Landraub findet zu zwei Drittel in Afrika statt, jedoch auch andere Weltregionen, etwa Indien, sind betroffen. Doch scheinbar brachliegendes Land ist in der Regel alles andere als ungenutzt: Es dient traditionellen Formen von Subsistenzwirtschaft und ist damit zentrale Ressource für das Überleben der großen Bevölkerungsmehrheit. Frauen bilden die Mehrheit unter den SubsistenzbäuerInnen in Entwicklungsländern, sie bauen 60-80 Prozent der lokal konsumierten Grundnahrungsmittel an, verfügen jedoch kaum über Landtitel und gehören zu den ersten Leidtragenden von Landvertreibungen.

Die Ursachen für das verstärkte "Landgrabbing" sind vielfältig: geänderte Konsumgewohnheiten wie höherer Fleischverbrauch und damit noch mehr Anbau von Futtermitteln für den Export, Anbau von Energie-Pflanzen zur Gewinnung von Agrotreibstoffen sowie die Suche von Finanzinvestoren nach neuen Anlagemöglichkeiten. Das Platzen diverser Finanzmarkt-"Blasen" hat institutionelle Anleger verstärkt in Land, Wasser und agrarische Rohstoffe investieren lassen.

In dem von WIDE im Rahmen von "Klappe auf! 16 Tage gegen Gewalt an Frauen" produzierten Video "Frauen in der Nahrungsmittelkrise" werden diese globalen Entwicklungen als strukturelle Gewaltverhältnisse gegenüber Frauen im globalen Süden thematisiert. Strukturelle Probleme erfordern strukturelle Antworten: Weg von Exportproduktion, Freihandel und Spekulation hin zu Ernährungssouveränität. Vorrang für Frauen-/Menschenrechte. (red)

Info
Das Videoprojekt "Klappe auf!" ist eine Aktion im Rahmen der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" 2010. Es wird getragen von CARE Österreich, Frauensolidarität, HORIZONT3000, Katholische Frauenbewegung Österreich - Aktion Familienfasttag, LEFÖ/ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, Miteinander Lernen/ Birlikte Ögrenelim, Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, ÖBV - Via Campesina Austria sowie WIDE - Netzwerk Women in Development Europe.

Vor- und Abspann: Doris Mayer
Schnitt und Produktion: Katja Schröckenstein
Assistenz und Tonbearbeitung: Christina Schröckenstein
Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung der MA 57- Frauenabteilung der Stadt Wien, des Bundeskanzleramts Österreich/ Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit realisiert.

Link
WIDE - Netzwerk Women in Development Europe

Zu den anderen Videos: dieStandard.at/Klappe auf!

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2 Postings
Tschulligung ...

habe irrtümlich "Frauen in der Nahrungsmittelkette" gelesen.
Bin schon wieder weg ;-P

Interessanter Artikel.

Interessanter Artikel.

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