Video Nr. 7: Maria Cristina Boidi, Koordinatorin von LEFÖ, über Mehrfachdiskriminierung und vergessene Migrantinnen-Gruppen
Der Verein LEFÖ war bereits in der Mitte der 80er Jahre von lateinamerikanischen Frauen gegründet worden: die gemeinsame Situation als Flüchtlinge im Exil und als Migrantinnen hatte sie veranlasst, sich zusammen zu schließen um einer möglichen Retraumatisierung entgegen zu wirken und gemeinsam die Gestaltung ihrer neuen Zukunft anzugehen. In der 25-jährigen Geschichte von LEFÖ hat sich diese Entscheidung immer wieder als eine gute bestätigt: nur gemeinsam getragene Initiativen, die auf individueller und gesellschaftspolitischer Ebene wirken, können letztendlich Lebensräume verbessern.
Die Lebenssituation von vielen Migrantinnen in Österreich ist von Ausgrenzung und Benachteiligung geprägt. Migrantinnen kommen aus unterschiedlichen Gründen nach Österreich, haben verschiedenste Lebenshintergründe und finden unterschiedliche Lebensbedingungen in Österreich vor. Eine differenzierte Analyse ist daher notwendig um in politischen Entscheidungen der hohen Diversität gerecht zu werden. Maria Cristina Boidi dazu: „Migrantinnen, die in der Sexarbeit tätig sind, oder auch Betroffene von Frauenhandel wurden lange Zeit nicht als Teil der Migrantinnen gesehen". „Die polarisierte Welt produziert immer mehr Dynamik und Bewegung, die ernst genommen werden muss", so Boidi weiter.
Viele Migrantinnen sind zudem noch von individueller und struktureller Gewalt betroffen: gesetzliche Rahmenbedingungen legen den Handlungsspielraum für Frauen und für Migrantinnen fest, in denen nach Lösungen und Auswegen aus der Gewalt gesucht werden kann. Diese gesetzlichen Rahmenbedingungen engen teilweise nicht nur ein, sondern zementieren rassistische und diskriminierende Vorurteile und Gewalt gegen Migrantinnen. So braucht es nicht zu erstaunen, dass die teilweise öffentlich geführten Diskussionen zu Migration jede Art von sexistischer und rassistischer Haltung Migrantinnen gegenüber unterstützen.
Übersetzung des Interviews in die Gebärdensprache: Hanna Boesch
Info
Das Videoprojekt "Klappe auf!" ist eine Aktion im Rahmen der "16 Tage
gegen Gewalt an Frauen" 2010. Es wird getragen von CARE Österreich,
Frauensolidarität, HORIZONT3000, Katholische Frauenbewegung Österreich -
Aktion Familienfasttag, LEFÖ/ Beratung, Bildung und Begleitung für
Migrantinnen, Miteinander Lernen/ Birlikte Ögrenelim, Verein Autonome
Österreichische Frauenhäuser, ÖBV - Via Campesina Austria sowie WIDE -
Netzwerk Women in Development Europe.
Vor- und Abspann: Doris Mayer
Schnitt und Produktion: Katja
Schröckenstein
Assistenz und Tonbearbeitung: Christina Schröckenstein
Das
Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung der MA 57- Frauenabteilung
der Stadt Wien, des Bundeskanzleramts Österreich/ Bundesministerin für
Frauen und Öffentlichen Dienst und der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit realisiert.
Link
Verein LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, Tel. 01-581188, Mail: info@lefoe.at
Zu den anderen Videos: dieStandard.at/Klappe auf!