Berufsbegleitend studieren wirkt sich positiv auf den Kontoauszug aus, belegt das IHS - Das gelte auch für Frauen, würden sie nur härter verhandeln, sagen andere Studien
Das Institut für Hohere Studien (IHS) hat für die FH-Studiengänge der Wirtschaftskammer Wien erhoben und belegt: Die Einkommensentwicklung nach Abschluss eines berufsbegleitenden Studiums ist "dynamisch und überdurchschnittlich". Rund 55.000 Euro brutto im Jahr verdiene demnach durchschnittlich ein/e AbsolventIn eines berufsbegleitenden Studiums, wobei das Gehaltsniveau in den jeweiligen Unternehmen um rund 1500 Euro darunter liege. Insgesamt, so die Studie, verfügten 70 Prozent der ehemalig berufsbegleitend Studierenden ein Jahr nach Abschluss über ein Jahreseinkommen über dem Unternehmensmedian. Die Anstrengungen zahlen sich demnach auf dem Gehaltszettel aus.
Good News auch für viele, die sich (noch) nicht berufsbegleitend formal weiterbilden: Auch mit den Gehältern insgesamt geht es aufwärts. Unternehmen in Österreich erhöhen diese im kommenden Jahr voraussichtlich um durchschnittlich 2,7 Prozent, geht aus der Hewitt-Studie "Global Salary Increase Survey 2010-2011" zur weltweiten Gehaltsentwicklung hervor. "Die Zahlen spiegeln eine vorsichtig optimistische Stimmung im Land wider", so Gregor Lötsch von Hewitt Associates in Österreich.
"Krisenbedingte Schockstarre ist vorbei"
Während der Krise reduzierte noch knapp ein Drittel der Unternehmen die Zahl der Beförderungen - ein Trend, der nun fast aufgehoben scheint. "Die krisenbedingte Schockstarre, in der Arbeitskräfte aus Angst vor Arbeitslosigkeit auch an ungeliebten Jobs festhielten, ist vorbei. Die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen und ihre Motivation müssen daher wieder in den Vordergrund rücken - auch im Hinblick auf den größer werdenden Fachkräftemangel", mahnte Lötsch bei der Präsentation seiner Ergebnisse. Wobei, wie andere Studien zeigen, Unternehmen sehr genau schauen sollten, was Frauen und Männer motiviert. Männliche Studenten, so eine aktuelle Universum-Studie, erwarten grundsätzlich ein höheres Gehalt beim Einstieg in den Job als ihre weiblichen Kommilitoninnen. 35.000 Jahresbrutto zu 28.000 Jahresbrutto, so die Berechnung der Erwartungen nach Befragung von 5000 Fachhochschul- und Uni-Studierenden in Österreich.
Damit reflektiert die Erwartung der Frauen die Faktenlage der späteren tatsächlichen Bezahlung: Gender-Pay-Gap.
Meist, so die Studie, entstehe der Einkommensnachteil schon am Beginn, beim Einstieg, und lasse sich dann kaum mehr wettmachen. Dies liege an den weniger nachdrücklichen Verhandlungen der Frauen. Aber: Frauen legen in diesen Gesprächen auch mehr Wert auf Work-Life-Balance, verantwortungsvolles und nachhaltiges Agieren der ArbeitgeberInnen sowie Jobsicherheit als Männer. Diesen ist eher Aufstieg wichtig. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 18./19.12.2010)