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Rebecca Skloot: "Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks", Irisina 2010, 506 Seiten, 20,60 Euro.
Moderne medizinische Forschung findet in den Laboren rund um den Erdball statt. Überall dort gehören HeLAZellen zum Grundinventar. Es sind Krebszellen, auf deren Basis seit mehr als 60 Jahren die Erkenntnisse über den menschlichen Organismus und seine möglichen Fehlfunktionen vorangetrieben werden. Mit diesen Zellen wurden Medikamente und Impfungen entwickelt, wurden Erkenntnisse zum menschlichen Genom gewonnen. Aber kaum ein Forscher stellte sich je die Frage, woher diese ersten kultivierten menschlichen Zellen eigentlich stammten. Die Wissenschaftsjournalistin Rebecca Skloot hat genau das getan. Über zehn Jahre lang hat sie recherchiert. Das Ergebnis ist ein packender Roman über Henrietta Lacks, die Spenderin der Zellen, die 1951 mit 31 Jahren in Baltimore an Eierstockkrebs starb. Sie war schwarz, arm, hatte fünf Kinder, die ihrerseits arm blieben und nie verstehen konnten, warum die Zellen ihrer Mutter so wichtig sind und - vor allem - warum niemand ihrer Mutter posthum eine Anerkennung zuteil werden ließ.
Skloot verpackt in dieser Biografie gleich eine ganze Reihe von brisanten Themen. Da geht es um Rassendiskriminierung zwischen Schwarz und Weiß und das finstere Kapitel von medizinischen Experimenten, deren Folgen bis heute wichtige Fragen zur Bioethik bestimmen. Was passiert mit entnommenem Gewebe? Wem gehört es? Wer verdient daran? Verständlich und nachvollziehbar skizziert Skloot aber auch die Grundprinzipien medizinischer Forschung, die großen Probleme dabei und die Grenzen. Dabei beweist sie, dass Theorie nie grau sein muss und Zellbiologie spannender als ein Krimi sein kann. Was das Buch noch zum Ausdruck bringt: Wissen bringt Sicherheit, Unwissenheit Ohnmacht. (pok, DER STANDARD/Printausgabe 20.12.2010)
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