Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Lauthals oder lieber schweigen?
Seit letzter Woche ist es fix: Firmen über 1.000 MitarbeiterInnen sollen sich in Sachen Gehälter nicht mehr schweigsam geben (Heinisch-Hosek: Das Gesetz wird Frauen mutiger machen). Obacht ist aber für MitarbeiterInnen geboten: Wird die Gehälter-Lage des Betriebes fröhlich weiter getwittert, gefacebookt oder sonst irgendwie an die Öffentlichkeit ausgeplaudert, kann es Geldstrafen geben.
Ob wir im Bekannten- oder Freundeskreis über das eigene Gehalt sprechen oder es neugierig erfragen, ist uns natürlich überlassen. Nur: Wollen wir überhaupt wissen, was die alle so verdienen? Schürt das nur unnötig Unmut und Neid? Oder: Wird durch das offene Gespräch möglichen Diskriminierungen auf den Leib gerückt und der Mut nach schneidigeren Forderungen gestärkt?
Pro+++
Es ist Jahre her, da war ich mit KollegInnen unterwegs. Nach der Arbeit, in der Nacht, bei alkoholgetränkten Gesprächen. Raten Sie worüber. Über die Arbeit! Ist der gemeinsame Nenner, nicht wahr? Dabei wurde das Thema Gehalt angesprochen, und siehe da: Bis auf ein oder zwei nannte niemand in der Runde eine konkrete Zahl. Ich war eine der beiden. Der Rest war betretenes Schweigen. Eher makro als mikro nahm sich die übrige Diskussion aus und es wurde klar: Nix da gemeinsamer Nenner, nix da Gehaltsgerechtigkeit bei selber Arbeit.
Trotz dieser Erfahrung - oder gerade deshalb: Ich halte auch heute nicht mit meinem Verdienst hinterm Berg. Warum kann bzw. soll es die Kollegin nicht wissen, wenn selbst wer auch immer in diversen Behörden berechtigt ist, zu wissen, was Sache ist. Ein Geheimnis sollte es nicht sein. Schweigen übers Gehalt zementiert nämlich Seifenblasen zu Betonklötzen, die eine/n runter ziehen auf den Boden der Tatsachen, sobald mal zufällig eine eventuelle Kluft zwischen den KollegInnenverdiensten heraus kommt. Dann kommen die falschen Gefühle hoch, die sich gegen diejenigen richten könnten, die eigentlich nur ihre Sache besser gemacht haben bei der Gehaltsverhandlung. Oder sonstige Steine in welchen Brettern auch immer haben. Und steht frau auf der GewinnerInnenseite: Nur kein falsches Mitgefühl.
Denn: Zu wissen, was monetär Sache ist, ist hilfreich und verbindet, auch über Einkommensdifferenzen hinweg, weil es einer/m die Augen öffnet über das Arbeitsumfeld und tatsächliche Strukturen. Schweigen spaltet, obwohl es das betriebliche Miteinander scheinbar vereinfacht. Schweigen ist nicht Gold. Reden bringt Geld. Oder eine Entscheidungshilfe, woanders für ihr/sein Auskommen zu sorgen. Mund auf! (roh, dieStandard.at, 25.1.2011)
Contra+++
Das monatliche Einkommen ist ja schnell erfragt oder schnell über die Lippen gebracht. Nach betretenem Schweigen oder einem erleichterten Aufatmen will man es meist aber gar nicht mehr so genau wissen: Welche Ausbildung, wie viele Jahre in dieser oder einer ähnlichen Branche, Verantwortungsbereiche... diesen wichtigen Fragen geht man, nachdem die Bombe geplatzt ist, meist nicht mehr nach. Nur blöd, dass gerade diese Dinge für mögliche Differenzen wichtig sind, werden sie doch auch in seriösen Statistiken auseinandergedröselt.
Aber was mit Neugier begann endet im privaten Umfeld meist mit Unbehagen, das jegliche weitere Klärung erstickt. Was bleibt ist ein schaler Geschmack der Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall Groll gegen die Besserverdienenden, die wohl am wenigsten dafür können.
Außerdem: Rätselhaft bleiben beim fröhlichen Gehältertratsch zumeist auch die Diskrepanzen zwischen verzeichnetem Einkommen und Lebensstil. So gibt der Monatslohn beileibe keine Auskunft über die tatsächlichen Ressourcen. Mit - nur ein Beispiel - 900 Euro netto lässt es sich etwa mit einer ererbten Eigentumswohnung ganz gut leben, wohingegen es ganz schon knapp wird, wenn noch eine 500 Euro teure Mietwohnung zu berappen ist.
Ein Gehälter-Plausch bringt einer außer schlechter Laune also nichts, denn irgendjemanden gibt es immer, der/die mehr bekommt - natürlich zu Unrecht. Eh klar. (mag, dieStandard.at, 25.1.2011 )
derStandard.at/SMS: Nachrichten in Echtzeit auf Ihr Handy!
Ostern steht vor der Tür und wir fragen: Dem Katholizismus abschwören, weil zu patriarchal? Oder müssen gerade deshalb Feministinnen der Kirche treu bleiben?
Pro & Contra: In guter Hoffnung auf die gemeinsame Elternschaft - Oder: Lasst die Frauen endlich wieder in Ruhe gebären
Fortschritt für die Frauenbewegung oder Feuer auf verbrannte Erde?
Ein Schlagabtausch zum Thema "Frauen-Preise": Schluss mit der Bescheidenheit oder Wider den "Trotzdem"-Faktor
Zu viele Kompromisse, die zusätzlich diskriminieren oder doch ein wichtiger Schritt?
Warum sich einer potentiellen Mitglieder-Vermehrung verwehren? Oder: Auch ein einfühlsamer und hilfsbereiter Mann ist noch lange kein Feminist
Frau mutiert nicht in Nullkomanichts zu einer oberflächlichen Tusse - Oder: Die Weiblichkeit in flachen Schuhen reicht völlig aus
Eine Wohngemeinschaft ist ökonomischer, ökologischer und sozial verträglicher - Oder: Zusammen wohnen macht bei den falschen Dingen bequem
Die moderne Frau menstruiert in ihrem Leben etwa 450 Mal: Dies lässt uns nach der Sinnhaftigkeit der Regel fragen
Ein gemeinsamer Nachname stiftet gemeinsame Identität oder: Die Aufgabe des eigenen Namens ist ein Anachronismus
Für den Anfang unserer neuen Rubrik ein Klassiker der sommerlichen (Post-)Moderne: Rasieren wir uns an Bein und Achsel?
Eine fast hundertprozentig sichere Lösung - Oder: Sexuelle Befreiung und Sicherheit sind was anderes
Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Putzen zu vergeuden - Oder: Die eigene Bequemlichkeit darf keine Ausrede für Ausbeutung sein
Jahreswechsel mit großem Brimborium und Vorsätzen für das neue Jahr - Oder: Silvester, ein internationales und globales Verdrängungsevent
Warum nicht mal auf Kosten des Freundes leben, wenn frau grad mal nicht flüssig ist? Oder ist das schon der fatale Schritt in Richtung Abhängigkeit? - Haltungsnote
Das Leben ist schön, und die Fußball-WM hilft - Oder: Warum bedarf der olympische Gedanke überhaupt eines Wettkampfes?
Gibt es etwas Schöneres, als Sonne, Wind und Wasser auf den Brüsten zu spüren - Oder: Der sexuelle Touch stört beim Baden
Freude darüber, Zeit mit der Mama zu verbringen - Oder: Konservative bis faschistoide Ideologien aufwärmen
Pro & Contra zum Thema BH: "Die innere Sicherheit über das Äußere" gegen "Die gesellschaftliche Norm, die frau persönlich einengt"
Mit verschiedenen Masken jonglieren - Oder: Rote Lippen bringen die sexuelle Komponente ins Spiel
Eine männlich besetzte Sexpraxis am Prüfstand: Fundament mechanischer Sexualität oder - technische Kenntnis vorausgesetzt - nicht nur sexy, sondern innig
Es ist zwar traurig, dass sich viele fieße Entscheidungsträger hinter dem Deckmantel des (über Gehälter redet man nicht) verstecken und unrecht tun, aber das alleinige Hinausposaunen wird auch nicht die richtige Lösung sein, da wie oben schön beschrieben die Einkunft alleine noch nicht aussagekräftig ist über Verantwortungen, zusätzliche Tätigkeitsfelder neben der Haupttätigkeit, Entscheidungsfreiheit, aber auch die private Seite des monatlich verfügbaren freien Einkommen (nach Abzug der Lebenserhaltungskosten).
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.