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Doris Pfabigan erforscht Kategorien von Würde.
Wenn das Thema Pflege in der Öffentlichkeit debattiert wird, dann meist, wenn wieder einmal ein Skandal auffliegt, wenn Auswege aus explodierenden Kosten oder dem Problem illegaler Pflegekräfte gesucht werden. Der einseitige und oft emotionale Zugang gab Doris Pfabigan den Anstoß, sich mit anderen Fragen zu beschäftigten: nämlich wie Menschen selbstbestimmt und in Würde altern können. "Ethisches Handeln und die Wahrung der Würde werden in der geriatrischen Langzeitpflege ständig eingefordert - was das konkret bedeutet, ist aber kaum klar dargelegt", sagt Pfabigan.
In ihrer kürzlich am Institut für Philosophie der Universität Wien abgeschlossenen Dissertation hat sie sich den Begriffen "Autonomie" und "Würde" aus philosophischer, aber auch aus soziologischer und pflegewissenschaftlicher Sicht genähert. Die Arbeit war Teil eines umfassenden Projekts, das vom Ethik-Experten Peter Kampits geleitet, gemeinsam mit der Pflegewissenschafterin Patricia Kacetl durchgeführt und vom Wissenschaftsministerium gefördert wurde.
Bei ihrer Studie konnte Doris Pfabigan auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen: 20 Jahre lang war die 1960 geborene Wissenschafterin in der Altenpflege tätig, sowohl im stationären Bereich als auch in der Hauskrankenpflege. Mit 40 Jahren begann die gebürtige Niederösterreicherin neben ihrem Job im Geriatriezentrum in Lainz das Philosophiestudium, wenig später wechselte sie ans Forschungsinstitut des Roten Kreuzes, wo sie sich mit Gesundheitsförderung und Migration beschäftigte.
"Zentrales Element der Würde ist das menschliche Bedürfnis nach einer stabilen, dauerhaften Bestätigung des eigenen Selbst, nach Selbstachtung, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen durch soziale Anerkennungsformen wie Achtung und Wertschätzung", sagt Pfabigan. "Im Alter radikalisiert sich die Angewiesenheit auf andere und damit auch die Anfälligkeit für Würdeverletzungen - besonders in einer Zeit, in der Jugendlichkeit und Produktivität als Leitwerte gelten."
Basierend auf einer Aufarbeitung der Würdekonzeption Immanuel Kants sowie auf theologischen und therapeutischen Ansätzen, führte Doris Pfabigan qualitative Befragungen von Pflegebedürftigen und Angehörigen in ganz Österreich durch. "Daraus haben sich ganz konkrete Kategorien von Würde entwickelt: etwa ein Umgang auf gleicher Augenhöhe, das Ernstnehmen - also der Wunsch, nicht wie ein Kind oder eine Pflegenummer behandelt zu werden - oder das Behalten von Kontrolle, auch wenn man Hilfe braucht", fasst Doris Pfabigan zusammen. "Dabei geht es vor allem um Wahl- und Entscheidungsfreiheit."
Die derzeitige Debatte um Pflegequalität berücksichtige nur die Messbarkeit von Leistungen, nicht aber für die Würde relevante Aspekte wie sinnvolles Handeln oder bedeutungsvolle Beziehungen. Nach wie vor sei die Ausbildung für Pflegekräfte zu medizinlastig, kritisiert Pfabigan. In einem neuen Projekt des Nachwuchsförderprogramms "Sparkling Science" erarbeitet Pfabigan nun auch mit SchülerInnen und LehrerInnen bioethische Fragen, die in den Ethikunterricht einfließen sollen. Die zweifache Mutter ist überzeugt: "Wir sollten uns schon heute damit auseinandersetzen, wie wir selbst einmal behandelt werden wollen. Das nimmt auch ein wenig die Angst vor dem Altern." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2011)
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Mit dem Bedürfnis nach Würde und Selbstbestimmung lässt sich als Pfleger ja noch gut umgehen,
das zweite große Bedürfnis ist aber nach Nähe und Körperkontakt, der oft intensiv gesucht wird. Da tue ich mir als Pfleger wesentlich schwerer. Ich kann ja weder jeden unnötigen Körperkontakt vermeiden, noch kann ich mit meinen Patientinnen kuscheln.
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