Kopf des Tages

"ZiB" entdeckt Normalität des Farbfernsehens

22. Februar 2011, 18:28
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    foto: orf/ali schafler

    Claudia Unterweger, Moderatorin mit Migrationshintergrund.

Mit Claudia Unterweger präsentiert nun die erste Moderatorin mit Migrationshintergrund News-flashes auf ORF eins

Montag kam der ORF medialer Normalität des 21. Jahrhunderts ein Stückchen näher: Mit Claudia Unterweger präsentierte nun die erste Moderatorin mit Migrationshintergrund News-flashes auf ORF eins.
"Migranten sind ein Modethema", formulierte der evangelische Pressedienst etwas forsch. Das war 2007, und der deutsche Mediendienst kam schon damals nicht mit dem Auflisten nach, welche Privatsender "mehr oder minder lautlos seit Jahren" Moderatoren mit Migrationshintergrund haben, etwa Aiman Abdallah und Daniel Aminati (Galileo), Nazan Eckes in den News von RTL 2 und RTL. "Auch in den öffentlich-rechtlichen Anstalten hat man den Trend nicht völlig verschlafen", merkte der Pressedienst für Deutschland 2007 an und verwies etwa auf Ingo Zamperoni (Nachtmagazin, ARD) und Dunja Hayali (heute journal, Morgenmagazin, ZDF).

Private waren auch in Österreich vorn - Amira Awad etwa, geboren in Kairo, präsentierte ab 2007 Nachrichten auf Puls 4. In ORF-Nachrichten ist Unterweger nicht die Erste: Eser Akbaba, neue Österreicherin mit türkischen Wurzeln, erklärt seit 2009 in Wien heute das Wetter.
Unterweger begrüßt einerseits die Entscheidung, "jetzt auch die Fernsehinformation für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe zu öffnen". Zugleich aber scheint sie die Aufmerksamkeit wegen ihrer Hautfarbe auch zu nerven: "Der ganze Rummel um meine Person als schwarze Nachrichtenmoderatorin zeigt, wie weit der Weg ist, den dieses Land noch vor sich hat", sagte sie etwa tv-media. "Soweit ich informiert bin, haben meine Leistung beim Casting und zehnjährige journalistische Erfahrung überzeugt."

Radio macht die gebürtige Wienerin mit afrikanischen Wurzeln (Jahrgang 1971) seit 1999. Nach dem Geschichte- und Politikstudium in Wien und Aix-en-Provence und Öffentlichkeitsarbeit für Menschenrechtsorganisationen begann sie bei Radio Afrika im nichtkommerziellen Orange, bei einem Privatsender, seit 2000 bei FM4 (Connected). Dort werkt sie parallel zu ORF eins weiter.
Dass sie nicht nur Nachrichten "brav" ansagen will, ließ sie in ihren dritten dreieinhalb TV-Minuten anklingen. "Es mag zynisch klingen, aber Eltern, die in Schubhaft kommen, sollen selbst aussuchen, ob ihre Kinder in ein Heim kommen oder mit ins Schubgefängnis", moderierte sie einen Beitrag zum gerade akkordierten Fremdenrecht an. (Harald Fidler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.2.2011)

emma goldman
01
30.3.2011, 20:01

migrationhintergrund?

Robert Hochner 30. August 1945 in Budapest.
Paul Lendvai * 24. August 1929 in Budapest
Christopher D. Ryan 12. Juni 1958 in Toronto, Kanada
sportnachrichten ghört auch irgendwie noch dazu.
u.s.w

Mit teilweise nicht europäischem hintergrund.
aha

obibiber
00
23.2.2011, 08:59

als ich claudia unterweger zum ersten mal in der ZIB sah, viel mir ein, was arabella kiesbauer mal sagte, die ja in den 1980ern schon moderierte: sie hätte teilweise auch sch**ß schreiben erhalten, die sie als n*ger usw. beschimpften... ob das viel besser geworden ist...
der ORF schafft's ja bis heute nicht, dort leute hinzustellen, die nicht dem manderl-weiberl-weiß-hetero-schema entsprechen. die kritischen sind irgendwo spätabends geparkt usw.
die kombinierte dominanz von ORF und kronen zeitung in dem land sind schon massiv problematisch...

zur überschrift:
"ZiB" entdeckt Normalität des Farbfernsehens

unmarkiert 'weiß? farbe haben die 'andren'? haben 'weiße' jetzt die 'andren'? ist farbe normalität, ist weiß farbe? ...

Janus Doppelkopf
00
23.2.2011, 12:44
der ORF ist sowieso "erzkonservativ"

Kiesbauer bescheinigte man einst sie habe "keine Ausstrahlung", Alfons Haider versuchte man nach seinem coming-out "loszuwerden" und Dodo Roscic wurde ins Nachtprogramm geschoben

andererseits sind die ersten beiden seit Jahren auch für den ORF tätig (ein bisschen Rückschrittlichkeit dürfte man schon abgelegt haben), die "große Veränderung" kann ich allerdings jetzt aufgrund der Profilierung von Fr. Unterweger nicht erkennen

vielleicht ist es auch einfach zu selbstverständlich und banal um es als "normaler" Mensch zu bemerken

in meiner Wahrnehmung waren die "Frauen ohne Unterleib" viel früher bereits weit präsenter und sichtbarer als die NachrichtensprecherInnen, weshalb ich letzteren weniger Bedeutung beimesse

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