Standard-Interview

"Hauptsache Frauenförderung, ob mit oder ohne Quoten"

Alexandra Föderl-Schmid, 23. Februar 2011, 17:44

Sympathie für Zwangsmaßnahmen: Chefin der neuen UN-Frauenorgansation, Michelle Bachelet, sieht vor allem im politischen Bereich Nachholbedarf

Standard: Seit Jänner sind Sie operativ tätig. Was sehen Sie als Ihre wichtigste Aufgabe an?
Bachelet: UN-intern ist es so, dass die Aufgaben fragmentiert waren, sodass man sich entschlossen hat, die Frauenangelegenheiten zusammenzufassen. Ich versuche, die Schlagkraft zu erhöhen, eine stärkere Organisation zu bilden.

Standard: Was sind Ihre Prioritäten in der Arbeit nach außen?
Bachelet: Die Stimme der Frauen muss gehört werden, auf allen Ebenen. Es gibt natürlich je nach Weltregion unterschiedliche Aufgaben und Probleme: In der entwickelten Welt ist die Gehälterdifferenz zwischen Männer und Frauen ein ungerechter Zustand, in Entwicklungsländern geht es vor allem darum, Frauen überhaupt Zugang zu Bildung und zu einer Beschäftigung zu ermöglichen.

Standard: Wie sieht es auf der politischen Ebene aus?
Bachelet: Die größte Kluft besteht im politischen Bereich. Von allen Parlamentariern weltweit sind nur 19 Prozent Frauen. Von 192 Staats- und Regierungschefs sind nur 19 weiblich. Wenn Frauen in Gremien vertreten sind, dann werden Frauenangelegenheiten berücksichtigt. In Norwegen hat man zum Beispiel gute Erfahrungen damit gemacht. Dort ist es auch Pflicht, dass 40 Prozent der Aufsichtsratsmandate in einem Unternehmen von Frauen besetzt sind.

Standard: Sind Sie für Quotenregelungen?
Bachelet: Was wir brauchen, sind fördernde Maßnahmen. Das können Quoten sein oder andere Aktionen. Es gibt 25 Länder, in denen der Frauenanteil mehr als 30 Prozent beträgt. Davon haben aber nur vier kein Quotensystem.

Standard: Sie sind also für Zwangsmaßnahmen?
Bachelet: Ich bin für Förderungsmaßnahmen. Aber jedes Land soll souverän entscheiden. Hauptsache Frauenförderung, egal, ob mit oder ohne Quoten. Eine Hebung des Frauenanteils etwa in Parlamenten kann auch erreicht werden, indem Parteien, die mehr Kandidatinnen aufstellen, ökonomische Anreize erhalten. Darüber wird derzeit in Chile diskutiert, wo der Frauenanteil im Parlament bei nur zwölf Prozent liegt.

Standard: In Österreich wird versucht, durch verpflichtende Gehaltstransparenz für Firmen zu erreichen, dass Frauen gleich bezahlt werden. Ist das der richtige Weg?
Bachelet: Jedes Land soll seinen eigenen Weg gehen. Ich habe als chilenische Präsidentin ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass Frauen klagen können, wenn sie nicht gleich bezahlt werden.

Standard: Sie wollen auch das Gewaltthema stärker in den Vordergrund rücken. Wie?
Bachelet: Wir werden Kampagnen contra die Gewalt gegen Frauen führen. Aber das ist eine Sache für die ganze Gesellschaft. 70 Prozent aller Frauen weltweit erfahren körperliche oder sexuelle Gewalt von Männern mindestens ein Mal in ihrem Leben. Es muss auf UN-Ebene mehr Aktionen geben.

Standard: Welche?
Bachelet: Wir wollen uns im Bereich der UN-Blauhelmmissionen engagieren. Wir werden mit Trainingsmaßnahmen anfangen. Wir wollen den Frauenanteil bei den Polizeikräften erhöhen. Wir haben schon Bataillone für Bangladesch oder Indien, nur aus Frauen bestehend. Dort gibt es viel sexuelle Gewalt. Es ist einfacher für Frauen, mit Frauen zu reden. Wenn man in Konfliktregionen Frauen in Uniform sieht, auch mit der Waffe in der Hand, dann wirkt das ganz anders. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2011)

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Posting 1 bis 25 von 27
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Amy4
00
26.2.2011, 13:43
frauenförderung bedeutet für frauen neben chancengleichheit auch unabhängigkeit..

frauenförderung ist kein luxus - das ist blödsinn - sondern erhöht die chancen in männerdominierten berufen sowie in höherwertigen positionen. es ist ein reparaturinstrument, kein gnadenakt ,sondern auch wirtschaftsförderung. immer noch bleiben geschlechtsspezifische ungleichheiten, wie die hohe teilzeitquote v. frauen, d. geringere verdienst, die niedrige zahl v. weibl. führungskräften, probleme bei der vereinbarkeit von beruf/familie f. frauen erhalten. frauenpotenzial nutzen, denn auch aus volkswirtschaftlicher sicht gut ausgebildetes , weibliches potenzial nicht zu nutzen , ist nicht mehr vertretbar. das erkennen endlich auch unternehmen .gute ausbildung, bessere , gerechte verdienstmöglichkeiten schaffen u.a. unabhängigkeit..

Alter Knacker
20
23.2.2011, 23:05

in den afrikanischen Ländern sind ja viele arme Frauen, bei uns z.T. auch, das soll ja nicht so sein, aber vielen Frauen geht es hier so gut, daß Frauenförderung ein Luxus ist. Und da die Frauen seit eh und je 24 Std im Tag nur von sich selbst reden, so fragt man sich, wieso sie noch immer nicht die 50% Quote haben. Ich erhoffe mir ja davon, daß das ewige Jammern dann endlich aufhören wird. Es ist nämlich nichts fader, als ein Mann zu sein und dauernd darüber zu reden wäre das fadeste auf der Welt, dabei schauen viele Frauen aus, wie wenn es ihnen viel besser ginge als jedem Mann. Deswegen verstehe ich das Ganze nicht. Und sie sollen endlich dafür sorgen, daß diese völlig wirkungslosen Debatten endlich aufhören.

korrekt unkorrekt
114
23.2.2011, 22:11
Wirklich weniger Gehalt?

Anstatt das immergleiche mantra von der ungerechten Bezahlung runterzuleiern wäre es jetzt endlich angebracht Fakten zu liefern.Ich wünsche mir einfach nur,das einmal eine von diesen Beauftragten und Expertinnen ein konkretes Beispiel für diese Ungleichbehandlung bringt "Frau A verdient 20% weniger als Herr B obwohl beide in der gleichen Firma X seit 10 Jahren die gleiche Arbeit machen"Nur ein so ein Beispiel.Aber wollen sie nicht bringen,weil sie sonst blamieren könnten wie Frau Prammer.
http://www.youtube.com/watch?v=apgGok3QMMU

Eagle6
00
24.2.2011, 12:32
Genial

mehr kann man zu diesem Interview nicht sagen. HH unplugged :)

conan der feminist
16
24.2.2011, 12:19

erst gestern an der billa kassa beobachtet,
der männliche kassier erhält von einem kunden einen 20 euro schein, die weibliche kassierin nur einen 10er.

die diskriminierung der frau in sämtlichen lebenslagen ist evident.

The Chaos Path
10
24.2.2011, 10:32

bei gelicher ausbildung und lebenslauf 8% unterschied in deutschland. in anderen ländern wirds anders ausschauen - in dem meisten wahrscheinlich noch triester als in österreich.

möchtest du gerne 8% deines gehaltes hergeben?

jane doe2
00
24.2.2011, 18:35

übrigens gibt es unter den Männern Lohnunterschiede von 8%, da sagt man ja auch nichts!

Mac Smith
00
24.2.2011, 17:34
"bei gelicher ausbildung und lebenslauf 8% unterschied in deutschland"

Wenn sie schon die 8% gefunden haben, werden sie doch nicht etwa in der gleichen Publikation die Gründe (bzw. Nichtgründe) dafür überlesen haben.

Richard Ebner
00
24.2.2011, 15:26
Mich würde interessieren, wo die 8% herkommen.

Haben sie da einen Link zur Studie?

Richard Ebner
00
26.2.2011, 17:39
Super, vielen Dank.

jane doe2
02
24.2.2011, 12:18

8%??
Kann es sein, dass die Frauen einfach nur schlechter verhandeln als Männer. Nimmt man jetzt den Frauen auch noch das verhandeln ab, und sagt ihr bekommt immer das, was der bestbzeahlte Mann in diesem Job bekommt?

Außerdem gibt es ja einen Kollekitvvertrag, der soweit ich weiß geschlechterneutral ist. unter Kollektivvertrag darf nicht bezahlt werden. somit ist die Differenz ganz klar Verhandlungssache!

Der Unkurze
00
24.2.2011, 11:49

8% sind verhandlungssache ;)

Neuer Nick neues Glück
02
24.2.2011, 11:27

"bei gelicher ausbildung und lebenslauf 8% unterschied in deutschland."

Aber trotzdem wird hier auf der Propagandaseite immer mit viermal so hohen Phantasiewerten herumhysterisiert!
So wird man definitiv nicht ernst genommen!

Janus Doppelkopf
10
24.2.2011, 11:09
ach, angeblich warens doch 40%???

weiters wären hier eine Quellenangabe und die Metainfos zur Studie relevant, wo sind die?

welche FAKTEN können sie beitragen?

bitte darum sich auf diese zu besinnen, und entsprechende Quellenangaben zu tätigen, danke

Johannes Benn
13
23.2.2011, 19:51
.

wäre es nicht sinnvoller, statt einer politischen einbahnstraße davon auszugehen, dass es viele länder gibt in denen vermeintliche frauenbelange zu schwach durchgesetzt sind, manche länder in denen sie zu stark durchgesetzt sind?

Mac Smith
00
24.2.2011, 17:36
Statistisch gleicht sich das dann doch aus, oder?

Und es geht doch hauptsächlich um Zahlenspiele und nicht um Individuen.

The Chaos Path
20
24.2.2011, 10:32

welche belange von frauen sind in welchen ländern zu stark durchgesetz?

Neuer Nick neues Glück
00
25.2.2011, 20:06

Kommt noch was von dir oder dürfen wir dich als Diskussionspartner offiziell abhaken?

The Chaos Path
00
28.2.2011, 10:45

wenns hier ne diskussion geben würde, würde ich mich auch beteiligen.

Neuer Nick neues Glück
00
25.2.2011, 12:51

Du bist hier einigen Leuten noch eine Antwort schuldig.

Johannes Benn
00
24.2.2011, 14:46
.

ein wenn auch fehlerhafter aber doch arbeitsfähiger vorschlag ist:
alle länder in denen die geburtenrate unter der reproduktionsrate liegt haben ein dysfunktionales geschlechterverhältnis

jane doe2
02
24.2.2011, 12:24

Bei uns szum beispiel. Man kommt sich als Mann ja schon total übrig vor. Es geht und dreht sich alles nur noch um Frauen. In der Werbung kommen nur noch starke Frauen, in allen techn. Berufen sollen nur noch Frauen arbeiten, in den Schulen und Unis werden auch schon Frauen bevorzugt usw. Die sche.... Arbeiten aber dürfen schon noch wir Männer machen. Dafür sind wir gerade noch gut genug.
Wenn man heute Kinder bekommt, und man weiß das es ein Junge ist, muß man ja schon die Abtreibung überlegen, da Jungs ja schon von Anfang an als böse und überflüssig betrachtet werden. Man würde ihnen viel ersparen.
Vielleicht sollten wir Männer einfach einen Massensuizid machen, dann können die Frauen alles haben, und sind unter sich.

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