Mikrokredite und Kleinspargruppen helfen Frauen in Entwicklungsländern zu mehr Selbst- und Mitbestimmung
Wien - Unterschiedliche Zugänge, ähnliche Wirkung: Mikrokredite und Kleinspargruppen ermöglichen Frauen in benachteiligten Regionen den Schritt aus der Armut, hieß es am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Anlässlich des hundertsten Jubiläums des Internationalen Frauentages stellten Care und der "soziale Investor" Oikocredit anhand einiger aktueller Beispiele ihre Projekte zum Thema "Frauen und Geld" vor.
Mehr als zwei Drittel der Armen weiblich
"Eigentlich ist es bizarr, dass wir 2011 überhaupt noch einen Weltfrauentag brauchen", meinte Care Österreich-Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager. Hierzulande sei man zumindest bezüglich der rechtlichen Gleichstellung schon weit gekommen - vor allem in entlegenen ländlichen Gebieten armer Regionen bestehe großer Aufholbedarf. 70 Prozent der in Armut lebenden Bevölkerung weltweit sind Frauen. Die Erfahrung zeige allerdings: sie können viel besser mit Geld umgehen.
Soziales Netzwerk als Schlüssel
Die Hilfsorganisation Care konzentriert ihre Aktivitäten seit langem auf den weiblichen Teil der Bevölkerung. In vielen Fällen wurde die NGO in Kriegsgebieten aktiv, wo nur mehr Frauen, Kinder und alte Leute leben. Je entlegener die Lage, desto geringer die Chancen auf Zugang zu Krediten oder Sparvereinen. Hier setzt man - zum Teil mit sehr geringen Summen - an: gerade Kleinstbäuerinnen und -bauern sind oft in keinster Weise gegen Krisenfälle gewappnet. Gehen die Nahrungsmittel zuneige, werden zum Beispiel unreife Früchte weit unter Wert verkauft.
Angesparte Mittel können als Kredite vergeben werden und vorübergehende Probleme abfedern. Nebeneffekt: die Frauen kommen regelmäßig zusammen und schaffen ein soziales Netzwerk. Laut Wagner-Hager kommt es nur sehr selten zu Kreditausfällen, die Gruppe verwaltet die Mittel meist sehr sorgfältig und braucht nach einiger Zeit kaum noch Unterstützung von Außen. "95 Prozent der Care-Sparvereine bestehen weiter, wenn wir uns aus einem Projekt zurückziehen", freute sich die Expertin.
Beratung wichtig
Günter Lenhart, stellvertretender Vorsitzender von Oikocredit Austria, warnte davor, Geld ohne Beratung zu vergeben. Bewusstseinsbildung und Informationen über den Umgang mit den Finanzen zählt für beide Organisationen zu einem Hauptanliegen, wie auch Rahat Uraimova, Oikocredit-Vizerektorin für Osteuropa und Zentralasien, bekräftigte.
Sozial verantwortungsvolle Anlagen
Die NPO und internationale Genossenschaft Oikocredit wurde vor über 35 Jahren als "Geldanlage der Kirche" gegründet, hat ein investiertes Anteilskapital von 430 Millionen Euro, rund 36.000 private AnlegerInnen und erreicht rund 17 Millionen Menschen in 70 Ländern. 85 Prozent der KreditnehmerInnen sind weiblich. Ab einer nicht gebundenen Mindestanlage 200 von Euro bringt die "sozial verantwortungsvolle Anlage" rund zwei Prozent pro Jahr; die Kreditausfallsrate liegt unter 1 Prozent. (APA)